21.11.2016, 10:16 Uhr

Simon Wagner ist der neue 2WD-Staatsmeister!

(Foto: Marco Mayrhofer)

Simon Wagner krönte sich bei der Waldviertel-Rallye zum ORM2WD-Staatsmeister – der bereits feststehende Junioren-Staatsmeister fuhr taktisch klug und besonnen, gerade deshalb waren es die schwierigsten Kilometer seiner Laufbahn. Julian Wagner ließ den Opel Adam R2 so richtig fliegen – erst ein dramatischer Reifenschaden auf der letzten Prüfung vereitelte den Sieg.

MAUTHAUSEN, WALDVIERTEL. „Das war rein subjektiv ganz sicher der längste Tag meiner bisherigen Rallye-Karriere“, gesteht ein erleichtert schmunzelnder Simon Wagner, wenn er an den zweiten Tag der Waldviertel-Rallye denkt. Der junge Oberösterreicher erlebte eine für ihn ungewohnte, umso schwierigere Rallye – garniert mit einem kleinen „Nerventest“, als er das Ziel bereits erreicht glaubte. Doch der Reihe nach…

Beim Grande Finale der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft kam es in der Staatsmeisterschaft für zweiradangetriebene Fahrzeuge (ORM2WD) zum großen Showdown: Simon Wagner lag zwei Zähler hinter dem Steirer Daniel Wollinger, war jedoch fest entschlossen, das Blatt bei den „final rallydays“ zu wenden und nach dem bereits eroberten Titel als Junioren-Staatsmeister auch die ORM2WD als Staatsmeister abzuschließen.

Dazu musste er in erster Linie vor Daniel Wollinger ins Ziel kommen – erschwerend kam hinzu, dass bei dieser Rallye auch die Finalisten der European Rally Trophy, junge und schnelle Piloten aus ganz Europa hinzukamen – zu weit hinten hätte es nichts genützt, vor Wollinger zu liegen. Am ersten Tag wurde im Rahmen der live im ORF übertragenen Rallyeshow zweimal eine Superspecialprüfung auf dem Gelände des VAZ St. Pölten absolviert, eine Schotter-Prüfung konnte nur einmal abgehalten werden. Am Ende des Tages lag Simon Wagner hinter Daniel Wollinger, doch die Abstände waren wegen der kurzen Distanzen gering und Simon meinte mit einem Augenzwinkern: „So startet Daniel am Samstag vor mir und ich kann somit im Ziel seine Zeit sehen – daher bin ich über das Zwischenergebnis nicht unglücklich.“

Richtig ernst wurde es erst am zweiten Tag: Tatsächlich konnte Simon gleich auf der ersten Samstagsprüfung an Wollinger vorbeiziehen, die beiden lagen direkt hintereinander auf den Plätzen fünf und sechs der 2WD-Wertung. Beide wollten keinesfalls den Titel riskieren und fuhren daher „schaumgebremst“, schließlich waren die Prüfungen rutschig und voller Tücken. Dennoch konnte Simon auf SP7 auf Platz drei der 2WD vorrücken, lag nun also mehrere Plätze vor seinem Titelkonkurrenten. Dennoch musste Simon stets Vorsicht walten lassen: „Es wurde unheimlich viel Schlamm und auch sonst viel Zeug aus den Cuts herausgearbeitet, man konnte sehr schnell etwas treffen.“

Prompt erwischte es Wollinger auf SP8: Ein Reifenschaden kostete ihn auf der letzten Vormittagsprüfung gleich mehrere Minuten. Simon erzählt: „Es hat mir natürlich leid für ihn getan. Als ich Daniel am Streckenrand gesehen habe, wie er den Reifen gewechselt hat, musste ich mich wirklich zusammenreißen, um konzentriert zu bleiben. Wie gesagt: Es lag so viel Schlamm und Dreck auf der Strecke, man wusste nicht, was da genau drunter liegt.“

Am Nachmittag warteten noch vier weitere Prüfungen auf Simon und seine erfahrene Copilotin Ursula Mayrhofer, die letzten beiden wurden noch dazu bei Dunkelheit in Angriff genommen. Simon musste „nur“ ins Ziel fahren – doch der Druck, der auf ihm lastete, war immens. „Du wirst mit der Zeit fast wahnsinnig, hörst genau auf das Motorengeräusch, machst dir Gedanken um Dinge, die ganz normal sind. Es waren wohl die schwierigsten Kilometer meiner Karriere.“

Doch der 23-Jährige ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und brachte den Wurmbrand Citroen DS3 R3 ohne jeden Kratzer ins Ziel der letzten Sonderprüfung. Doch die Rallye ist bekanntlich erst dann erfolgreich zu Ende gefahren, wenn man auch die Zielrampe bzw. den Parc ferme sieht. Als Simon und Ursula die letzten Kilometer der Verbindungsetappe vom Stage-Modus auf den normalen Straßenmodus schalten, hören sie plötzlich seltsame Geräusche: „Der Motor ist am Stand ganz komisch gelaufen – da habe ich noch einmal durchatmen müssen. Dann haben wir entdeckt, dass wir zum Glück nur eine andere Einstellung vornehmen müssen.“

Am Ende konnten Simon Wagner und Ursula Mayrhofer die Rallye auf Platz drei der 2WD beenden und somit den Staatsmeistertitel bejubeln. Simon erklärt: „Ich fühle mich jetzt unheimlich erleichtert, denn es ist auch eine große Verantwortung auf meinen Schultern gelegen. Das Wurmbrand Racing Team hat mir wieder ein perfektes Auto zur Verfügung gestellt und Teamchef Manuel Wurmbrand war in dieser schwierigen finalen Phase eine große Hilfe für mich, ebenso meine Copilotin Ursula Mayrhofer, die ebenfalls beruhigend auf mich gewirkt hat. Schließlich möchte ich mich bei meinen Sponsoren bedanken, die auf mich gesetzt haben – ich bin sehr froh, dass wir ihnen mit diesem Titel auch etwas zurückgeben können. Am Schluss möchte ich mich bei meinen Eltern bedanken, ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Julian: Überlegene Führung – dann Drama auf der letzten Prüfung


Dramatisch verlief auch die Rallye für den um zwei Jahre jüngeren Bruder von Simon, Julian Wagner. Während Simon die gesamte Rallye über „taktisch“ und „an der kurzen Leine“ fahren musste, konnten Julian und sein Copilot Jürgen Heigl den von Stengg Motorsport eingesetzten Opel Adam R2 so richtig fliegen lassen.

Und wie: Julian konnte insgesamt sechs von zehn möglichen 2WD-Bestzeiten in den rutschigen Schotter brennen, vor der letzten Sonderprüfung führte er mit mehr als einer halben Minute die 2WD-Wertung an, dahinter auch zahlreiche R3-Boliden. Genau das also, was Stengg Motorsport heuer zeigen wollte – dass man mit dem Opel Adam R2 auch die R3-Autos besiegen kann – war Julian drauf und dran, in die Tat umzusetzen.

Doch dann erlebte das Duo Wagner/Heigl einen wahren Thriller als letzte Sonderprüfung, die zudem 22 Kilometer Länge aufwies. Auf einem Onboardvideo kann man die bangen Momente miterleben: 15 Kilometer vor dem Ziel bemerken Julian und Jürgen einen Reifenschaden rechts hinten. Man hört Jürgen sagen: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Später sagt Julian: „Es riecht nach Gummi.“ Denn der Reifen löst sich immer mehr von der Felge ab, schließlich fahren die beiden nur noch auf der Felge – Julian muss gegenlenken, um das „Dreirad“ auf der Strecke zu halten. Als sie schließlich das Ziel erreichen, offenbart sich die wahre Meisterleistung des Julian Wagner: Denn obwohl er elf Kilometer mit nur drei Reifen fahren musste, markierte er auf dieser Prüfung die 26. Gesamtzeit…

So konnten Julian Wagner und Jürgen Heigl noch den zweiten Platz in der ORM2WD belegen – die beiden Wagner-Brüder landeten auf dem Podium. Ein toller Abschluss für eine Saison, die Simon gleich zwei Titel bescherte. Und Julian weiß nun, dass der Opel Adam R2 „sein Auto“ ist. Für 2017 gibt es bereits einige Pläne – vorerst verabschiedet sich die Familie Wagner aber in die Winterpause.

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