13.06.2017, 13:57 Uhr

"Investieren weitere 56 Millionen Euro in Schwertberg"

ENGEL Schwertberg Simulation Ausbau Nord 2 (Foto: Engel)

Engel-Geschäftsführer Stefan Engleder über die Ausbaupläne und sein erstes halbes Jahr als Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO)

SCHWERTBERG. Die Firma Engel investiert am Stammsitz in Schwertberg in den kommenden drei Jahren weitere 56 Millionen Euro, informiert Engel-Chef Stefan Engleder. Was wird gemacht? "Wir haben im Frühjahr die Erweiterung des Technologiezentrums im Süden des Werksgeländes – gegenüber des Schwertberger Bahnhofs – abgeschlossen und im Mai mit dem nächsten Ausbauschritt im nördlichen Teil zwischen Ludwig-Engel- und Perger Straße begonnen. Unser altes Verwaltungsgebäude ist inzwischen abgerissen, um Platz für die Erweiterung der 2013 errichteten Produktionshalle Nord zu schaffen. Über dem neuen Teil der Halle wird sich zukünftig unser Kundentechnikum befinden. Dieses wird deutlich größer als das bestehende sein, um eine noch breitere Auswahl an Spritzgießmaschinen und Technologien präsentieren zu können. Die Maschinen im Technikum stellen wir unseren Kunden für Versuche und gemeinsame Entwicklungsarbeiten zur Verfügung. Außerdem nutzen wir die Maschinen für Kundenschulungen und Workshops", sagt Engleder.

Interview mit dem Engel-Chef:

Stefan Engleder, Urenkel des Unternehmensgründers Ludwig Engel, übernahm am 1. Dezember den Vorsitz in der Geschäftsführung des Spritzgießmaschinen-Herstellers. Wie es ihm in den ersten Monaten ergangen ist und welche Herausforderungen anstehen, verrät er im BezirksRundschau-Gespräch.

BezirksRundschau: Sie sind seit etwas mehr als einem halben Jahr Engel-Chef. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Stefan Engleder: Absolut positiv! Da ich ja auch zuvor schon Mitglied der Geschäftsleitung war, haben wir nur eine kurze Eingewöhnungs- oder Umgewöhnungsphase gebraucht. Unsere aktuelle Strategie habe ich seit mehr als vier Jahren schon aktiv mitgestaltet, so dass es keine grundlegenden Richtungsänderungen gibt. Für mich lautet die Frage jetzt eher, wie wir den eingeschlagenen Kurs halten. Und hier gab es gerade in meinen ersten Monaten als CEO einige wichtige Entscheidungen, zum Beispiel in Bezug auf den Kapazitätsausbau. Unsere Strategie ist auf Wachstum ausgerichtet. Zudem haben wir einige wichtige Initiativen gestartet, wie zum Thema Digitalisierung, das uns große Zukunftschancen eröffnet, und zum Thema Service-Exzellenz. Gerade im Service kommt es darauf an, die Erwartungen der Kunden zu übertreffen – und entsprechend in Ausbildung und Kapazitäten zu investieren.
Die Zahlen entwickeln sich weiter gut und wir rechnen auch für die kommenden 12 bis 18 Monate mit einem wachsenden Auftragseingang. Einen schöneren Start kann man sich fast nicht wünschen.
ENGEL wird immer größer und da gehört es auch zu meinen Aufgaben, die Komplexität im Griff zu halten. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass mit zunehmender Größe die Geschwindigkeit abnimmt. Dies wollen wir nicht einfach so hinnehmen. Indem wir uns organisatorisch gut aufstellen, schaffen wir es, ein reaktionsfreudiger Mittelständler zu bleiben.
Persönlich wächst man natürlich mit der Position des CEOs, und für mich persönlich war es schon nochmal eine Umstellung. Ich fühle mich mit meinen neuen Aufgaben sehr wohl, was auch daran liegt, dass ich viel Wertschätzung erfahre, sowohl von meinen Kollegen, als auch von unseren Mitarbeitern und von Eigentümerseite. Das ist die Basis für das nötige Vertrauen und den Handlungsspielraum, den ich brauche, um meine Arbeit gut zu machen.

Wie kann man sich den Arbeitsalltag eines CEO vorstellen: Was sind Ihre Haupttätigkeiten? Wie viele Tage sind Sie im Ausland unterwegs? Wie viele Stunden in der Woche arbeiten sie?

Die Anzahl an Stunden, die ich arbeite, hängt vielmehr von mir persönlich als von meiner Position ab. Ich arbeite gerne und viel und das habe ich in jeder Position so gemacht, sei es als Entwicklungsleiter, als Werksleiter in der Automatisierungstechnik oder in der Geschäftsleitung.
Die Auslandsreisen sind natürlich mehr geworden. Aber auch das liegt letzten Endes an mir. Mir ist es sehr wichtig, auch als CEO mit unseren Kunden in direktem Kontakt zu sein und sie in ihren Werken zu besuchen.

Engel expandiert – ob in Schwertberg, Hannover oder in Kaplice. Was macht die derzeit gute Auftragslage aus?  

Die Kunststoffbranche profitiert derzeit von einem anhaltend guten Investitionsklima – und das ist tatsächlich ein globaler Trend. Auch der schon sehr weit entwickelte europäische Markt wächst, die Nachfrage in Nordamerika steigt weiter an und in Asien erleben wir nach wie vor eine besonders dynamische Entwicklung. Neben China steigt vor allem die Nachfrage aus Südostasien.
Was speziell ENGEL betrifft, so denke ich, dass wir unsere Hausaufgaben sehr gut gemacht haben. Gemeint ist damit, dass wir die Markttrends jeweils richtig und vor allem schon früh erkannt und uns entsprechend darauf vorbereitet haben. Nur wenn wir unsere Kunden in die Lage versetzen, eine hohe Fertigungsqualität mit einer hohen Wirtschaftlichkeit zu vereinen und damit wettbewerbsfähig zu sein, können auch wir erfolgreich sein. Die Voraussetzungen dafür sind kompromisslose Qualität, Innovationsstärke und Kundennähe. Kundennähe bedeutet, dass wir die Sprache unserer Kunden und deren Branche sprechen und sowohl einzelne Spritzgießmaschinen als auch integrierte und automatisierte Fertigungszellen individuell auf die Anforderungen unserer Kunden maßschneidern. Fast jede Maschine und Fertigungszelle, die wir ausliefern, ist ein Unikat. Kundennähe gilt aber auch wörtlich. ENGEL ist mit neun Fertigungswerken auf drei Kontinenten, 30 Niederlassungen und 60 Vertretungen weltweit nah bei seinen Kunden. Derzeit sind wir dabei, unser schon sehr gutes Netz an Servicetechnikern weiter auszubauen und gleichzeitig mehr Mitarbeiter für die technologische Beratung einzustellen. Notwendig ist dies, weil die Branchentrends, wie Prozessintegration und Industrie 4.0, dazu führen, dass wir als Maschinenbauer immer stärker zum Partner über den gesamten Lebenszyklus der Spritzgießmaschinen und Fertigungszellen werden. Wir arbeiten immer intensiver mit unseren Kunden zusammen und beraten sie auch wenn es darum geht, eine bestehende Maschine für andere Produkte umzurüsten oder einen bestehenden Prozess weiter zu optimieren. Dafür schaffen wir weltweit die entsprechenden Ressourcen, sowohl personell als auch in Bezug auf unsere Fertigungskapazitäten.
Ein weiterer wichtiger Wachstumstreiber ist das Thema Leichtbau. Eine nachhaltige Mobilität – Elektromobilität – wäre ohne innovative Kunststoff- und Verbundmaterialien nicht möglich. Mit unserem 2012 gegründeten Technologiezentrum für Leichtbau-Composites haben wir uns auch auf diesen Trend früh eingestellt und gehören heute zu den bevorzugten Entwicklungspartnern der Automobilhersteller, wie zum Beispiel BMW für die i-Serie.
Sie sehen, es sind viele unterschiedliche Faktoren für die gute Auftragslage verantwortlich. Mit den Investitionen in unsere Standorte tragen wir der steigenden Nachfrage sowie den sich verändernden Anforderungen unserer Kunden Rechnung.

Was sind die größten zwei, drei Herausforderungen, die auf Engel in naher Zukunft zukommen?

Die besten Mitarbeiter für uns zu gewinnen und im Unternehmen zu halten – das wird uns angesichts des sich weiter verschärfenden Fachkräftemangels weiter herausfordern. Dabei ist es nicht nur der wachsende Auftragseingang, der den Ausbau unserer personellen Ressourcen erfordert. Vielmehr tragen auch bestimmte Industrietrends, allen voran Industrie 4.0, dazu bei, dass wir in Zukunft mehr Mitarbeiter benötigen als heute. Dabei suchen wir übrigens nicht nur in den klassischen Maschinenbauberufen, sondern verstärkt zum Beispiel auch im Bereich Informatik.
Wir begleiten unsere Kunden auf dem Weg zur digitalen, vernetzten Fabrik und natürlich gibt es auch hier noch Herausforderungen, die wir nur gemeinsam – mit unseren Kunden, mit Partnern, aber auch mit Mitbewerbern – lösen können. Hier geht es zum Beispiel um Datensicherheit und Standardisierung. ENGEL gehört zu den großen der Branche und deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, sichere Standards aktiv voranzutreiben. Wir haben hier über die letzten zwei Jahre schon viel erreicht und können schon heute in zahlreichen Bereichen von den großen Chancen, die Industrie 4.0 eröffnet, profitieren. Die Digitalisierung und Vernetzung ermöglichen eine noch höhere Produktivität und Qualität und sichern damit unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit.
Die Mitarbeiter, die wir unter anderem dafür einstellen, wollen wir natürlich langfristig im Unternehmen halten, und wir tun unser Bestes, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Hierzu gehört auch, dass wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihre Ideen mit den besten Ressourcen, die wir bieten können, umzusetzen. Wir haben die Personalentwicklung über die letzten Jahre deutlich verstärkt und bieten für unsere Mitarbeiter in allen Bereichen jeweils maßgeschneiderte Weiterbildungspakete an.
Darüber hinaus ist die Ausbildung im eigenen Haus ein wesentlicher Faktor zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs. Im Zuge des Ausbaus Schwertberg haben wir auch eine noch größere Lehrwerkstätte errichtet und diese mit modernsten Maschinen ausgerüstet. Wenn im September das neue Lehrjahr startet, werden dort 180 junge Männer und Frauen beschäftigt sein.

Im Vertrieb gehen wir seit gut einem Jahr neue Wege in der Ausbildung. Derzeit durchlaufen bei uns acht junge Akademiker eine internationale Trainee-Ausbildung.
Wir profitieren hier am Standort Oberösterreich von einem hohen Ausbildungsstandard in den Mittelschulen, den Lehrberufen und der universitären Ausbildung. Einige andere Rahmenbedingungen gilt es mit den sich verändernden Anforderungen in der Industrie weiterzuentwickeln. Ich engagiere mich hierfür auch im Bundesvorstand der Industriellenvereinigung und stehe mit der WKOÖ und den Landeshauptleuten in Dialog. Als Betrieb müssen wir in Zukunft noch aktiver sein, um das gute Innovationsklima in Oberösterreich zu halten.

Zur Sache

Ludwig Engel gründete die Firma 1945, die noch heute zu 100 % im Familienbesitz ist. 5.900 Mitarbeiter sind beschäftigt, rund 2.000 am Hauptsitz in Schwertberg.
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