02.05.2017, 12:38 Uhr

Milch muss nicht weggeschüttet werden - Molkerei kündigt Milch-Übernahme an

Martin Kurzmann, Bad Kreuzen

Berglandmilch hat angekündigt, den Milchbauern ohne Liefervertrag ein Angebot zu machen.

BAD KREUZEN, BEZIRK PERG. „Die Ankündigung der Berglandmilch, die 19 Milchlieferanten der Alpenmilch-Logistik GmbH nun doch zu übernehmen, ist ein richtiger Schritt um das wirtschaftliche Überleben dieser Betriebe zu ermöglichen, aber auch um einen größeren Imageschaden für die Berglandmilch, als größte österreichische Genossenschaftsmolkerei, abzuwenden. Es bleibt jedoch noch abzuwarten, ob die angebotenen Lieferverträge auch wettbewerbsrechtlich als fair und verhältnismäßig einzustufen sind“, analysiert Nationalrat Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen, die aktuellen Entwicklungen im Milchsektor.
Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatten Martin Kurzmann, Bad Kreuzen, und seine Kollegen aus dem Bezirk Perg noch keinen Vertrag vorgelegt bekommen. "Damit keine Milch bei den betroffenen Bauern entsorgt werden muss, hat der Vorstand der IG-Milch beschlossen, die Milchsammlung der Alpenmilch-Logistik bis zum kommenden Wochenende zu organisieren", so Obmann Ewald Grünzweil.

Dank an BezirksRundschau
"Ich bedanke mich bei den Medien. Besonderer Dank gilt der BezirksRundschau Peg, die als erste Zeitung über unsere Probleme berichtete. Es gab so viele Sympathie-Kundgebungen, so große Unterstützung für uns", dankt Martin Kurzmann.
Wolfgang Pirkelhuber: „Der Streit um die Übernahme dieser Milchbetriebe hat gravierende Mängel im österreichischen Milch- und Molkereisektor offenbart. Weder im Landwirtschaftsministerium noch im Bereich der gesetzlichen Interessensvertretung gibt es eine Schlichtungsstelle für Konfliktmanagement. Diese Causa zeigt deutlicher denn je, wie sehr die bäuerlichen Familienbetriebe der Parteipolitik und der Marktkonzentration der Verarbeitungsbetriebe ausgeliefert sind."
Die Landwirtschaftskammer OÖ freut sich, dass eine Schließung der Betriebe erfolgreich abgewendet werden konnte. "Das ist gelebte Solidarität unter den Bauern", so Präsident Franz Reisecker. Die getroffenen Entscheidungen hätten die bäuerlichen Funktionäre in den Genossenschaften massiv gefordert. Der Dank gelte auch den Bauern, welche in diesen Jahren bei ihrem Verarbeiter geblieben sind, Investitionen mitgezahlt haben, die auch von diesen Entscheidungen betroffen sind und diese mittragen müssen. Daher sei es mehr als verständlich, dass die Milchauszahlungspreise unterschiedlich sein müssten.

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Presseaussendung:
Grüne begrüßen Einlenken der Berglandmilch zur Übernahme von 19 Milchlieferanten
Pirklhuber: "Reformstau im Milch- und Molkereisektor erfordert Novelle des Marktordnungsgesetzes!"


"Die Ankündigung der Berglandmilch, die 19 Milchlieferanten der Alpenmilch-Logistik GmbH nun doch zu übernehmen, ist ein richtiger Schritt um das wirtschaftliche Überleben dieser Betriebe zu ermöglichen, aber auch um einen größeren Imageschaden für die Berglandmilch, als größte österreichische Genossenschaftsmolkerei, abzuwenden. Es bleibt jedoch noch abzuwarten, ob die angebotenen Lieferverträge auch wettbewerbsrechtlich als fair und verhältnismäßig einzustufen sind", analysiert NAbg. Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen im Parlament, die aktuellen Entwicklungen im Milchsektor.

"Der Streit um die Übernahme dieser Milchbetriebe hat in den letzten Monaten gravierende Mängel im österreichischen Milch- und Molkereisektor offenbart. Weder im Landwirtschaftsministerium noch im Bereich der gesetzlichen Interessensvertretung gibt es eine Schlichtungsstelle für Konfliktmanagement und faire Marktbedingungen. So steht im Raum, dass die Alpenmilchlogistik GmbH bzw. ihre Vorläuferorganisation Freie Milch Austria jahrelang von den marktführenden Molkereien, als Lieferant ausgegrenzt bzw. im besten Fall einfach ignoriert wurde. Die Molkerei-Lieferverträge der Bäuerinnen und Bauern enthalten immer kuriosere Zu- und Abschläge, Klauseln, Eintritts- bzw. Vermarktungsgebühren bis hin zu einer längeren Bindungsdauer ohne Kündigungsrecht", kritisiert Pirklhuber, der einmal mehr die Einrichtung eines überparteilichen Branchenverbandes für den Milch- und Molkereisektor unter Einbindung aller Stakeholder fordert.

"Auch die Landwirtschaftskammern haben diesbezüglich bisher nichts Substanzielles zustande gebracht. Diese Causa zeigt deutlicher denn je, wie sehr die bäuerlichen Familienbetriebe der Parteipolitik, dem Bankeninteresse und der Marktkonzentration der Verarbeitungsbetriebe ausgeliefert sind. Überparteilichkeit ist in diese Branche noch ein Fremdwort", argumentiert Clemens Stammler, Landwirtschaftskammerrat der Grünen Bäuerinnen und Bauern Oberösterreich.

"Das durch die EU-Milchmarktordnung verbriefte Recht der Milchlieferanten ihren Abnehmer zu wechseln - als großer Meilenstein der EU-Milchmarktreform gefeiert - wird in der Praxis von den Molkereien immer noch als Affront und nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet", so die Grün-Politiker.

"Im nächsten Landwirtschaftsausschuss am 3. Mai werde ich daher die Einrichtung einer demokratisch legitimierten Bundes-Landwirtschaftskammer einfordern, die auch kleinbäuerliche Interessen, unabhängig von der politischen Zugehörigkeit, repräsentieren muss. Ebenso notwendig ist eine Novelle des Marktordnungsgesetzes, um die gesetzlichen Vorgaben für einen fairen und transparenten Milchmarkt in Österreich sicherzustellen", so Pirklhuber abschließend.

Rückfragehinweis: Grüner Klub im Parlament Bernd Pekari, +43-67686665930 presse@gruene.at

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Presseaussendung von Clemens Stammler, Sprecher Grüne Bäuerinnen und Bauern bezüglich der Lösung für die Milchbauern zur Ihrer Verwendung. Erhalten nach Redaktionsschluss der Printausgabe.


Angebot in letzter Minute für Milchrebellen, alles Gut?

Mit Ende Mai stellte die „Alpenmilchlogistik“ (die Nachfolgerin der „Freien Milch Austria“, bekannt auch als Vermarktungsorganisation der IG Milch „Milchrebellen“) ihre Tätigkeit ein. Zu groß waren die Sammelwege, zu groß war das Preistief, zu groß die Konkurrenz die den Markt dicht machte.

Also wurden 160 Bäuerinnen und Bauern auf den Weg geschickt, sich neue Partner zu suchen. Jeder für sich. Denn eines war klar, die Leader der IG Milch konnten nicht als Vermittler und Verhandler in den Ring der Genossenschaftsmolkereien steigen. Dies würde nur schlecht verheilte Wunden aufreißen.

Späte, teure Bestätigung?
Die Bäuerinnen und Bauern stellten, teils mehrfach, Anträge an Molkereien in deren Sammelgebiet sie liegen. Ohne erkennbarem System wurden Betriebe unter Vertrag genommen, andere, teils im selben Dorf stehende Betriebe jedoch nicht.
Die durch die IG Milch jahrelang angeprangerte Marktmacht der Raiffeisen Genossenschaftsmolkereien schien erbarmungslos für 35 Milchbäuerinnen und Milchbauern zuzuschlagen.
Ist die Genossenschaft nur dem treuen Genossen verpflichtet?
Die Raiffeisen Genossenschaftsmolkereien verarbeiten 95% der in Österreich gesammelten Kuhmilch! So sehr sich diese oft untereinander uneins sind und in Konkurrenz zueinanderstehen, schert eine Gruppe Bäuerinnen und Bauern aus, so stehen die Reihen eng. Diese Marktmacht muss kartellrechtlich geprüft werden!

Das Verhältnis zwischen LieferantIn und Molkerei basiert keineswegs auf Augenhöhe. Der „Vereinigung der Milchverarbeitungsbetriebe“ (VÖM) mit Sitz im Raiffeisentower in Wien steht keine Organisation der Milchbäuerinnen und Milchbauern gegenüber. Die Entstehung der von der EU zwar geforderten Branchenverbände werden seitens der österreichischen Milchlobby (Molkereien, VÖM, Raiffeisen, Landwirtschaftskammern) massiv blockiert. Zu sehr droht Machtverlust.

Wer den Markt hat, hat die Macht aber auch die Verantwortung, dachten sich wir Grüne Bäuerinnen und Bauern. Daher luden wir die Vertreter der Genossenschaftsmolkereien schon vor zwei Monaten zum Runden Tisch. Vor und hinter dem Vorhang beschäftigten wir Kammer, Landtag den Nationalrat sowie das Bundesministerium für Landwirtschaft mit der Causa. Schlussendlich konnte auch über die Medien der Druck dahingehend erhöht werden, dass letzten Samstag die Berglandmilch als letzte Molkerei den Milchbäuerinnen und Mauern ein Angebot, wenn auch mit Abschlag beim Milchpreis, stellte.

Die Bemühungen der Landwirtschaftskammer für die Milchbetriebe Lösungen zu finden waren kaum wahrnehmbar. Obwohl es sich um die ureigenste Aufgabe einer Kammer handelt, sich als Interessensvertretung für ihre Mitglieder zu verwenden. Der OÖ Landwirtschaftskammerpräsident Franz Reisecker sprach von „unternehmerischen Risiko“ der Milchviehbetriebe und „keinem Zwang“ der Genossenschaften, Milch übernehmen zu müssen und stellte damit seine eigene Funktion und die der LK in Frage. In dieser Causa nahm er wohl seine Position als Raiffeisen -Genossenschaftsanwalt wahr.

Bäuerliche Familienbetriebe sind Systemrelevant
Auch wenn für alle Milchhöfe ein Abnehmer gefunden scheint, die Marktverhältnisse haben sich dadurch nicht verändert. Die meisten bäuerlichen Familienbetriebe haften mit Haus und Hof und bis zur Tennissocke mit ihrem Privatbesitz. Weder GmbH noch Haftungsübernahmen durch den Bund wie zuletzt bei der „Bankenrettung“ schützten die Bäuerin, den Bauer vor dem Finanzmarkt und der Konzentration der Verarbeiter und des Lebensmitteleinzelhandels.
Daher fordern wir Grüne Bäuerinnen und Bauern Schutzmechanismen in der Marktordnung, eine europäische Mengensteuerung, sowie eine kartellrechtliche Überprüfung des Milchmarktes. Denn bäuerliche Familienbetriebe sind Systemrelevant, wenn es um Klimaschutz, Landschaft, Lebensqualität und Tourismus, aber vor allem um qualitative Ernährungssouveränität geht.

Clemens Stammler
Obmann Grüne Bäuerinnen und Bauern OÖ, Landwirtschaftskammer-Rat

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Pressemitteilung Landwirtschaftskammer OÖ - erhalten nach Redaktionsschluss der Printausabe.
Bauern ohne Milchabnehmer: Leistungsfähige Genossenschaften ermöglichen solidarische Lösung
Auch die letzten noch betroffenen Milchbauern, welche ab Anfang Mai ohne Milchabnehmer und Lieferverträge dagestanden wären, werden nun durch die Molkereigenossenschaften aufgenommen. Damit konnte eine Schließung dieser Betriebe erfolgreich abgewendet werden.
„Das ist gelebte Solidarität unter den Bauern“, bedankt sich Präsident Reisecker, „denn die getroffenen Entscheidungen haben die verantwortlichen bäuerlichen Funktionäre in den Genossenschaften massiv gefordert. Der Dank gilt in weiterer Folge auch den Bauern, welche in diesen Jahren bei ihrem Verarbeiter geblieben sind, Investitionen in Kapazität und Weiterentwicklung mitgezahlt haben, die auch von diesen Entscheidungen betroffen sind und diese mittragen müssen. Daher ist es mehr als verständlich, dass die Milchauszahlungspreise unterschiedlich sein müssen.“
Lösung erfordert Änderungen bei Milchsammlung
Besonders anzumerken ist, dass die aktuelle Marktsituation durchwegs angespannt ist und die zusätzliche Übernahme von Milch auch einen entsprechenden Absatz braucht. Auch wenn die zusätzlichen Mengen von diversen Gruppierungen als minimal oder gar vernachlässigbar bezeichnet wurden ist klar festzuhalten, dass jeder Liter Milch gesammelt, verarbeitet und vor allem verkauft werden muss. Auch die Darstellung, dass die Tankwagen ohnehin bei den betroffenen Betrieben vorbeifahren, muss zurechtgerückt werden. Die Sammellogistik der Molkereien ist aus wirtschaftlichen Gründen ausgeklügelt und muss sich laufend ändernden Gegebenheiten anpassen, da die Milchmengen auf den Betrieben schwanken bzw. bis ca. Ende Mai im Steigen begriffen sind. Daher sind die Sammelwägen auf beste Auslastung und Kosten optimiert.
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Diese mangelnde Auslastung bzw. der Aufwand der Sammlung hat das Ende der Alpemilchlogistik herbeigeführt. „Genau das Problem der Milchsammlung als Grund für das Scheitern der Alpenmilchlogistik zu verwenden und im gleichen Zug den Molkereien zu sagen, dass für sie der Milchtransport ohne größeren Aufwand möglich wäre, ist mehr als unfair“, betont Präsident Reisecker.
IG Milch als Auslöser der Misere
„Ich möchte überdies nicht verabsäumen, auf die Auslöser dieser schwierigen Situation hinzuweisen. Vor knapp 10 Jahren haben einige Proponenten aus dem Lager der IG-Milch die klare Parole ausgegeben, den Molkereien und vor allem den Genossenschaften zu zeigen, wie man bessere Milchpreise zustande bringt. Die Wortwahl ist noch vielen im Gedächtnis und hat teils große Risse innerhalb der Bauernschaft verursacht. Sie haben damals für ihre Mitglieder klare Marktverantwortung übernommen. Die Milchpreise der Freien Milch und später der Alpenmilchlogistik lagen über diesen Zeitraum überwiegend unter den Auszahlungspreisen der Molkereien. Das heißt, dass die betroffenen Bauern über diese Art der Milchvermarktung bereits einen hohen Preis bezahlt haben. Die schlechten Auszahlungspreise sind auch mit ein Grund, dass sich über die Zeit viele Landwirte berechtigterweise von diesem Geschäftsmodell der Freien Milch verabschiedet haben. „Den Molkereien wurde immer unterstellt nur das auszubezahlen was übrigbleibt. Ich frage mich, was die Freie Milch bzw. die Alpenmilchlogistik gemacht hat“, merkt Reisecker an.
Schlechte Berater erschwerten Lösung
Nicht genug, dass das Geschäftsmodell gescheitert ist und den betroffenen Milchbauern über den Erlösentgang viel Geld gekostet hat. Viel mehr waren die gleichen Proponenten auch bis zum Schluss noch schlechte Berater. In den letzten Wochen haben sie mit ihren Aktivitäten den noch übriggebliebenen Betrieben die Gesprächsbasis mit möglichen Milchabnehmern massiv erschwert. „Potentiellen und notwendigen Partnern in einer derartigen Ausnahmesituation über die Medien auszurichten was sie zu tun hätten und zu drohen ist an Dreistigkeit und Kurzsichtigkeit kaum zu überbieten. Die Leidtragenden waren die letzten verbliebenen Bauern, denen damit jegliche vernünftige Möglichkeit genommen wurde, mit den Molkereien in Verhandlung zu treten. Nicht die Verarbeiter sind schuld am Ende dieser Milchbauern gewesen, sondern genau diejenigen, welche sie in dieses Schlamassel gebracht haben. Niemand redet von einer Verantwortung oder gar Haftung jener, die ihre Standeskollegen in die Misere hineingeritten haben.“ zeigt sich Präsident Reisecker verärgert, „Zu guter Letzt wurde die Situation weiter verschärft durch Zurufe politischer Besserwisser, die sich gerne öffentlichkeitswirksam mit den Verursachern zeigen.“
LK um Lösung bemüht
Die Landwirtschaftskammer hat in den letzten Monaten ohne mediale Begleitmusik laufend Gespräche mit den Molkereiverantwortlichen geführt und versucht zu vermitteln, wohl wissend, dass dort die Entscheidungen zu treffen sind. Wir weisen auch auf die schwierige
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Situation der letzten zwei Jahre bei vielen anderen Milchlieferanten hin, die trotz aufrechter Lieferverträge große Herausforderungen zu bewältigen hatten.
„Es braucht nun Ruhe, damit auf allen Ebenen wieder besonnen und zukunftsorientiert gearbeitet werden kann. Mit der Übernahme der Betriebe ohne Liefervertrag konnte die größtenteils genossenschaftlich organisierte Verarbeitungswirtschaft noch mehr wirtschaftlichen und imagemäßigen Schaden von der gesamten Milchbranche abwenden. Ohne die gute Marktposition und Leistungsfähigkeit der genossenschaftlichen Molkereiwirtschaft wäre die nunmehr erzielte Lösung nicht möglich gewesen,“ schließt Reisecker.
"Ich bin persönlich froh darüber, dass die betroffenen Lieferanten von den abnehmenden Molkereien wieder eine positive wirtschaftliche Zukunftsperspektive erhalten haben", erklärt Präsident Reisecker.
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