"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin..." - Beitragsreihe Lyrik
Heinrich Heine – Der „letzte deutsche Romantiker“ [Teil 1]

Heinrich Heine
  • Heinrich Heine
  • Foto: Gemälde von Moritz D. Oppenheim, 1831
  • hochgeladen von Manuel Riegelbauer

[TIPP zu Beginn: Lesen Sie auch die zuvor erschienenen Artikel zur Beitragsreihe Lyrik -> Link folgen . Immer am Ende der Beiträge finden sie eine Auswahl von schönen Gedichten]

Bonn am Rhein, 1819. Der junge, jüdischstämmige Mann Harry Heine schreibt sich an der Universität Bonn für das Studium der Rechtswissenschaften ein, obwohl ihn das Studium nicht wirklich begeistert. Er besucht nur eine einzige juristische Vorlesung. In den folgenden Jahren wechselt Heine bedingt durch seine Reisen durch Deutschland mehrmals seinen Studienort – Bonn, Göttingen, Berlin. Der zu dieser Phase schon schreibfreudige, literaturbegeisterte Student hört Vorlesungen von August W. Schlegel und dem bekannten Philosophen Georg W. F. Hegel (deutscher Idealismus), die ihn mitunter auch nachhaltig prägen werden.

1825 promovierte Heine schlussendlich an der Universität Göttingen zum Rechtsgelehrten. Als ein in Deutschland lebender Jude war er sich bewusst, dass es beinahe unmöglich werden würde, eine Anstellung als Jurist zu bekommen – bereits in seiner Kindheit und Jugendzeit sah Heine, der glücklicherweise wohlhabende Verwandtschaft besaß, wie die jüdische Bevölkerung gesellschaftlich benachteiligt wurde. Er fasste den Entschluss, in die evangelisch-lutherische Kirche zu konvertieren, und ließ sich auf den Namen Christian Johann Heinrich Heine taufen. Trotz vieler Bemühungen blieb ihm eine Anstellung verwehrt und noch Jahre später bereute er den vermeintlich zweckmäßigen Übertritt ins Christentum.

Seit 1816 veröffentliche Heine literarische Werke, zu Beginn vor allem Gedichte. 1824 erschien die Gedichtsammlung namens „Dreiunddreißig Gedichte“, welche auch das heute sehr bekannte Gedicht „Die Loreley“ enthält. Im Jahr 1826 brachte der Verlag Hoffmann und Campe, von da an Heines langjähriger Stammverlag, das „Buch der Lieder“ heraus. Die romantische und volksliedhafte Dichtung dieser Gesamtausgabe traf den Nerv der Zeit und begründete den Ruhm des Schriftstellers.

Heine sah sich zunehmend als letzten Vertreter der deutschen Romantik, begann diese Strömung mittels Ironie und Sarkasmus zu überwinden und verwendete seine Werke auch zur Unterbringung politischen Inhalts kritischer und spöttischer Natur. Die Werke des Autors unterlagen in Deutschland bald vollständiger, staatlicher Zensur, doch er wusste, wie folgendes Beispiel zeigt, damit umzugehen:

Die deutschen Censoren —— —— —— ——
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—— —— —— —— —— Dummköpfe —— ——
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(Buch Le Grand, 1827)

Der ständigen Zensur überdrüssig, vor allem aber wegen der zunehmenden Anfeindung aufgrund der jüdischen Abstammung und kontroverser, politischer Ansichten, entschließt sich Heinrich Heine im Jahr 1831, nach Paris zu übersiedeln. Für Heine, der Deutschland in seinem Leben nur mehr zweimal wiedersehen wird, beginnt hiermit eine zweite Lebensphase. Vom Geiste der französischen Hauptstadt inspiriert, schrieb er eine wahre Flut von Essays, politischen Artikeln, Polemiken, Denkschriften und Gedichten. Die Sehnsucht nach seinem Heimatland beschäftigte ihn aber zeitlebens. In zahlreichen Werken verarbeitete der Schriftsteller diese Thematik, wie beispielsweise das Gedicht „In der Fremde“ zeigt:

1. Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.

2. Das küßte mich auf deutsch und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum Wie gut es klang)
das Wort: „Ich liebe dich!“
Es war ein Traum.

Heine wurde zum literarischen Vermittler zwischen Frankreich und Deutschland. Den Franzosen brachte er deutsche Romantik und Philosophie näher, in seinem Heimatland bekämpfte er den Franzosenhass und übermittelte die Werte der französischen Kultur. Für die „Allgemeine Zeitung“, damals eine der wichtigsten Tageszeitungen Deutschlands, verfasste Heinrich Heine 1832 eine Artikelserie, die auch in Buchform unter dem Titel „Französische Zustände“ erschien. Die Texte wurden zur politischen Sensation, denn der Autor begründete damit den modernen, politischen Journalismus. Diese Form von Schreibstil prägt bis heute das deutsche Feuilleton. Die politische Gegenreaktion in Form eines Publikationsverbots in ganz Deutschland blieb nicht lange aus. Der Begeisterung und Wirkung der Veröffentlichungen in der Bevölkerung tat dies aber keinen Abbruch.
[Die Fortsetzung folgt im nächsten Artikel zur Beitragsreihe Lyrik]

Am Ende noch eine Auswahl an Gedichten, die H. Heine bis zum Jahr 1832 veröffentlichte.

Die Lore-Ley
(aus dem Zyklus Die Heimkehr)

1. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.

2. Die Luft ist kühl und es dunkelt,
und ruhig fließt der Rhein;
der Gipfel des Berges funkelt
im Abendsonnenschein.

3. Die schönste Jungfrau sitzet
dort oben wunderbar;
ihr goldnes Geschmeide blitzet,
sie kämmt ihr goldenes Haar.

4. Sie kämmt es mit goldenem Kamme
und singt ein Lied dabei;
das hat eine wundersame,
gewaltige Melodei.

5. Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh;
er schaut nicht die Felsenriffe,
er schaut nur hinauf in die Höh.

6. Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende Schiffer und Kahn;
und das hat mit ihrem Singen
die Lore-Ley getan.

Der Herbstwind rüttelt die Bäume

(aus dem Zyklus Lyrisches Intermezzo)

1. Der Herbstwind rüttelt die Bäume,
Die Nacht ist feucht und kalt;
Gehüllt im grauen Mantel,
Reite ich einsam im Wald.

2. Und wie ich reite, so reiten
Mir die Gedanken voraus;
Sie tragen mich leicht und luftig
Nach meiner Liebsten Haus.

3. Die Hunde bellen, die Diener
Erscheinen mit Kerzengeflirr;
Die Wendeltreppe stürm ich
Hinauf mit Sporengeklirr.

4. Im leuchtenden Teppichgemache,
Da ist es so duftig und warm,
Da harret meiner die Holde -
Ich fliege in ihren Arm.

5. Es säuselt der Wind in den Blättern,
Es spricht der Eichenbaum:
"Was willst du, törichter Reiter,
Mit deinem törichten Traum?"

Auf dem Brocken
(aus dem Zyklus Die Harzreise)

1. Heller wird es schon im Osten
Durch der Sonne kleines Glimmen,
Weit und breit die Bergesgipfel
In dem Nebelmeere schwimmen.

2. Hätt ich Siebenmeilenstiefel,
Lief ich, mit der Hast des Windes,
Über jene Bergesgipfel,
Nach dem Haus des lieben Kindes.

3. Von dem Bettchen, wo sie schlummert,
Zög ich leise die Gardinen,
Leise küßt ich ihre Stirne,
Leise ihres Munds Rubinen.

4. Und noch leiser wollt ich flüstern
In die kleinen Liljenohren:
Denk im Traum, daß wir uns lieben,
Und daß wir uns nie verloren.

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