Pielachtal trotzt Wirtesterben

Starkes Duo: Patrick und Hannelore Planer in ihrem Gasthaus.
  • Starkes Duo: Patrick und Hannelore Planer in ihrem Gasthaus.
  • hochgeladen von Alisa Gerstl

PIELACHTAL (ag). Seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Im Bezirk gibt es aktuell ein Plus (siehe zur Sache). Ein BEZIRKSBLÄTTER „Lokal-Augenschein“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Ort würde sterben

Das Gasthaus "Zum Goldenen Schuß" in St. Margarethen ist seit 1973 ein waschechter Familienbetrieb, so wie man sich das von einem Wirten am Lande erwartet. Das Ehepaar Patrick und Hannelore Planer führt das Haus aktuell, aber mit der tatkräftigen Unterstützung der Gründergeneration Rosa und Herbert. Was wäre ein Ort ohne seinen Wirten: "Ganz einfach, stirbt der Wirt, dann stirbt auch der Ort", ist sich das Ehepaar Planer beim Bezirksblätter-Besuch einig. "Der Dorfwirt ist ein Ort der Kommunikation, zeitweise Pfarrer, Psychologe. Hier werden auch die besten Geschäfte ausgemacht", so der Chef. 90 Prozent der Gäste der Familie Planer sind Stammgäste und "da weiß man einfach, was einer mag, oder auch nicht", so die Köchin Rosa Planer. Auf individuelle Wünsche wird hier großer Fokus gelegt.
Verändert habe sich der klassische Dorfwirt im allgemeinen laut Planer aber schon im Gegensatz zu früher, "heute sind die Leute hektischer als früher. Sie brauchen mehr Zeit zum Runterkommen. Und eines fällt auch auf, die Leute gehen heute bewusster ins Wirtshaus." Das tägliche Bier nach der Arbeit gibt es immer seltener, dafür ein Essen mit der ganzen Familie am Sonntag. Das Wirtesterben kann die Familie Planer schon verstehen, denn "wenn nicht alle, vor allem die Familie, an einem Strang ziehen, dann kann es nichts werden. Außerdem ist Respekt untereinander und gegenüber den Mitarbeitern auch ganz wesentlich. Wenn es natürlich keine Nachfolger gibt, dann ist es verständlich, dass es weniger Wirten gibt."

Gasthof in junger Hand

Von einem traditionellen Familienbetrieb verschlug es die Redaktion nun in ein Gasthaus mit 408 Jahren Geschichte, das sich seit kurzer Zeit in junger Hand befindet. Die Besitzer Tünde und Stephan Hauß bestätigen die Wichtigkeit eines Dorfwirtshauses: "Es ist ein Zentrum des Dorfes, wo man sich trifft, wo man Neuigkeiten austauscht, wo man Geschäfte macht und Aufträge annimmt. Oder einfach nur Spaß hat und man etwas essen und trinken geht", so Hauß. Im Wirtshaus bekommt man meist auch regionale Produkte, die die Region stärken."
Das Wirtesterben erklären sich die Chefs vor allem in der Systemgastronomie: "Dadurch haben die "kleinen" Wirte natürlich viel mehr zu kämpfen. Damit man überleben kann, zählt jeder Euro und Gast. Ich muss aber sagen, dass unser wunderschönes Kirchberg noch zu den Dörfern zählt, die ein Wirtshaus zu schätzen wissen und die gerne zu uns kommen und das sogar in allen Altersschichten."
"In anderen Regionen, speziell in den Städten, wird es bald so gut wie keine richtigen Wirtshäuser mehr geben und ich hoffe, dass es wenigstens auf dem Land das eine oder andere schaffen wird zusammen mit den Gästen die Zeit zu überdauern und ein wichtiges Stück Österreich zu erhalten", wünscht sich Hauß abschließend.

Zur Sache: 

Im Jahr 2010 gab es im Bezirk St. Pölten noch 138 Wirtshäuser. 2015 sank die Anzahl auf 136. Aktuell zeigt sich ein leichtes Hoch mit 141 Wirten in der Region. Restaurants gibt es insgesamt 78, Gasthöfe mit höchstens acht Gästebetten zwei, 80 Kaffeehäuser und elf Heurige.

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