18.07.2016, 10:45 Uhr

'Es ist schön, dass man uns hilft'

Mojdeh Setodeh und ihr Mann Mohammed Padeganeh, Hosein Jafary und Amir Azizi plauderten mit den Bezirksblättern.

Vor einem Jahr war der Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Mittlerweile fanden viele Menschen Schutz im Tal.

PIELACHTAL (red). Vor einem Jahr begann der Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Die Bezirksblätter haben sich im Pielachtal umgesehen, wie die Lage in den Gemeinden ist und wie die Fortschritte bei der Integration sind.

Singen und Tanzen
Wenn man sich die Zahlen der untergebrachten Menschen im Pielachtal ansieht, so kann man durchaus sagen, dass sich in dem letzten Jahr einiges getan hat. Rund um die Hilfesuchenden haben sich auch Vereine und Organisationen zusammengetan, die Deutschkurse anbieten, Sachspenden sammeln, Behördenwege organisieren und begleiten. Aber neben den grundlegenden Dingen ist es vor allem die soziale Integration, die den Menschen und auch den Einheimischen wirklich hilft.
So formierte sich beispielsweise ein Tanz- und Chorensemble in Frankenfels, welches vom Verein Willkommen (Sitz in Scheibbs) iniitiert und dem Sozialprojekt "Tu was" finanziert wird. Tanzleiterin Eva Derkits erklärt: "Seit Herbst 2015 gibt es unsere Gruppen und mittlerweile tanzen wir in vier Gemeinden (Scheibbs, Puchenstuben, Texing und Frankenfels). Sieht Derkits einen Fortschritt punkto Integration? "Ja, denn die Tatsache, dass viele Flüchtlinge mittlerweile einen positiven Asylbescheid erhalten haben, macht die Integration meiner Meinung nach viel leichter. Viele wollen in der Region bleiben." Ich kenne Jugendliche die bereits einen Abschluss im BORG Scheibbs anstreben oder einen Hauptschulabschluss in St. Pölten machen.
Beim Tanzen haben ich festgestellt, wenn die Sprache als notwendiges Element der Verständigung herausgenommen wird, dass dann das Zusammenarbeiten viel leichter geht und da merkt man, dass Menschen sich so ähnlich sind.
In den unterschiedlichen Gemeinden bin ich von der Akzeptanz positiv überrascht. Sicher ist jede Ortschaft anders geprägt, aber im Großen und Ganzen sind die Menschen sehr positiv eingestellt.

Besuch im Deutsch-Kurs
In Kirchberg engagieren sich Freiwillige im Verein Willkommen und geben unter anderem dreimal die Woche Deutsch-Kurse. Vergangene Woche durften die Bezirksblätter exklusiv hinter die Kulissen blicken. Heidi Übelbacher und Susanna Sunk empfangen uns bereits an der Türe und führen uns durch die Hauptschule, wo gerade etliche Kurse abgehalten werden. Wir durften uns mit der vierköpfigen Sprachgruppe auf dem Foto unterhalten.

Ohne Arbeit ist es schwer
Auf die Fragen hin, ob sie sich denn in Kirchberg wohl fühlten, antworteten alle einheitlich: "Ja, es ist sehr schön hier und die Menschen sind so nett zu uns. Viele sagen 'Hallo' auf der Straße." Mohammed, Mojdeh und Hosein sind seit sieben und Amir schon seit zehn Monaten hier im Tal. Alle vier warten noch auf einen positiven Asylbescheid, das macht das Leben nicht einfach. "Im Iran war ich Lehrerin und Künstlerin. Hier darf ich noch nicht arbeiten und ich habe oft das Gefühl, ich wäre faul", erzählt Mojdeh. Auch ihr Mann Mohammed würde schon am liebsten arbeiten.
"Aber jetzt ist wichtig, dass wir Deutsch lernen", erklärt uns Hosein, der so hofft, in Österreich bleiben zu können und anschließend eine Ausbildung beginnen zu dürfen. "Es ist schön, dass uns Flüchtlingen die Menschen hier so weiterhelfen", so der Tenor. Es ist vor allem Dankbarkeit, die man in den Stimmen der vier Kursteilnehmer vernimmt, denn es sei schließlich nicht selbstverständlich, dass man ihnen so toll weiterhelfe, so wie es in Kirchberg der Fall ist.
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