14.12.2017, 19:08 Uhr

Raubüberfall um Dealerschulden zu begleichen

Rechtsanwältin Andrea Schmidt
REGION. Weil er Schulden bei einem Drogendealer hatte, beschloss ein 25-jähriger Mazedonier, ein Wettlokal im Pielachtal zu überfallen. Während sein 23-jähriger Komplize am 18. Juli 2017 in einem Mercedes wartete, gelang es dem einschlägig wegen schweren Raubes vorbestraften Mann mit einer Pistolenattrappe in das Lokal zu gelangen und von einem 34-jährigen Angestellten rund 3.000 Euro ausgehändigt zu bekommen.
„Der erste Arbeitstag nach dem Überfall war eine Katastrophe“, meinte das Opfer beim Prozess am Landesgericht St. Pölten. Der Räuber sei Stammgast in dem Lokal gewesen und habe erst am Abend zuvor etwa 1.000 Euro bei Sportwetten verloren, so der 34-Jährige, der froh ist, jetzt nicht mehr dort beschäftigt zu sein.
„Es war meine Idee“, bekannte der 25-Jährige. Er wohne zwar noch bei seinen Eltern und habe monatlich 1.700 Euro verdient, doch gleichzeitig habe er monatlich auch an die 1.000 Euro an Verbindlichkeiten. Wie Staatsanwalt Michael Lindenbauer erklärte, habe der Beschuldigte den Rest seines Einkommens verspielt.
Er habe seinem Freund von seinen finanziellen Problemen erzählt und sei schließlich gemeinsam zum Wettlokal gefahren. Laut Anklage habe man zunächst beraten, wer hinein geht. Der 23-Jährige habe es, laut Erstangeklagtem, zweimal versucht, habe die Durchführung aus Angst jedoch dem Älteren überlassen. Dieser holte die Waffe, bei der es sich angeblich nur um eine Attrappe gehandelt hat, die nach dem Überfall entsorgt worden sei, sowie einen Plastiksack aus dem Kofferraum. Mit abgewandtem Gesicht läutete der Mazedonier beim Eingang und fixierte die geöffnete Türe mit Mais. Danach zog er ein mit Sehschlitzen präpariertes T-Shirt über seinen Kopf und schrie „Überfall“. Mit der gefüllten Plastiktasche rannte er zu seinem Komplizen, der ihn nach Hause chauffierte und 60 Euro erhielt.
2014 wurde der Mazedonier bedingt aus der Haft entlassen, seine Probezeit endete am 10. Juli 2017. Verteidiger Nikolaus Rast meinte: „Mein Mandant hat eine absteigende kriminelle Energie.“ Er habe schon länger nichts gemacht und nur eine Spielzeugpistole verwendet. Als strafmildernd sei vor allem das Geständnis seines Mandanten, dessen Drogensucht mitgespielt habe, zu werten.
„Ich wollte ihm helfen, das war sehr dumm!“, bekannte der Mitangeklagte. Verteidigerin Andrea Schmidt sprach von „falscher Freundschaft“ und zeigte kein Verständnis dafür, dass ihr Mandant für seinen Beitrag dreieinhalb Jahre Gefängnis ausfasste, wobei zusätzlich noch eine bedingte Strafe von 16 Monaten widerrufen wurde, während der Haupttäter mit drei Jahren davonkam. Sie legte gegen das Urteil Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein.
Richter Slawomir Wiaderek begründete das Strafmaß des Schöffensenats damit, dass der 23-Jährige bereits drei einschlägige Vorstrafen aufweise. Lindenbauer berief gegen die Urteile, da ihm die Strafhöhe zu gering erschien. Beide sind damit nicht rechtskräftig.
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