Das Kleine Wiesbachhorn steht nach dem Felssturz unter Beobachtung

Felssturz am Wiesbachhorn.
  • Felssturz am Wiesbachhorn.
  • Foto: Großglockner Hochalpenstraßen AG
  • hochgeladen von Christa Nothdurfter

PINZGAU. In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober ereignete sich am Kleinen Wiesbachhorn (3.283 Meter) ein Felssturz. Rund 50.000 Kubikmeter Gestein kamen dabei in Bewegung. Am 21. Oktober unternahm Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst gemeinsam mit dem Pinzgauer Katastrophenschutzreferenten Hannes Scherntanner einen Erkundungsflug.

Gesamtlänge des Felssturzes: Rund zwei Kilometer

Der Ausbruch des Felssturzes befindet sich 200 Meter nordöstlich des Gipfels vom Kleinen Wiesbachhorn zwischen 3.140 und 3.020 Metern Seehöhe. Das Felsmaterial stürzte auf das unterliegende Sandbodenkees und rutschte aufgrund der niedrigen Reibung von Eis und auflagerndem Schnee einen Kilometer weit über den Gletscher. Ein kleiner Teil stürzte noch über die steile Gletscherstirn und drang bis auf 2.200 Meter Seehöhe vor. Die Gesamtstrecke des Felssturzes beträgt rund zwei Kilometer.

Regelmäßige Materialumlagerungen

Seit September 2013 wird die Südostwand des Kleinen Wiesbachhorns von einer Webcam der Firma Panomax am Fuschertörl erfasst. Anhand dieser Bilddokumentation können seit dem Jahr 2015 regelmäßige Materialumlagerungen im Abbruchbereich des aktuellen Felssturzes erkannt werden. Im September 2015 und im Juli 2016 kam es zu Massenbewegungen von wenigen hundert Kubikmetern Rauminhalt. Der aktuelle Felssturz hat sich durch kontinuierliche Steinschläge und einen kleinen Felssturz am 19. Oktober um ca. 15.20 Uhr angekündigt. Der Hauptsturz selbst ereignete sich in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober. Aufgrund der Dunkelheit ist dieses Ereignis fotografisch nicht dokumentiert.

Erkundungsflug

Beim Erkundungsflug konnten Risse an der frisch gebildeten Gratkante festgestellt werden, die auf weitere Felsstürze hinweisen. Unmittelbar bevorstehende Ereignisse dürften aber auf wenige hundert Kubikmeter beschränkt sein. Hinweise auf größere instabile Felsmassen waren, so Valentin, im Gelände nicht zu erkennen, sie können zum heutigen Zeitpunkt aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Das Worst-Case-Szenario

"Bei einem Worst-Case-Szenario wäre es vorstellbar, dass mehrere 100.000 Kubikmeter Gesteinsmaterial in Bewegung geraten und Eisteile des Sandbodenkees zum Schmelzen bringen. In der Folge würden die Gesteins-, Eis- und Wassermassen als Mure bis in das Ferleitental vordringen und könnten sogar die Großglockner Hochalpenstraße in Mitleidenschaft ziehen. Für eine exaktere Gefahrenbeurteilung und eine darauf fußende Risikobewertung wird der Landesgeologische Dienst in der schneefreien Zeit des Sommers 2018 eine gesonderte Begutachtung vornehmen und der Bezirkshauptmannschaft Bericht erstatten", sagte Valentin.

Forschungsprojekt liefert neue Erkenntnisse

Das Land Salzburg hat über die Zusammenarbeit in der ARGE Alp heuer ein Forschungsprojekt zum Thema Felsinstabilitäten im Permafrost gestartet. Bei diesem Vorhaben werden im Stubachtaler Ödenwinkelkees Gletscherrandklüfte und deren Umfeld mit hochsensiblen Sensoren ausgestattet. Über ein Langzeitmonitoring sollen damit Veränderungen im Fels während des Gletscherrückganges erfasst und initiale Bruchmechanismen erforscht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die komplexe Kinematik von Felsstürzen im Permafrost besser zu verstehen und Methoden für deren Früherkennung entwickeln zu können.

Text: Landesmedienzentrum

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