Sepp Fritzenwanker aus Saalbach
Ein ganzes Jahrhundert lebendiger Geschichte

Familie Fritzenwanker in den Zwanzigerjahren; rechts Sepp Fritzenwanker.
4Bilder
  • Familie Fritzenwanker in den Zwanzigerjahren; rechts Sepp Fritzenwanker.
  • Foto: Fam. Fritzenwanker
  • hochgeladen von Eike Krenslehner

SAALBACH HINTERGLEMM. "De Fiaß tan nit guat, oba da Kopf scho nu!" Am Jubilar mit dem scharfen Gedächtnis und dem bodenständigen Humor fällt eines gleich auf: Ihm sitzt der Schalk im Nacken, und damit sind alle Erzählungen aus seinem ereignisreichen Leben gewürzt. Dabei spielt die Zeit des 2. Weltkrieges für ihn eine besondere Rolle - darauf kommt er immer wieder zurück.

Geboren am 13. März 1918, sei er mit 22 Jahren, so erinnert er sich, zum Zugsführer befördert worden: "'Milchbüble' haben sie mich genannt, weil ich noch so jung war. Ich hatte 30 Mann unter meinem Kommando." Ob er sich da durchsetzen konnte? "Ich war ein scharfer Bursch, da haben sie mir schon gefolgt!", erinnert sich Fritzenwanker.

Seine Grundausbildung machte er in Bludenz, und danach noch eine Ausbildung als Koch: "17 Rostbraten habe ich gemacht, für zwölf Leute - das haben sie alles z'sammgegessen; es hat ihnen immer geschmeckt": Darauf ist er auch heute noch stolz.

Kindheit nach 1918

Josef Fritzenwanker stammt vom, wie er erzählt, "drittgrößten Bauern im Ort", dem Heinreich. "30 Kühe haben wir gehabt. Der größte Bauer, der Amoser, hatte 60 und sechs Leute zum Arbeiten auf der Alm." Ob er sich an seine Kindheit auch noch erinnern kann? "Freilich - der Vater diente im 1. Weltkrieg, an der italienischen Front. Das war eine ganz andere Art der Kriegführung als im zweiten Krieg, mit den Schützengräben und den Kämpfen Mann gegen Mann. Davon hat der Vater oft erzählt.

Die Mutter zog uns Kinder - sieben Buben und zwei Mädchen - auf; ich war der drittälteste. Eigentlich war ich schon ein 'Luaderbua' - aber damals haben sie uns in der Schule schon wegen Kleinigkeiten mit dem Stecken auf die Finger gehaut oder an den Haaren gerissen, das war schon arg." Einmal sei die Mutter zum Lehrer gegangen, um sich zu beschweren:"'Wir schicken die Kinder nimmer in die Schul', wenn sie da nur g'haut werden', hat sie gesagt. Danach ist es dann besser geworden."

Sein Vater sei in der Gemeindevertretung gewesen, "da gab es die Christlich-Sozialen, die Sozialdemokraten und die Freiheitlichen." Wahlen hätte es immer gegeben, "aber wie der Hitler gekommen ist, hat man nur mehr ja oder nein wählen können." "Wenn der Mensch arm ist, ist er gläubig", hätte vorher der Prälat Seipel immer gesagt - "aber davon hat man auch nicht leben können damals", erinnert er sich. "Trotzdem ist es uns als Bauern nie richtig schlecht gegangen."

Hintergrund: Ignaz Seipel (1876 - 1932)

Als Obmann der Christlich-Sozialen Partei in der 1. Republik war Prälat Ignaz Seipel von 1922-1924 und von 1926-1929 Bundeskanzler. Er sanierte mit Hilfe einer Völkerbundanleihe die Staatsfinanzen und führte 1925 die Schillingwährung ein. Daraufhin kam es zu einer drastischen Senkung des realen Einkommmens - die Arbeitslosigkeit nahm dramatisch zu.

Die ungerechtfertigte Kritik an Seipel gipfelte sogar in einem Attentat auf ihn: Der Wiener, der 1924 auf ihn schoss, machte den Kanzler persönlich für seine Armut verantwortlich. Diese Stimmung in der Bevölkerung ist in Sepp Fritzenwankers Erinnerungen noch präsent: Seipel habe die Armut propagiert ("arm, aber gläubig"), sei aber selber nicht arm gewesen. Er hätte, so Fritzenwanker, die Hälfte der Kollekten für sich behalten und in einer Villa gelebt - das hätte "der Hitler" bald herausgefunden, der ihm die Villa dann wegnahm: Eine fatale Denunzierung des österreichischen Politikers, die zeigt, mit welchen Mitteln die Nazis sich das Vertrauen der Menschen erschlichen.

Autor:

Eike Krenslehner aus Pinzgau

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.