Leserbrief
Gedanken eines Hausarztes zum Abschied

MITTERSILL. Es ist nicht leicht in so einer Situation die richtigen Worte zu finden - ein Abschied bedeutet immer Veränderung und ist mit vielen Emotionen behaftet.

Die meisten Pinzgauer sind bezüglich der gesundheitspolitischen Thematik in Mittersill und dem Krankenhaus schon leidgeprüft und skeptisch. Meine Ausführungen sollen nicht als Schuldzuweisungen verstanden oder ausgelegt werden. Im Gegenteil, ich habe immer versucht, mich aus der Gesundheitspolitik herauszuhalten, was nicht immer gelang.

Nach 20 Berufsjahren hier im Pinzgau – 13 Jahre davon als Hausarzt in Mittersill – habe ich so einiges erleben und erfahren dürfen. Doch zuerst möchte ich mich aber bei jenen, die mich in diesen Jahren begleitet haben, ehrlich und sehr herzlich bedanken, darunter meinen Kollegen aus dem Gesundheitsbereich. Danke auch an die Ärztekammer, die mir in brenzligen Situationen mit Rat und Tat zur Seite stand.

Danke natürlich auch an mein Ordinationsteam, das mich immer unermüdlich und sehr loyal unterstützt hat. Der größte Dank gilt meinen Patienten, die mir jahrelang Ihr Vertrauen geschenkt haben und die mir so viele schöne und natürlich auch traurige, aber auch unvergessene Momente beschert haben, die meinen Beruf so besonders und wertvoll machen.

Schwerer Abschied

All diese Dinge aufzugeben macht mich schon sehr nachdenklich und auch traurig. Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, dass es einfach ist zu gehen und ich meine Patienten und Kollegen im Stich lasse, obwohl das bei einem Abschied wohl sehr schwer möglich ist. Neben privaten Gründen, hat mich die berufliche Perspektivlosigkeit zu diesem Schritt bewogen.

Da ich in Wien aufgewachsen bin und auch meine mittlerweile pensionierten Eltern und der Sohn in der Nähe wohnen habe ich mich für einen Wechsel dorthin entschieden. Zu diesen persönlichen Gründen ist in Mittersill eine Situation entstanden die mir persönlich eine weitere Zukunftsplanung unmöglich macht: 2018 habe ich geplant mit Kollegen eine Gemeinschaftspraxis bzw. ein Ärztenetzwerk aufzubauen. Parallel dazu hat das Tauernklinikum erstmals die Idee präsentiert, ein Gesundheitszentrum Oberpinzgau, angegliedert an das bestehende Krankenhaus Mittersill zu errichten. Dadurch sind meine Pläne ins Stocken geraten.

Einige Fragen

Es gibt viele Entwicklungen in unserem Gesundheitssystem, die nicht aufzuhalten sind, aber nicht immer die beste Lösung für die Patienten darstellen Ich habe für viele Dinge gekämpft und versucht mich in möglichen Lösungen hier vor Ort einzubringen, bin hier aber wohl gescheitert. Es hat jedoch keinen Sinn vertanen Chancen nachzutrauern.

Das Konzept des Gesundheitszentrums, forciert von Tauernklinikum, Gesundheitspolitik und den verantwortlichen Gremien (wie Gebietskrankenkasse, Ärztekammer) scheint nicht immer durchsichtig zu sein und löst bei mir eher Bedenken und Fragen aus, statt Antworten. Viele versprochene und angekündigte Lösungen gehen meiner Meinung nach an der Realität vorbei und vergessen leider oft die Hauptaufgabe, nämlich für die Patienten da zu sein.

Viel Frust

Mir ist natürlich bewusst, dass man sich an gegebene Strukturen halten muss und es nicht einfach ist die Hausarztpraxen zu besetzen. Natürlich schwingt hier ein gewisses Maß an Frustration mit, aber uns allen wurde vor allem seitens des Tauernklinikums schon viel versprochen und medial glanzvoll aufbereitet, leider wurden dabei Verhandlungen nicht immer ehrlich geführt.

Ich persönlich glaube nicht, dass ein Spitalsbetrieb die Aufgaben eines Hausarztes übernehmen kann und soll, aber die Weichen in diese Richtung sind wohl gestellt.

Anschließend sei gesagt, ich bin ein großer Befürworter unseres Hausarztsystems, auch in Form einer Gruppenpraxis. Ich weiß die große Verantwortung, die unglaubliche Wertschätzung, die dadurch entstehen kann und die Möglichkeit so nahe am Menschen sein zu dürfen sehr zu schätzen und bin sehr dankbar dafür.

Ich wünsche mir sehr, dass eine gute Lösung in Mittersill für meine Kollegen und Partner und natürlich für meine Patienten gefunden wird, und dass wir uns alle dieser großen Verantwortung bewusst sind.
Nochmals Danke für alles!

Pfiat Euch, Euer Dr. Henrik Hellan

Lesen Sie dazu auch eine  Stellungnahme vom Tauernklinikum

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