Neu: Männerberatung im Pinzgau
Gewalt kann nie die Lösung sein

Gemeinsam gegen Gewalt: Bgm. Erich Rohrmoser (Saalfelden), Bezirkskommandant Kurt Möschl, Harald Burgauner ("Männerwelten"), Monika Rettenwander (Bezirksgericht Zell am See), Bgm. Johann Warter (Regionalmanagement Pinzgau), Bezirkshauptmann Bernhard Gratz.
  • Gemeinsam gegen Gewalt: Bgm. Erich Rohrmoser (Saalfelden), Bezirkskommandant Kurt Möschl, Harald Burgauner ("Männerwelten"), Monika Rettenwander (Bezirksgericht Zell am See), Bgm. Johann Warter (Regionalmanagement Pinzgau), Bezirkshauptmann Bernhard Gratz.
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"Männerwelten" bietet ab sofort eine Beratung im Pinzgau für Männer in Krisensituationen an.

PINZGAU. "Wir sehen in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs an Gewalt", so Bezirkskommandant Kurt Möschl bei der Pressekonferenz zur Vorstellung von "Männerwelten" im Kongress Saalfelden, "und ein Großteil dieser Gewalt geht von Männern aus." Erst seit 1997 hat die Exekutive die Befugnis, in Fällen häuslicher Gewalt einzugreifen. Im Jahr 2000 wurden ca. 20 Betretungsverbote ausgesprochen – mittlerweile sind es bis zu 80 jährlich, Tendenz steigend.
"Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, die Konfliktfähigkeit und die Frustrationstoleranz hingegen sinken", erklärt Bernhard Gratz von der Bezirkshauptmannschaft. Aber auch die Sensibilisierung für Gewalt in der Gesellschaft habe zugenommen. Und: Männer würden in Konfliktsituationen anders und tendenziell eher mit Gewalt reagieren als Frauen, führt Harald Burgauner von "Männerwelten" aus. Neben den "registrierten" Gewalttaten gibt es noch eine Dunkelziffer an Gewalt, die wahrscheinlich wesentlich höher ist.

Beratung und Hilfe

Während für die Opfer häuslicher Gewalt Einrichtungen wie das Frauenhaus geschaffen wurden, gab es für die Täter lange Zeit keine Hilfe. Denn wenn ein Betretungsverbot ausgesprochen wird, steht der Betroffene plötzlich auf der Straße und hat meist keine Vertrauensperson in dieser Krisensituation. Wohin geht man, wem kann man sich anvertrauen - gerade auf dem Land, wo jeder jeden kennt, seien Schamgefühl und Hemmschwellen besonders groß, betont Bürgermeister Hans Warter vom Regionalmanagement Pinzgau. Und wenn Männer selbst Opfer häuslicher Gewalt würden, so sei das ein absolutes Tabuthema, für das es bis jetzt keine Anlaufstelle gab.
Mit dem von Leader geförderten und vom Land mitfinanzierten zweijährigen Projekt "Beratungsstelle Männerwelten Pinzgau" soll für solche und ähnliche Fälle nun eine unterstützende Beratung vor Ort angeboten werden, wie es sie in der Stadt Salzburg schon seit 20 Jahren gibt und auch gut angenommen wird.

Netzwerk für Gewaltprävention

Harald Burgauner, Initiator von "Männerwelten: "Initiativen gegen Gewalt kann man nicht im Alleingang setzen - da braucht es ein Netzwerk. Wir müssen auch im regionalen Bereich eng mit der Kinder- und Jugendhilfe, den Frauenhäusern, dem Bezirksgericht und der Polizei zusammenarbeiten, um Männer in Krisensituationen aufzufangen und, wenn möglich, auch längerfristig präventiv zu wirken. Die neue Beratungsstelle im Pinzgau bietet einen diskreten, kostenfreien Beratungsprozess - nicht nur in Fällen von Gewalt, sondern für alle Männer, die sich gerade in beruflichen und familiären Ausnahmesituationen befinden." Ziel ist, ein Regionalteam von kompetenten Beratern langfristig vor Ort zu etablieren und auch niedergelassene Psychologen und Therapeuten in die Gewalt-Arbeit zu integrieren.

Muster durchbrechen

"Viele Männer, die ein Gewaltproblem haben, fallen in Stresssituationen immer wieder in dieselben Muster zurück", so Burgauner. "In der Beratungsstelle lernen sie, Rollen zu erkennen und zu verstehen sowie Konflikte möglichst gewaltfrei und konstruktiv zu lösen." Die Bereitschaft der Männer, sich helfen zu lassen, sei in den letzten Jahren viel größer geworden, die meisten kämen aus eigenem Antrieb in die Beratung. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sozialisation zum Thema "Gewalt" hilft auch mit, den Kreislauf des Leidens zu durchbrechen, in dem sich Männer, die oft als Kinder selbst massiver Gewalt ausgesetzt waren, wiederfinden. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Gewaltprävention auch für die nächste Generation geleistet werden.

Kontakt und Beratung

Geboten wird eine kostenfreie, anonyme Beratung mit absoluter Diskretion. Nach einem Erstgespräch werden je nach Bedarf weitere Gespräche vereinbart – oft ist auch ein längerer Beratungsprozess erforderlich. Neben der Stabilisierung in Krisensituationen soll auch Hilfestellung zu einer weiteren konstruktiven Entwicklung gegeben werden – damit Gewalt als Konfliktlösungsstrategie durch positive und gesunde Verhaltensweisen ersetzt werden kann.
Bezirkskommandant Kurt Möschl:
"Mit jährlich über 500 Gewaltdelikten im Bezirk ist Gewalt – zum Teil auch massive Gewalt – generell ein Thema, nicht nur im häuslichen Bereich. Deshalb sind wir froh, die Männerwelten-Beratung im Bezirk anbieten zu können – als wohl unverzichtbare Präventionsmaßnahme, aber auch als Opferschutz und begleitende Unterstützung der Maßnahmen von Polizei, Bezirksgericht und Jugend -bzw. Frauenschutzorganisationen."

Beratungsstelle Männerwelten Pinzgau:
Tel. 0664/800068039,
pinzgau@maennerwelten.at,
www.maennerwelten.at/pinzgau

Die Zentrale der Männerwelten in 5020 Salzburg, Bergstraße 22, ist unter 0662/883464, office@maennerwelten.at, erreichbar.

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