Leserbrief: Arbeitskräftemangel in der Gastronomie

Es ist nicht so lange her, als in der Zeitung ein größerer Artikel eines Vereins erschien, der sich mit Werbung bzw. Ansporn für Mitarbeit in der Gastronomie beschäftigte. Grundsätzlich ja lobenswert, wenn das die Probleme im Tourismus wenigstens etwas ändern würde. Unterm Strich war jedoch die Botschaft, dass wir Eltern unseren Kindern von der Arbeit in der Gastronomie abraten würden. Obwohl es super Rahmenbedingungen gäbe und man sich glücklich schätzen sollte, in so guten Betrieben in wunderschöner Umgebung sein Geld verdienen zu dürfen.

Da habe ich mir damals gedacht:
Die machen es sich auch sehr einfach! Das ganze Problem mehr oder weniger auf die Eltern abzuwälzen, wobei der teils sehr schlechte Ruf der Gastro ohnedies der Garant dafür ist, Probleme zu haben, junge Menschen für diese Arbeit zu gewinnen. Geschweige denn langfristig zu halten. Da braucht es uns Eltern primär nicht dazu die Jugend abzuhalten, obwohl es verständlich wäre.

Aber man hat eine Erklärung, anstatt endlich mal den Tatsachen ins Auge zu schauen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist den Hoteliers nicht bewusst bzw. es gibt keinerlei Einsicht, dass sie selbst sehr produktiv an der negativen Entwicklung in der Gastronomie beteiligt waren und sind. Nicht zuletzt, da sie sich großteils extrem verschulden und somit unter derartigen Zugzwang kommen und beim Wichtigsten im Unternehmen teils massiv sparen - beim Mitarbeiter.

Das mit der Umgebung stimmt, nur von der schönen Umgebung hier und von großteils sehr modernen und schönen, von der Ausstattung teils seines gleichen suchenden Arbeitsplätzen in den Hotels, kann man weder Abbeissen noch die ortsüblichen, hohen Mieten bezahlen. Oder andere hohe Kosten, die mit einem Tourismushotspot einhergehen. Ein adäquater Lohn war und wird wohl auch in Zukunft der höchste Motivator sein! Neben gleichermaßen längst dringend notwendigen niedrigeren Mieten ! Abgesehen von Mitarbeiterunterkünften.

Mit der Einführung der bei den Betrieben allseits angebotenen bzw. meist geforderten 6 Tage Woche , denn nur so kann man die großteils schlechten Gehälter etwas besser darstellen bzw aufmöbeln, ist es mit der Motivation sicher nochmals bergab gegangen. Denn jeder ist froh, wenn er 2 Tage frei hat, bis auf wenige Ausnahmen. Und es hat ja ein Grund warum Teilzeitkräfte nachweislich produktiver und motivierter sind. Also kann es nicht erstrebenswert sein auf langfristig 6 Tage die Woche zu arbeiten und teils mehr ... Und sehr oft mehr als 8 Stunden täglich.

Aber eine mangelnde Bezahlung ist nicht alleine Schuld, dass die Hotellerie ganz schleichend, aber sehr zielstrebig ins Dilemma rutschte. Sehr fragwürdige Chefs ohne Mitarbeiter Führungsqualitäten bis hin zu fingierten Dienstaufzeichnungen, falschen Anmeldungen oder gar nicht ...keine Feiertagsarbeitsanerkennung, Arbeiten auf Abruf, Dienstpläne die ständig abgeändert werden, etc. runden das angeschlagene Bild der Gastro ab. Dinge, die sich ein mündiger Mitarbeiter heute, wenn überhaupt, nur kurz gefallen lässt.

Es entstanden teils seitenlange Werbeauftritte von diversen Betrieben in regelmäßigen Abständen, in denen händeringend nach Personal gesucht wird. Oftmals mit extra Zuckerl, wie Führerscheinbezahlung für Lehrlinge oder Ähnliches. Nett, aber das ändert nicht die grundlegenden Probleme und daran sieht man auch die Verzweiflung oder Ohnmacht der Betriebe. Was hilft die schönste Werbung, wenn als ein Beispiel, oftmals schon die Praktikanten verheizt werden! Mein Sohn hatte großes Glück im Metzgerwirt. So vorbildhaft könnte man auch mit jungen Menschen oder generell mit den Mitarbeitern umgehen! Doch in vielen Betrieben hat auch niemand mehr Zeit für eine ordentliche Einschulung, weder bei den Lehrlingen noch bei anderen Mitarbeitern. Auch ein Teufelskreislauf, wo sich dann die Katze wieder in den eigenen Schwanz beißt. Ausgezeichnet werden meiner Meinung nach eher die Falschen, zumindest in der Gastronomie und die Kriterien für die Auszeichnung sind mir teils schleierhaft. Es wäre Zeit mal genau hinzuschauen. Auch das Sprachrohr der Gastronomie ist eigentlich immer "der Gleiche" und somit ist das Ganze sehr einseitig. Generell hat die Gastronomie keine starke Stimme ! Auch auf Arbeitnehmerseite wäre VIEL zu tun, wenn als ein Beispiel oft nicht mal mehr gegrüßt wird in den Hotels und Restaurants.

Früher, in den Anfängen meiner Gastrozeit war es in der Saison fast unmöglich noch Arbeit zu finden. Heute bleiben viele Mitarbeiter nicht mal mehr eine Saison und gesucht wird auch während der Hochsaison ständig. Es mangelt natürlich auch an guten Mitarbeitern bzw. freundliche und kompetente Mitarbeiter in Hotels und vor allem auch in Restaurants sind rar und in Traditionsbetrieben arbeiten an der Rezeption oftmals Kräfte, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Mein Bekannten - und Freundeskreis besteht unter anderem auch aus Rumänen, Bulgaren , Türken, Bosnier und ich bin stolz auf diese Freunde. Aber wenn Jemand als hier gebürtig vlt. 50 bis 100 Euro mehr verdienen möchte als das Minimum, zieht man den Nicht Österreichgebürtigen gerne vor, mit allen Konsequenzen.

Es gibt ganz wenige gute Betriebe, aber die GUTEN müssen das alles mittragen und gehen schön langsam unter in diesem grossteils selbst verursachten Chaos, speziell hier im Pinzgau. Mit einem Wort SCHADE !

Evelin Guggenbichler,
Zell am See

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