Nomade mit Zugin, Radio und Schafe

Als Schafhirte war Brandtner oft viele Stunden täglich im steilen Gelände unterwegs. Die Eindrücke verarbeitet er musikalisch.
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  • Foto: Brandtner
  • hochgeladen von Gudrun Dürnberger

LOFER. Fernab der Zivilisation, den Widrigkeiten der Natur ausgesetzt, nur in Begleitung eines Boarder Collie und 800 Schafen - Norbert Brandtner verbrachte heuer bereits den neunten Sommer auf einer Schweizer Alm als Schafhirte - mit allen Höhen und Tiefen die dieses einsame Nomadendasein auf 3.000 Metern mit sich bringt.

Zugin und Radio

Mit dabei ist auch immer seine Zugin, die ihn überall hin begleitet. "Ohne Zugin fahre ich nirgends hin. Sie ist das Wichtigste, gleich nach dem Radio wegen des Wetterberichts". Damit hält er seine Impressionen fest, wenn er unterwegs ist. "Ich hab' so viele Gedanken, die ich verarbeiten muss, die ich musikalisch zusammenfasse". Diese Saison verbrachte er in einer extrem steilen und gefährlichen Gegend in der Nähe von Klosters. Er hat nicht nur einige Schafe verloren, sondern sogar erlebt, dass ein Murmeltier abgestürzt ist. Einmal mussten die Schafe per Hubschrauber gesucht werden, weil sie sich aufgrund eines Schneefalls zu weit entfernt hatten.

Freiheit kostet Geld

Seit Anfang Oktober ist er wieder in der Heimat, wo inzwischen seine neue CD "Licht und Schatten" mit der Gruppe "Volksgefühl" veröffentlicht wurde. Sie besteht größtenteils aus seinen eigenen Kompositionen, der Stil reicht von traditioneller bzw. neuer Volksmusik bis hin zur Weltmusik. "Musik ist mein Hobby, die mache ich in erster Linie für mich selbst, aber ich freue mich natürlich, wenn sie anderen Leuten auch gefällt", betont der umtriebige Grenzgänger - so wurden er in den Vorträgen bezeichnet, die er über seine "Schweizer-Alpträume" hielt. 

Wie auch die erste CD "Leider geil", ist die aktuelle CD im eigenen Label "Harmony Sound Records" erschienen, obwohl es Angebote von großen Labels gegeben hat. "Das war schon verlockend, aber ich will machen, was mir gefällt und meine Unabhängigkeit bewahren", so Brandtner. "Die eigene Freiheit kostet mich viel Geld", fügt er hinzu.

Soziale Isolation

In einem ausführlichen Booklet erklärt er seine Gedanken zu den jeweiligen Stücken. Der Sehnsuchts-Walzer beispielsweise beschreibt die Spuren, die das karge Leben als Schafhirte hinterlässt: "Dort oben in den Bergen kam ich physisch und psychisch an meine Grenze des Ertragbaren. Abgeschieden von der Außenwelt, ohne Handy-Empfang und fließendes Wasser. Der Alltag bestand aus durchschnittlichen Gehzeiten von sieben bis acht Stunden pro Tag und einer sozialen Isolation, die für mich zu einem immer größeren Problem wurde."

Zu Gast bei Stöckl

Seine Erlebnisse hat er auch schon als Talkgast bei Barbara Stöckl geschildert, in einer Runde mit Richard Lugner.  Dabei ist er keineswegs ein Eigenbrötler, sondern ein geselliger Typ, der gern mit seinen Freunden auf ein Bier geht und auch eine starke soziale Ader hat. So unterstützt er mit dem Verein "Licht und Schatten" Hilfsprojekte in Ecuador, daher auch der Name der CD. 

Vorausgesetzt er hält sich an seine eigenen Pläne, war 2017 seine letzte Saison als Schafhirte. Er wird dieses Jahr sein zweites Studium der Wildbach- und Lawinenverbauung abschließen, das Studium der Forstwissenschaften hat er bereits 2016 beendet, und sucht auf diesem Gebiet eine passende Arbeit.  Die Musik wird ein Hobby bleiben - aber es gäbe noch ein weiteres Standbein, denn Schnitzen kann er übrigens auch sehr gut. Vorerst macht er aber noch einen Monat Abenteuer-Urlaub in Australien - mit der Zugin im Gepäck. 

Die CD ist übrigens über die Homepage von Norbert Brandtner erhältlich: https://www.norbert-brandtner.com

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