TAURISKA - ein Pinzgauer Verein, der den Mensch in den Mittelpunkt stellt

Grenzgänger: Auch als solche sehen sich Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter. Deshalb haben sich die  beiden hier mit ihrer  mobilen Bank genau  zwischen Bramberg und  Neukirchen positioniert
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  • Grenzgänger: Auch als solche sehen sich Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter. Deshalb haben sich die beiden hier mit ihrer mobilen Bank genau zwischen Bramberg und Neukirchen positioniert
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Der 1994 verstorbene Leopold Kohr, seines Zeichens Philosoph, Nationalökonom und Träger des Alternativen Nobelpreises, war viele Jahre lang Präsident von TAURISKA. Auf die Leistungen der „Tauriskaner“ Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter konnte der Weltbürger stets stolz sein - so wie zahlreiche Menschen in der Region, welche mit Unterstützung der beiden ihre Ideen umsetzten konnten.

Bauernmärkte waren verboten
Heute kaum mehr vorstellbar, aber als der Verein TAURISKA im Jänner 1986 gegründet wurde, gab es im Pinzgau keine Bauernmärkte - ja, sie waren damals sogar per „Marktordnung“ gesetzlich verboten! Der Stellenwert regionaler Produkte und auch jener der heimischen Kultur wurde klein geschrieben und das Erfahrungswissen vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte stand davor, für immer verloren zu gehen.

Mit Kultur für den Nationalpark
„Das änderte sich mit der damals bevorstehenden Gründung des Nationalparks Hohe Tauern. Unter dem damaligen Landeshauptmann Wilfried Haslauer sen. sollte bei den Menschen in der Region eine positive Stimmung dafür geweckt werden. Professor Alfred Winter, der Landesbeauftragte für kulturelle Sonderprojekte, hatte die Idee, die Bewusstseinsbildung mit Kulturarbeit zu forcieren. Im Jänner 1986 gründete er dann TAURISKA“, erzählen die Präsidentin Susanna Vötter-Dankl und Geschäftsführer Christian Vötter. Als erstes wurde in den 21 Nationalpark-Gemeinden des Pinzgaus eine Art „Bestandsaufnahme“ gemacht. Welche speziellen Fertigkeiten beherrschen die Menschen, welche Schätze gilt es zu bewahren, welche Ideen zu unterstützen? Entsprechende Kurse in Sachen Handwerk, Kochen oder Schneiderei wurden angeboten und bestens besucht. Ausstellungen und Arbeitskreise zu regionalen Themen fanden rasch riesiges Interesse. TAURISKA bzw. das Ehepaar Vötter-Dankl veranstaltete auch zahlreiche Dichterlesungen von heimischen Literaten und bot Künstlern aller Art eine Plattform für die Präsentation ihrer vielfältigen Werke. Der Dialekt erhielt wieder die wichtige Bedeutung, die ihm zusteht. Im TAURISKA-Verlag sind bisher 111 Bücher erschienen - neben Mundartliteratur sind es vor allem auch Schriften, die altes Wissen gesammelt haben wie zum Beispiel verschiedene Kreuzstich-Muster.
In den einzelnen Orten wurden Kulturvereine gegründet, wozu die „TAURISKA-Leutln“, wie sie manchmal genannt werden, oft nur den Anstoß zu geben brauchten.

Wichtige Schuljahre
Sieben Jahre lang unterrichteten die Vötter-Dankls an den Bramberger Wirtschaftsschulen „Kulturtouristik“, wobei die Schüler auch fächerübergreifend bei verschiedenen Projekten angeleitet und begleitet wurden. „Das waren sehr wichtige und schöne Jahre, aber wegen des großen Zeitaufwandes mussten wir damit wieder aufhören.“ Wie wichtig Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter neben der Wahrung der regionalen Identität auch die Weltoffenheit ist, wird im alljährlich stattfindenden TAURISKA-Festival besonders deutlich: Neben einheimischen Künstlern und Musikern laden die beiden immer wieder kreative Menschen aus aller Herren Länder in den Pinzgau. TAURISKA-Vorträge werden oft von internationalen Experten gehalten. „Bio-Bauern in Kuba etwa haben grundsätzlich die selben Probleme wie Bio-Bauern in Österreich“, sagen die Vötter-Dankls.

Apropos Bauern und Wirtschaftstreibende: Die beiden TAURISKA-Obleute haben zuletzt besonders die Herstellung von heimischen Produkten unterstützt. Vorzeigebeispiel ist der bekannte Bramberger Apfelsaft, der in der örtlichen Obstpresse erzeugt wird. In weiterer Folge entstanden Apfelbrot und Apfel-Miniguglhupf des Bäckermeisters Fritz Daxenbichler oder ein mittels Apfeltrester (Restprodukt bei der Apfelsafterzeugung) veredelter Rinderspeck der Metzgerei Schöppl in Wald. Neuestes Produkt dieser Metzgerei ist das kreative „Pinzgauer Apfelschmalz“, wofür TAURISKA einmal mehr das gesamte Marketing erstellte.

Von der Technik zur Philosophie der Kleinheit
Susanna Vötter-Dankl ist seit der Vereinsgründung an der Front von TAURISKA, ihr Ehemann wechselte einige Jahre später von der Technik in die „Philosophie der Kleinheit“. - Warum „Philosophie der Klelnheit“? Nun, hinter dem Verein standen und stehen die Erkenntnisse von Leopold Kohr. Der in Oberndorf geborene Weltbürger - er verstarb 1994 in England - predigte die Rücksichtnahme auf die Individualität, die Kreativität und die Würde des Menschen. Und er war überzeugt davon, dass kleine soziale Einheiten am besten dazu geeignet sind. Und weil die Vötter-Dankls Kohls Philosophie zu ihrer gemacht haben, sehen sie mit Sorge „Zentralisierungs-Plänen“ in der Region entgegen. „Anscheinend sollen etwa die Kurse der Volkshochschulen im Oberpinzgau nur noch zentral in Mittersill stattfinden. Dabei braucht das auch in Zukunft jeder Ort selber. So wie auch in Zukunft jeder Ort seine Volksschule, seinen Kindergarten, seine Nahversorger, seine Vereine und sein Wirtshaus braucht, damit die Menschen sich wohlfühlen und sich gemeinsam weiterhin mit ihrem Dorf identifizieren können“, betonen die beiden.

Preis für herausragende Kulturarbeit
Zurück zu Leopold Kohr: Neben der Leopold-Kohr-Akademie, die sich im TAURISKA-Sitz, dem „Kammerlander-Stall“ in Neukirchen, befindet, gründeten Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter als Erben des Kohr-Nachlasses im Vorjahr ein Kohr-Forschungszentrum an der Uni Salzburg. Dort werden die beiden schon bald Vorlesungen halten.

Weil die Arbeit der beiden „Tauriskaner“ vor Ort nicht immer nur wohlwollend anerkannt wird, freut es sie natürlich besonders, dass das in Salzburg, Wien oder sogar international sehr wohl der Fall ist. Apropos Wien: Für ihre „herausragende Kulturarbeit“ erhielten Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter in der Bundeshauptstadt vor knapp zwei Jahren das Bundes-Ehrenzeichen verliehen.

Mehr Informationen zum Thema gibt es unter www.tauriska.at bzw. unter www.leopold-kohr.at

(Verfasst von BB-Redakteurin Christa Nothdurfter im Herbst 2009)

Autor:

Christa Nothdurfter aus Pinzgau

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