Unsatzsteuersenkung - wofür soll das gut sein??

Mit 1. Mai 2016 wurde in Österreich die Umsatzsteuer für Beherbergungsleistungen von 10% auf 13% angehoben. Dazu ein praktisches Beispiel:
Kostete vor dem 1.5.2016 eine Nächtigung in einem Wiener Hotel € 80,-- (inkl.), also netto € 72,73, so sollten es nach dem 1.5.2016 dann exakt € 82,18 sein.
Wer die Praktiken der Wirtschaft ein wenig verfolgt konnte sich also leicht ausrechnen, dass die Tourismuswirtschaft diese geringe Erhöhung gleich einmal ordentlich aufgerundet weitergab. Die Erhöhung trug der Konsument und nicht die Gewerbetreibenden.

Ein riesen Aufschrei ging durch die Tourismuswirtschaft. Diese 3%ige Erhöhung der Umsatzsteuer gefährde das Wachstum der Branche hieß es. Wer soll das bezahlen?

Seither taumelt diese so ärmliche Branche von einer Rekordsaison zur anderen, von einem Rekordjahr zum anderen. Auch heute am 1.1.2018 lese ich in online-Nachrichten, dass „der Tourismus“ für die Wintersaison 2017/18 bereits wieder auf Rekordkurs ist.
Offensichtlich wirkt sich diese 3%ige Umsatzsteuererhöhung nicht im Geringsten auf die Reisefreudigkeit der Konsumenten aus. Diese 3% sind schon längst überall eingepreist und niemand rechnet mehr damit, dass etwas billiger würde.

Was man auch nicht vergessen darf ist, dass dieser Steuersatz im Zuge einer großen Steuerentlastung eingeführt wurde. Etwa 2,5 Milliarden Euro Steuerentlastung erhielten Arbeitnehmer (weniger Lohnsteuer) und etwa 2,5 Milliarden Euro erhielt die Wirtschaft (z.B. über geringere Lohnnebenkosten). Also hatte auch die Tourismuswirtschaft einen ordentlichen Vorteil daraus, denn diese 3%ige Umsatzsteuererhöhung ist keine Leistung, die der Betrieb aufzuwenden hat, sondern eine Steuerleistung des Konsumenten. Der Unternehmer muss diese nur an den Staat weiterleiten.

Nun tritt diese neue Regierung an und verkündet lauthals, diese im Jahr 2016 eingeführte Erhöhung rückgängig gemacht wird – um die Tourismuswirtschaft zu entlasten!
Wie bitte? Geht's noch? Was wird geschehen?
Na ganz klar! Die Beherbergungspreise in der Tourismuswirtschaft werden die gleichen bleiben und die dadurch freiwerdenden, zusätzlichen Gewinne bleibt beim Unternehmer.
Das nenne ich sozial! Das nenne ich auch Klientelpolitik. Das ist Parteipolitik!
Von einer ÖVP habe ich nichts Anderes erwartet. Sie ist seit eh und je dem Unternehmertum hörig (sie hat sich ja auch aus diesem Klientel entwickelt), aber eine FPÖ, die sich als „soziale“ Heimatpartei bezeichnet, schlägt bereits in dieselbe Kerbe. Der Wolf im Schafspelz zeigt schon sein wahres Gesicht.

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut! Nur darf man nicht vergessen, dass wir alle DIE Wirtschaft sind. Können sich die Konsumenten nichts mehr oder nur mehr weniger leisten, wird es auch den Unternehmern nicht mehr gut gehen, weil sie ihre Produkte und Waren nicht mehr in den gewünschten Mengenzahlen verkaufen können. Also: Geht’s uns Allen gut, geht’s auch den Wirtschaftstreibenden gut!
Jetzt eine Branche bevorzugt zu behandeln schafft nur weiteres Ungleichgewicht.
Unternehmen, die Milliardengewinne schreiben, betrügen (legal) die Gesellschaft! Entweder sind deren Produkte zu teuer oder sie bezahlen jenen, die die Arbeit dazu verrichten einfach zu wenig! Dort wäre es wichtiger, anzusetzen!

Und noch etwas: Nicht alles reduziert sich auf „den Arbeitsplatz“.
Ich habe keinen Unternehmer kennengelernt, der Mitarbeiter aus Nächstenliebe einstellte. Jeder Unternehmer verdient mit jedem Mitarbeiter auch für seine eigene Tasche Geld. Ist das nicht so, so handelt es sich um einen unrentablen Mitarbeiter, dessen Arbeitsplatz aufgelöst wird. Ganz einfach!

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