DAS "WUNDER VON ABBEVILLE" (FRA) - HSV/ASVÖ TT SAALFELDEN siegt mit 4:3

Nicht gerade glücklich waren die Spieler und Funktionäre nach der Auslosung der 2. Runde des Intercupbewerbes. Abbeville aus Frankreich (liegt fast am Atlantischen Ozean, in der Nähe von Calais) hieß der Gegner, bei dem man in der Fremde anzutreten hatte. Nach einer anstrengenden Reise, bei der über 1100 km zurückzulegen waren, wurde vorerst einmal die Spielstätte erkundet. Was in dieser französischen Kleinstadt mit ca. 25000 Einwohnern der Tischtennissport für einen Stellenwert hat, wurde den Saalfeldenern sofort bewusst. Eine riesige Sporthalle mit 16 ständig aufgebauten Tischen, dazu ein eigenes Vereinsbüro, Aufenthaltsraum für die Trainer und Spieler und andere zusätzliche Tischtennisausstattungen ließen unsere Spieler vor Neid erblassen. Mit gemischten Gefühlen erwartete man daher das erste Intercup Auswärtsspiel. Schon beim Beobachten der Gegner beim Einspielen wurde klar, dass die Recherchen über die Spielstärke der Franzosen falsch waren. Ein Profi aus China, der zusätzlich mit einem zweiten chinesischen Spieler zirka 50 Kinder und Jugendliche in diesem Tischtennisleistungszentrum trainiert (zusätzlich dazu gibt es auch in der Schule einen Leistungszweig für Tischtennis, der ebenfalls täglich in der Halle trainiert), ein Legionär aus Belgien (dieser war bis zu seinem Wechsel vor einigen Jahren nach Frankreich in der belgischen Profiliga auf Rang 7) und ein starker rumänischer Spieler standen Matviychuk, Kovacs und Heine gegenüber. Als dann auch noch der Präsident das Jahresbudget, das dieser franz. Tischtennisverein zur Verfügung hat (immerhin über 120 000 Euro und zusätzlich wird noch ein Profispieler von einem eigenen Sponsor bezahlt), den Saalfeldener Funktionären bei einem Rundgang nannte, sank die Stimmung auf ein Minimum.

Der Bundesligaverantwortliche des HSV/ASVÖ Saalfelden Walkner K.H. schmiedete zusammen mit Trainer Matviychuk eine Aufstellungsvariante, die den Gegner völlig überraschte. „Geopfert“ wurde Heine Florian, der dadurch auf die Nummer 1 und 2 der Franzosen traf. Man konnte davon ausgehen, dass Matviychuk und auch Kovacs gegen den Rumänen, der Nummer drei, eine Chance haben würden. Der Sieg im Doppel war zusätzlich notwendig, um überhaupt im Spiel zu bleiben und dazu war noch ein Überraschungssieg notwenig, um siegen zu können.
Das Spiel begann vor einer tollen Zuseherkulisse und lief wie erwartet. Heine Florian verlor gegen den Belgier Closset mit 0:3, konnte aber hervorragend mithalten und hatte durchaus auch Chancen, zumindest einen oder zwei Sätze zu gewinnen. Dann lag erwartungsgemäß Kovacs Janos gegen den chinesischen Profi mit 0:2 im Rückstand. Im dritten Satz begann der Saalfeldener Legionär wie aus der Pistole geschossen und lag rasch mit 5:1 in Front. Diese Führung gab er nicht mehr ab. Der vierte Satz verlief ebenso und Wang Chen wurde immer nervöser. Kovacs witterte seine Chance und setzte am Beginn des fünften Satzes alles auf eine Karte. Leider machte er zu viele Eigenfehler und sein Gegner steigerte sich von Punkt zu Punkt. Bald lag er mit 2:6 im Rückstand. Das Publikum und der gegnerische Spieler waren sich aber zu sicher und der Chinese „vergeigte“ die klare Führung. Kovacs wurde nun immer stärker und kam in einen wahren „Spielrausch“. Punkt um Punkt holte er auf und ging sogar mit 10:7 in Front. Der Gegner steckte aber nicht auf und kam auf 10:10 heran. Nach einem 11:10 Rückstand spielte Kovac in der Folge aber drei sensationelle Bälle und erhielt dafür vom französischen Publikum sogar Sonderapplaus. Die Überraschung war perfekt. Die Nummer 1 der Franzosen war geschlagen!

Ab diesem Zeitpunkt ging ein Ruck durch die Spieler und Funktionäre aus Saalfelden, denn man konnte mit einem knappen Ergebnis rechnen. Im nächsten Spiel war Matviychuk gegen den Rumänen Trascu an der Reihe. Er löste seine Aufgabe bravourös, kämpfte und spielte wie in seinen besten Tagen und gewann mit 3:1.

Nach der 2:1 Führung der Saalfeldener wurden die Spieler und Funktionäre des Gegners immer unsicherer. Mit diesem Widerstand hatten sie nicht gerechnet. Im Doppel spielten Matviychuk/Kovacs am Beginn recht ordentlich, verloren aber beide Sätze knapp. Der dritte Satz ging an die Pinzgauer und im folgenden Satz „zerlegten“ die beiden Asse vom HSV/ASVÖ das eingespielte franz. Doppel mit 11:4. Wiederum zeigte vor allem der Chinese auf Seiten der Franzosen Nerven und machte Fehler um Fehler. Nach einer 5:1 Führung rechnete man im Saalfeldener Lager mit einem glatten Sieg im fünften Satz. Von diesem Zeitpunkt an zeigte aber der Belgier Closset seine große Klasse und die Gegner gingen sogar mit 7:6 in Führung. Der Vorsprung war dahin und die Gesichter der Saalfeldener Funktionäre wurden immer länger. Aber es kam anders als die vielen Zuseher dachten. Noch einmal konnten Matviychuk und Kovacs mit sensationellen Ballwechseln glänzen und blieben mit 11:8 erfolgreich.

Im 5. Spiel agierte Heine gegen den Chinesen Wang hervorragend und konnte sogar zwei Sätze für sich entscheiden, ehe der Vollprofi sich seiner Klasse bewusst wurde und den fünften Satz mit 11:5 gewinnen konnte. Im darauffolgenden Spiel blieb Closset gegen Matviychuk erfolgreich. Obwohl der Saalfeldener Spielertrainer hervorragend spielte, konnte der Belgier mit 3:1 das Spiel für sich entscheiden.
Vor dem entscheidenden letzten Spiel lagen die Nerven der Spieler und der Funktionäre auf beiden Seiten blank. Kovacs kam nun gegen die Nummer drei der Gegner, den Rumänen Trascu, an die Reihe. Beide Spieler schenkten sich nichts. In einem „Klassespiel“ konnte Janos Kovacs den Gegner mit 3:1 besiegen und somit war die Überraschung perfekt.

Mit diesem 4:3 Auswärtserfolg konnte man nicht einmal im Traume rechnen. Die Zuseher verließen enttäuscht die Halle. Das Regionalfernsehen, das dieses Spiel aufzeichnete, rechnete ebenfalls nicht mit diesem Ergebnis und daher mussten unsere Spieler sogar aus den Duschräumen zu den Interviews geholt werden.
So schön und vor allem so spannend kann Tischtennis sein!

´HSV/ASVÖ TT Saalfelden

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Autor:

Gerhard Winterstätter aus Pinzgau

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