Läuferin Cornelia Moser im Interview
Halbmarathon-Staatsmeisterin Cornelia Moser im Interview

"Helden des Laufsports" führt Interviews mit Menschen die eine gemeinsame Leidenschaft haben, nämlich das Laufen. Zeiten spielen hier keine Rolle, es geht um die Person und die Geschichte dahinter. Vom Genussläufer bis zum WM-Teilnehmer, hier ist von jedem etwas finden. Heute stellt sich Cornelia Moser den Fragen.

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Cornelia Moser hat in ihrer noch jungen Karriere schon viel erreicht. Im Oktober wurde sie in Graz erstmals Staatsmeisterin über die Halbmarathon-Distanz. Cornelia spricht mit uns über ihren großen sportlichen Traum und über die schwere Zeit nach dem Unfall ihres Vaters.

Helden des Laufsports: Du bist vor kurzem österreichische Staatsmeisterin im Halbmarathon geworden. Gratulation! Wie zufrieden warst du mit dem Rennverlauf?

Cornelia: Ich habe mich zu Beginn des Rennens sehr gut gefühlt, fast zu gut. Meine Uhr hat die ersten paar Kilometer nicht funktioniert. Ein Mann machte mich dann bei ca. Kilometer drei aufmerksam, dass ich unter 3:20 min/km laufe. Ich ging bei fünf Kilometer mit 17:05 Minuten durch. Für den zu schnellen Start musste ich dann Tribut zollen und hatte ordentlich zu kämpfen, noch eine angemessene Zeit ins Ziel zu bringen.

Hdl: Bei den Meisterschaften zählt nur die Platzierung aber ich vermute du bist mit deiner Zeit von 01:16:12h zufrieden. Wo und wann bist du deine Bestzeit von 01:14:59h gelaufen?

Cornelia: Ganz zufrieden bin ich mit der Zeit nicht. Geplant hätte ich eine Zeit sub 1:16:00, aber angesichts der zu schnellen ersten Kilometern bin ich doch glücklich nicht ganz eingebrochen zu sein. Dass ich an meine PB von Barcelona diesen Februar nicht herankommen werde, war mir bereits vor dem Rennen klar. Die Saison war jetzt schon lange und ich habe eine gewisse Müdigkeit verspürt. Auch das Feld ist in Graz natürlich nicht mit Barcelona zu vergleichen. In Graz musste ich doch fast alles alleine laufen.

Hdl: Anfang des Jahres bist du in Rotterdam den Marathon in sensationelle 02:39h gelaufen. 2018 war nur Eva Wutti schneller und in der ewigen Bestenliste bedeutet diese Zeit Platz 6(!). Du bist unumstritten der Shootingstar der Szene. Wie hat alles begonnen?

Cornelia: Als „Shootingstar der Szene“ würde ich mich nicht bezeichnen. Aktuell gibt es doch mehrer starke Marathonläuferinnen in Österreich. Kathi Zipser und Karin Freitag zum Beispiel können auch eine Zeit um 2:40 Stunden laufen und Andrea Mayr deutlich schneller. Sicher ist bei mir noch Potential vorhanden, ich bin für die Marathondistanz noch recht jung. Vorallem fehlen mir noch einige Trainingsjahre. Ich bin erst sehr spät in den Laufsport eingestiegen, mit fast 20 Jahren, zuerst rein hobbymäßig und dann mit immer mehr Ambitionen. Leider geht mir deshalb eine gewisse Schnelligkeit ab, die man vor allem im Jugendalter gut aufbauen hätte können.

Hdl: 2017 konntest du dir beim „Wings for Life World Run“ weltweit Platz 2 bei den Damen sichern. Wie war der Lauf in Mailand?

Cornelia: Es war ein purer Genuss von Anfang bis Ende. Es lief sich einfach wie von selbst, ich war irgendwie in einem Trance-Zustand. Die Landschaft, die Stimmung und der Hintergrund des Laufes trugen ihr übriges bei.

Hdl: Trainingslager gehören zu einer guten Vorbereitung. Wo hattest du die perfekten Trainingsbedingungen?

Cornelia: Den Jänner vor Mailand verbrachte ich drei Wochen in Andalusien. Dort war es wirklich perfekt, täglich Sonne und sehr warme Temperaturen, man kann kilometerweit auf flachen Strecken laufen und auch eine Laufbahn ist vorhanden. Heuer verbrachte ich sogar vier Wochen dort. Leider spielte das Wetter heuer gar nicht mit. Es regnete mit der Ausnahme von zwei Tagen die ganzen vier Wochen hindurch täglich. Auch der Wind, besser gesagt Sturm, bließ einen fast um, da hat das Laufen echt keinen Spaß mehr gemacht; aber es hat mich körperlich aber vorallem mental sicher stärker gemacht, wenn man immer gegen eine „Wand“ läuft.

Hdl: Wie sieht ein normaler Trainingstag bei dir aus und wie lässt sich das mit deinem Beruf als Juristin vereinbaren?

Cornelia: Ich beschriebe lieber meine Trainingswoche, dann kann ich meinen Trainingsalltag besser darstellen. Ca. viermal wöchentlich trainiere ich zweimal täglich. Ich mache einen „Longrun“ (30km+) und einen etwas längeren Lauf mit ca. 25 Kilometer. Einen Tag gestalte ich eher regenerativ mit ca. 10 Kilometer sehr langsamen Dauerlauf oder ich mach ganz lauffrei. In den übrigen Einheiten sind 2-3 Tempoeinheiten enthalten bzw. „verpacke“ ich eine Tempoeinheit gerne in ein Rennen. Mit dem Beruf lässt es sich recht gut vereinbaren. Ich kann mir meine Arbeitszeit recht frei einteilen, meist starte ich gleich um 06.00 Uhr mit der Arbeit, sodass ich dann Vormittag bzw. Mittag meine erste Einheit machen kann und die zweite dann nach der Arbeit oder ich starte gleich um 05.00 Uhr mit einem Lauf und dann eben später mit der Arbeit. Aber es gibt ja viele Sportler die Vollzeit berufstätig sind und das sogar neben einem „normalen“ Bürojob mit fixen Arbeitszeiten. Das ist dann schon eine Herausforderug denke ich.

Hdl: Mit deinen 24 Jahren bist du noch ziemlich jung für eine Langstreckenläuferin. Was ist auf lange Sicht gesehen dein großes Ziel?

Cornelia: Naja ich denke jeder Sportler träumt von einer WM oder Olympiateilnahme. In den meisten Fällen bleibt es leider eben nur ein Traum, aber mal sehen…. Mein Ziel ist auf jedenfall immer mit Spaß bei der Sache zu bleiben. 😉

Hdl: Dein Verlobter Andreas Stöckl ist in der Laufszene auch kein Unbekannter. Ihr seid wahrscheinlich das schnellste Paar Österreichs. Wie oft trainiert ihr gemeinsam?

Cornelia: Das ist je nach Trainingsphase unterschiedlich. In der Grundlagenphase trainieren wir schon öfter gemeinsam, auch gemütliche Dauerläufe absolvieren wir ab und an zusammen. Im Tempotraining macht meist jeder sein eigenes Programm. Wenn es nach Andi gehen würde, dann würden wir viel mehr gemeinsam trainieren, aber mich „stresst“ das irgendwie; ich mag das gar nicht wenn ich weiß, dass er viel schneller laufen könnte und ich ihn bremse.
Eines ist jedenfalls klar: Es ist deutlich von Vorteil, dass Andi auch „laufverrückt“ ist. Wenn das Wetter schlecht ist oder es dunkel und kalt ist, motiviert man sich gegenseitig zu laufen, zumeist zumindest. Manchmal motivieren wir uns auch gegenseitig zum nicht laufen, aber das muss auch mal sein. 😀
Ich bin ihm sehr dankbar, dass er das so akzeptiert, dass das Laufe so eine wichtige Rolle in unserem Leben spielt, dass er mich immer unterstützt und aufmuntert wenn es mal nicht so läuft.

Hdl: Im Herbst 2015 hatte dein Vater einen schweren Radunfall und saß bis Weihnachten im Rollstuhl. Wie geht es ihm heute und hat dich dieser Unfall sportlich „gebremst“?

Cornelia: Mein Papa hat sich seinen Weg in einen fast normales Leben zurück erkämpft. Natürlich sind nach wie vor Einschränkungen vorhanden. Er war, wie meine gesamte Familie, sehr sportlich. Sport kann er heute leider nicht mehr wirklich ausüben. Gebremst hat mich der Unfall aus sportlicher Sicht mit Sicherheit nicht. In dieser Zeit hat mir das Laufen sehr geholfen um abzuschalten oder meine Gedanken zu sortieren. Auch heute, garde wenn es im Training hart wird, halte ich mir vor Augen, wie dankbar dass ich sein kann, dass ich laufen kann. Leider merkt man immer erst wieviel Spaß man an etwas hat, wenn man es (etwa aufgrund einer Verletzung) nicht ausüben kann.

Hdl: Welche Hobbys außer dem Sport hast du sonst noch?

Cornelia: Ich koche und backe gerne. Sonst versuche ich die wenig verbleibende Zeit mit Andi, meiner Familie und Freunden zu genießen, ob bei einem Essen, beim Spazieren oder sonst wo.

Hdl: Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Cornelia: Danke und jederzeit gerne wieder

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