Auf der Walz
Maximilian, Mike und Fabian auf Wanderschaft und im Bezirksblätter-Gespräch

Maximilian, Mike und Fabian vor dem Hintersee. Von dort aus führte sie ihr Weg auf die St. Pöltnerhütte und weiter nach Osttirol. Ob sie nun schon in Venedig sind? Eher wohl nicht...
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  • Maximilian, Mike und Fabian vor dem Hintersee. Von dort aus führte sie ihr Weg auf die St. Pöltnerhütte und weiter nach Osttirol. Ob sie nun schon in Venedig sind? Eher wohl nicht...
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MITTERSILL (cn). Die drei jungen Männer, die wir von den Bezirksblättern  beim Mittersiller Musikpavillon - sie haben dort am vergangenen Donnerstag übernachtet - zufällig trafen, haben natürlich auch Nachnamen, aber diese haben sie derzeit abgelegt. Abgelegt haben Maximilian, Mike und Fabian für drei Jahre auch noch einiges anderes: Moderne Kommunikationsmittel, komfortable Dinge wie ein täglich warmes Bett, modernes Outfit oder auch Treffen mit Familienmitgliedern und vertrauten Freunden. 

Gesellenvereinigungen heißen "Schächte"

Für Handwerksgesellen, die "auf die Walz" gehen, gelten zahlreiche Regeln, die sich von "Schacht zu Schacht" nur wenig unterscheiden. Die verschiedenen Vereinigungen, denen die wandernden Gesellen aus dem deutschsprachigen Raum jeweils angehören, werden nämlich "Schächte" genannt. Daher kommt beispielsweise auch der aktuelle "Nachname" von Mike aus Südthurgau in der Schweiz; der Dachdecker nennt sich  "Mike Bumbacher fremder Rolandsbruder".  Die beiden Deutschen, "Fabian fremd Schmied FBS" aus Heidelberg und Maximilian fremd Schmied FBS" aus Chemnitz gehören jeweils dem "Freien Begegnungsschacht" an.  Und, wie ihre "Namen" schon ausdrücken, haben sie beide das Schmiede-Handwerk erlernt. Früher war das "auf die Walz gehen" eine Voraussetzung dafür, dass man später einen Meisterbrief machen kann.

Viele bereichernde Erfahrungen

Und weshalb geht man heutzutage auf die Walz? Die drei beim gemeinsamen Speckknödel-Essen in der Redakteurinnen-Küche: "Die Wanderschaftsjahre bringen uns in der Entwicklung unserer Persönlichkeit auf jeden Fall sehr viel, man macht so viele unterschiedliche und bereichernde Erfahrungen mit anderen Menschen und besonderen Situationen." Auf Nachfrage bestätigen die drei jungen Männer auch, dass sich eine fertig absolvierte Walz im Lebenslauf sehr positiv ausnimmt und somit eine gute Voraussetzung für eine gelungene berufliche Barriere ist. 

Die Regeln

Zurück zu den erwähnten Regeln für Männer und auch für Frauen: Voraussetzung für das "Auf-die-Walz-gehen" ist neben dem Gesellenbrief ein Höchstalter von dreißig Jahren, zudem darf man nicht verheiratet sein sowie weder Kinder noch Schulden haben. Zudem muss man mindestens drei Jahre und einen Tag lang unterwegs sein, wobei  es eine "Bannmeile" rund um den Heimatort gibt - ein Areal im Umkreis von 50 oder 60 Kilometern darf in dieser Zeit nicht betreten werden. Weder für die Fortbewegung noch für die Unterkunft darf Geld ausgegeben werden - unterwegs sind die Gesellen zu Fuß oder per Autostopp. Meist wird im Freien geschlafen. "Hauptsache frostfrei, trocken und zumindest so viel Platz, dass man sich auch mal strecken kann", erklärt Maximilian. "Manchmal werden wir von netten Leuten zum Übernachten eingeladen, zudem gibt es auch Wirtsleute, die uns kostenlos ein Zimmer anbieten." Was Handys oder Tablets angeht, dürfen die Geräte zwar nicht mitgenommen, aber bei Gelegenheit genützt werden - beispielsweise in öffentlichen Bibliotheken oder dank großherziger Passanten. Dazu Fabian: "Manche Leute fragen uns, warum wir uns freiwillig an solche Regeln halten und unsere Freiheit aufgeben, aber eigentlich ist es umgekehrt: Wir sind frei, weil wir verzichten können und weil wir nie wissen, was der nächste Tag bringt."

Das nächste Ziel: Venedig

Ein wichtiger Zweck der Wanderschaft ist das zeitweise Arbeiten bei Handwerksbetrieben in der selben Sparte. Mike: "Das ist eine Winwin-Situation, denn wir lernen von den verschiedenen Meistern spezielle Arbeitstechniken oder besondere Kniffe, die wir bisher nicht kannten - und umgekehrt gilt das gleiche." Die drei haben einander bei einem der Treffen der verschiedenen Vereinigungen bzw. Schächte gefunden und beschlossen, die Wanderschaft gemeinsam fortzusetzen. Nachdem das Trio schon bei mehreren Betrieben Geld verdient haben, ist ihr aktuelles Ziel nicht die nächste Arbeitsstelle, sondern Venedig: Zu Fuß über den Felbertauern nach Osttirol und dann weiter nach Italien.

Ein kleiner Vortrag an der Schule

Am Tag unseres zufälligen Treffens stand aber zuvor noch etwas anderes auf dem Programm: "Fabian fremd Schmied FBS" hielt auf Bitte des PTS-Lehrers Cornel Hofer-Bräuer - auch er hatte die Wanderer zufällig entdeckt - ein kleines Referat über seine Handwerkskunst und über den Zweck seiner Wanderschaft, wobei die Schüler der sogenannten "Metall-Klasse" die perfekt geeigneten Zuhörer waren. Außerdem galt es für das Trio, sich noch einen amtlichen Stempel im Rathaus abzuholen. Dies ist als "Beweismittel" in allen Orten und Städten, in denen die Gesellen - Österreicher sind dabei die Ausnahmen  - übernachten, notwendig. Und noch eine Information: Während der Reisezeit sind die Wanderer bei unterschiedlichen Krankenkassen für eine Art Studententarif versichert. 

Auf Bitte der  drei Männer hin hier noch das nächste Treffen für Wandergesellen und für jene, die es vielleicht noch werden möchten: 
Zeit: 26. Dezember 2018 bis 3. Jänner 2019
Ort: Gut Steimke 1 in 37170 Uslar (Deutschland)

Autor:

Christa Nothdurfter aus Pinzgau

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