Symposium "Radikal Regional"
„Nicht der Gast soll uns, sondern wir müssen den Gast erziehen"

Erfolgreiche Präsentationen der Tourismusschule Bramberg  und ein toller Genuss-Stand der LFS Bruck.
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  • Erfolgreiche Präsentationen der Tourismusschule Bramberg und ein toller Genuss-Stand der LFS Bruck.
  • Foto: Radke
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MITTERSILL. Im  Nationalparkzentrum in Mittersill luden die Klima- und Energiemodellregion Nationalparkregion und das Internationale Forum Gastrosophie zum Symposium „Radikal Regional". (Klimagipfel-Gastrosophicum). Zahlreiche Institutionen rund um den Themenschwerpunkt Regionalität nahmen teil, präsentierten spannende Idee und Produkte und führten angeregte Diskussionen.

Macht der Konsumenten

Die Klima- und Energiemodellregion Energiereich Nationalparkregion sprach zur Begrüßung zunächst über den nicht unbedingt sofort ersichtlichen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Regionalität. Tatsächlich ist es aber so, dass die Ernährung für rund ein Viertel der CO2-Emissionen verantwortlich ist (Tendenz stark steigend) und der Überbereich Konsum die wahrscheinlich größte Herausforderung überhaupt für den Klimawandel darstellt. „Direkte Vorteile wie die kurzen Transportwege, die Reduzierung von Verpackungsmüll und die Steigerung von Wertschöpfung in der Region sind für Jeden nachvollziehbar“, so Organisatorin Susanne Radke. „Wenn es aber um die riskante Entwicklung neuer Produkte im Landwirtschaftsbereich oder die faire Bezahlung von regionalen Produkten geht, wird es schon schwieriger. Wir alle sind es gewohnt, teilweise extrem billige Waren von Großkonzernen oder fernöstlichen Produktionsstätten zu beziehen und nur die Nachfrage der Konsumenten nach regionalen Produkten zwingt Konzerne zu Reaktionen!“.

Gast erziehen

Auch die Schul-Präsentation beschäftige sich mit den Fragen: „Wie können regionale Produkte besser in unseren regionalen Alltag integriert werden!?“ - Aus der Sicht der Produzenten präsentiere die Land- und Hauswirtschaftsschule Bruck tolle Ideen für regionale Start ups und aus der Perspektive von Tourismus/Gastronomie regte die Tourismusschule Bramberg mit konkreten wichtigen Fragen zur Diskussion an. LA Bgm. Michael Obermoser (Hotelier und im Vorstand der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern) hielt nicht nur ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr regionale Produkte und den Schutz des heimischen Wassers, sondern forderte auch: „Nicht der Gast soll uns, sondern wir müssen den Gast erziehen. Gerade in unserer Nationalparkregion-Region ist es für die gesamte Region gleichsam eine Überlebensnotwendigkeit, nachhaltig und regional zu arbeiten!“. WK-Geschäftsführer Dietmar Hufnagl betonte die Entwicklungschancen, wie die regionale Wertschöpfung und die Wertschöpfungsketten mit innovativen Betrieben belebt werden können und Anton Seber (Koch und Betreiber Sunnseit) erklärte sehr anschaulich, wie er es schafft, in seinem Restaurant beinahe alle Rohstoffe aus der Region zu beziehen. „Bei uns gibt es im Winter keine Tomaten, nur Salat mit Wintergemüse. Wir hatten noch nie eine Beschwerde, höchstens einmal eine Nachfrage. Dann muss man es gut argumentieren können und der Gast versteht das durchaus!“

Auch der Expertenvortrag durch Autorin und Medienfachfrau Elfriede Geiblinger („So isst Salzburg“), bestätigte dieses Argument. Als Botschafterin der Schranne (Salzburgs größter Wochenmarkt) ist sie überzeugt, dass das Potential von regionalen Produkten und Bio-Produkten riesig ist – was man auch anhand zahlreicher positiver Beispiele bei Landwirten und Gastronomie bestätigt sieht - dass es aber ein gutes Marketing-Konzept braucht. „Wir müssen die spannenden Geschichten zu den Produkten erzählen, dann funktioniert es. Außerdem müssen wir lästig sein und bei unserem Wirt und unserem Händler immer wieder fragen, warum regionale Produkte nicht erhältlich sind!?“

Regionalität schmecken

Wie wunderbar regionale Produkte schmecken und welche Vielfalt und welches Engagement es im Pinzgau bereits gibt, zeigten am Freitag sehr eindrucksvoll die Genuss-Stände der heimischen Produzenten. Von Rosen-Muffins über Spezialsmoothies, RoteRüben-Erdäpfelmarmelade und Ziegenmilch-Eis bis hin zu Schafswürsten, wirksamen Heil-Kräutern aus der Region u.v.m. war vertreten und alle Produzenten stehen mit Engagement und Begeisterung hinter ihren Top-Produkten. Was fehlte, waren die interessierten Touristiker. Rühmliche Ausnahmen ist z.B. Christian Eder vom Bio-Hotel Castello: „Unsere Entscheidung, möglichst alles in Bio-Qualität zu liefern habe ich nie bereut. Schade ist, dass ich hier oft auf Bio-Großlieferanten zurückgreifen muss, weil ich vor Ort nicht bekomme, was ich brauche!“

Interessante Exkursionen

Exkursionen zum regionalen Schokolade-Veredler Erich Pletzer und dem Bierbrauer Mathias Gassner belegten ebenfalls die beträchtlichen Erfolgschancen für derartige Produkte und die Regionalitäts-Begeisterung war ebenso spürbar wie am Abend bei den Köchen der Klima/Katastrophenküche. Hier wurden von Robert Mair/Tiroler Buam, Rosemarie Mehr/Brandlwirt, Alexander Forbes/Tourismusschule, Franz Meilinger/Weyerhof, Toni Seber/Sunnseit, Margit Brauneder/MA Gastrosophy und Jörg Sellerbeck/Raumkulinarik vor den jeweiligen Gängen ihre köstlichen und phantasievollen Gerichte vorgestellt - Sie wurden einmal in der regionalen Variante und einmal mit sehr schlechtem CO2-Fußabdruck serviert. „Unser Ziel war es natürlich zu zeigen, dass die regionale Spitzenküche absolut mit globalen Angeboten mithalten kann. Dass eine Ernährungswende kommen muss, steht für uns außer Frage“, so Mit-Organisator Wolfgang Schäffner vom Internationalen Forum Gastrosophie. Die beteiligten Gäste, Landwirte, die führenden Stakeholder der Region und die Schulen zeigten sich von der Qualität der Produkte und den spannenden Diskussionen des Forums begeistert, das Projekt „Radikal Regional“ wird mit regionalen Stammtischen und weiteren Veranstaltungen fortgeführt…

Text & Fotos: Susanne Radke

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