Faktencheck
Werden österreichische Gäste in Kapruner Pizzeria nicht mehr bedient?

Mustafa "Musti" Akboga und seine Lebensgefährtin Susanne Romer ärgern sich über die Schmutzkampagne in den Sozialen Medien.
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KAPRUN. In den sozialen Medien wird seit Tagen gegen einen Kapruner Gastwirt Stimmung gemacht. Alexander Böhm, Ortsparteiobmann der FPÖ Kaprun, hat gepostet, österreichische Gäste würden in der Pizzeria "Bella Casa" nicht mehr bedient. "Nachdem ich die letzten Jahre 2-3 Mal/Monat eine Pizza zum Mitnehmen bestellt hatte, wurde mir mitgeteilt, dass bis September keine österreichischen (europäischen) Gäste mehr bedient werden. Nur noch Araber!" schreibt Böhm.

"Das ist Blödsinn"

Die Bezirksblätter haben bei Mustafa "Musti" Akboga, dem Inhaber des Lokals, nachgefragt. Der Kurde aus der Türkei lebt seit 30 Jahren in Österreich, seit 18 Jahren führt er das Restaurant in Kaprun. "Das ist Blödsinn, was die FPÖ behauptet, natürlich sind alle Gäste hier willkommen", ärgert sich Akboga. Er sei sehr enttäuscht und schockiert über diese Kampagne, schildert der Geschäftsmann, der stolz auf seine österreichische Staatsbürgerschaft ist und Kaprun als seine Heimat betrachtet.

Faktum ist, er hat sein Lokal seit drei Jahren während der Sommermonate verpachtet.

"Mir ist die Arbeit zu viel geworden. Ich habe von 7 bis 23 Uhr gearbeitet, durch den Stress habe ich auch gesundheitliche Probleme bekommen. Nach einem Bandscheibenvorfall und einem Leistenbruch musste ich die Situation ändern. Außerdem ist meine Lebensgefährtin Volksschullehrerin. Sie hat im Sommer zwei Monate Ferien und ich möchte mehr Zeit mit ihr verbringen", schildert Akboga.

Er führt das Lokal daher nur noch von Oktober bis Mai selber. In den restlichen Monaten übernimmt ein Kurde aus Syrien mit einem anderen Team und einer anderen Karte. Diese gibt es auf arabisch, sowie auf deutsch/englisch. "Ich spreche nicht arabisch und kann auch nicht arabisch kochen, es macht daher mehr Sinn, wenn das mein Pächter tut. Was ich selber nicht gut kann lasse ich besser jemand anderen machen".

Er habe seine Stammgäste, darunter auch Alexander Böhm, ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es seine eigene Küche erst wieder ab Herbst gibt. Wie auch bereits in den zwei vergangenen Sommern. Daher kann er sich nicht erklären, wieso nun plötzlich diese Vorwürfe erhoben werden.

Drohungen erhalten

Es seien jedenfalls weiterhin alle Gäste willkommen, und es sei sicher niemand weggeschickt worden. Das könne er garantieren, da er selber als Gast mehrmals in der Woche anwesend sei. "Ich esse und trinke hier selber, das Lokal ist ja wie mein Wohnzimmer".  Er habe aber Verständnis dafür, dass sich Europäer weniger wohl fühlen, wenn die Terrasse voll mit Arabern sei.

Das neue Team sei außerdem an stressigen Tagen wohl überfordert. "Wie überall im Gastgewerbe fehlt es an Personal und arabische Gäste sind sehr anspruchsvoll", meint Akboga. Er sei froh, dass er sich das nicht mehr antun müsse. "Ich liebe meine Arbeit. Ich bin ein guter Kellner und Koch und ich rede gern mit den Leuten. Aber ich bin froh, dass ich nur noch das Wintergeschäft mache. Das ist für mich wie Urlaub, denn die europäischen Gäste sind viel höflicher und unkomplizierter".

Seine Partnerin und er zeigen sich aber nicht nur schockiert über die unrichtigen Behauptungen, sie sind entsetzt über die Hass- und Drohbotschaften die sie erhalten. "Diesen Fehler wirst du noch bitter beräuen {sic}", hat ihm z. B. jemand getextet.

FPÖ-Chefin vor Ort

Seitens der FPÖ wurde diese Woche sogar ein Lokalaugenschein der obersten Chefin durchgeführt. Marlene Svazek, Landesparteiobfrau der FPÖ Salzburg, schreibt auf Facebook über ihre Erfahrung:

Nachdem ich von einheimischen Pinzgauern seit einigen Tagen viel über die Pizzeria Bella Casa in Kaprun und von Berichten gehört habe, es würden dort nur noch arabische Touristen, aber keine Einheimischen mehr bedient werden, haben wir uns das heute vor Ort angesehen. Ganz überraschend war unser Besuch ganz offensichtlich nicht, so wurde uns sofort die „Sommerkarte“ mit Pizzen angeboten.

Einen Spritzer gab’s nicht, weil Alkohol dort (wohl aus religiösen Gründen) abgelehnt wird - gut, es gibt Schlimmeres. Die Pizzen dort können wir wahrlich nicht empfehlen - das war wohl Improvisation - aber immerhin hat die ganze Aufregung dafür gesorgt, dass dort Einheimische zumindest wieder geduldet werden und nicht nur arabische Touristen. Danke an den Kapruner FPÖ-Obmann Alex Böhm für‘s Aufzeigen!

"Pinzgauer Gemütlichkeit sucht man in Kaprun aktuell aber ehrlicherweise vergebens, nur noch ein paar kleine Oasen erinnern an den Pinzgauer Charme, der in den Sommermonaten dem Kniefall vor den tausenden arabischen, teilweise vollverschleierten Touristen weichen muss."

"Es war die Aufregung wert"

Auch Alexander Böhm geht davon aus, dass Einheimische in dem Lokal nun nur aufgrund seiner Intervention wieder geduldet werden.

"Wenn mein Unmut hier auf Facebook zumindest dazu beigetragen hat, dass nicht mehr unterschieden wird zwischen Arabern und Österreichern und auch wieder Einheimische dort bedient werden, war es die Aufregung allemal wert. Wir hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt."

"Musti" hofft seinerseits, dass jene Gäste, die ihn und seine Küche kennen und schätzen, ohnehin wissen, dass diese Anschuldigungen erfunden waren.

In der Region ist es zwar nicht unüblich, dass ein Lokal für die Kundschaft im Sommer ein anderes Angebot führt als im Winter. Mustafa Akboga wird aber nun, um diesen Umstand besser kenntlich zu machen, den Namen seines Lokals in dieser Zeit ändern und auch für alle Gäste ersichtlich anbringen. Er fährt diese Woche mit seiner Partnerin in den Urlaub und wird dann ab Oktober gern wieder für seine Gäste da sein. Alle Gäste, egal woher sie kommen.

Mustafa "Musti" Akboga und seine Lebensgefährtin Susanne Romer ärgern sich über die Schmutzkampagne in den Sozialen Medien.

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