26.10.2016, 10:49 Uhr

arm wie eine Kirchenmaus

Immer wieder und in regelmäßigen Abständen tauchen Berichte und Artikel darüber auf, die diese "Ungerechtigkeit" anprangern, dass zuerst das eigene Vermögen zur Altersversorgung verwendet werden muss und erst in weiterer Folge der Staat einspringt.
Sozialsysteme sind und wurden geschaffen, um Betroffenen auch dann noch annehmbare Lebensumstände zu ermöglichen, auch wenn das eigene Einkommen, das eigene Vermögen nicht mehr reicht.

Spielen wir ein Beispiel durch!
Eine rüstige, aber bereits alte Person, eine Pensionistin / ein Pensionist wohnt noch in den eigenen vier Wänden. Die Pension reicht aus, um den eigenen Aufwand zu bestreiten. Zum Putzen braucht man schon jemand, vielleicht auch zum Wäsche machen, aber sonst geht es selber noch ganz gut.
Das Alter schreitet voran. Nun braucht man schon jemanden, der das Essen macht (oder bringt). Irgendwann passt es mit der eigenen Hygiene nicht mehr und man braucht weitere Hilfe. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die monatliche Pension nicht mehr reicht.
Zum Glück gibt es noch etwas Erspartes, auf welches man zurückgreifen kann und: die Wohnung, das Haus, das Reihenhaus ist ja auch noch da! Oder doch nicht (mehr)?
Dieser Immobilienbesitz könnte ja zur eigenen Versorgung im Alter ja eingesetzt werden - wäre doch logisch?!
Da haben aber jetzt die Erben etwas dagegen, denn: wieso soll das - nicht von den Erben - mühsam Geschaffene jetzt plötzlich für den eigenen Zweck verwendet werden? Das kann es doch nicht sein, dass es nichts zu erben gibt! Da soll doch der Staat, die Gesellschaft, die Allgemeinheit herhalten. Es wäre ja wohl wirklich eine Schweinerei, wenn den Erben nichts übrig bliebe! Übrigens von etwas, zu dessen Zustandekommen sie nichts oder in den wenigsten Fällen etwas beigetragen haben. Aber sie wollen erben, zu Lasten der Allgemeinheit.

Zurück zum Beispiel. Es geht zu Hause nicht mehr. Alte Menschen werden bewegungseingeschränkter, es kommen Krankheiten dazu, vielleicht auch Demenz. Die Person braucht einen Platz im Seniorenheim, im Pflegeheim. Und da ist es jetzt nicht so, dass man zuerst "arm wie eine Kirchenmaus" sein müsste, um überhaupt aufgenommen zu werden, sondern man wird aufgenommen. Nur um die Kosten bestreiten zu können, wird zuerst auf das vorhandene Vermögen zugegriffen (schlecht für die Erben). Gibt es kein Vermögen (mehr), so springt der Staat ein und ermöglicht die erforderliche Versorgung.
Und ja! Es kann dann der Fall eintreten, dass die/der Betroffenen letztendlich am Ende der Tage "arm wie eine Kirchenmaus" ist, aber Ihr/sein Vermögen wurde zum eigenen Wohl eingesetzt und nur weil es nicht gereicht hat, ist es der/dem zu Versorgenden nicht schlechter gegangen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schon die allgemeine Meinung ist, dass unser Staat, unsere Gesellschaft ein Selbstbedienungsladen ist. Es geht um Eigenverantwortung und nicht um Enteignung! Würde man anders handeln, so würde man den möglichen Erben ein Erbe zu Lasten aller anderer Österreicher verschaffen. Das würde ich als nicht gerechtfertigt, gröber ausgedrückt als Schweinerei erachten!

p.s.: es gibt heute schon kaum mehr jemanden mit 65 oder 70 Jahren, die/der ihren/seinen Realbesitz nicht schon längst "überschrieben" hat. Die Scherflein werden also schon beizeiten (legal) zur Seite geschafft. Nur es gibt Ausnahmefälle, und die werden dann als zutiefst unsozial plakativ angeprangert.
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