01.09.2014, 10:14 Uhr

Homosexualität: Gefragt ist Akzeptanz statt Toleranz

Klaus Horvat-Unterdorfer ist Brucker Gemeindevertreter und "zufälligerweise auch schwul". (Foto: Christa Nothdurfter)

Die Grünen Pinzgau organisieren eine Veranstaltungsreihe. Darunter auch
"Andersrum am Land".

PINZGAU/ZELL AM SEE (cn). "Andersrum am Land - Keine Angst vor Diskriminierung!" Der Vortrags- und Diskussionsabend zu den Themen "Schwul, lesbisch, trans-, bi- und intersexuell" wird gemeinsam mit der HOSI Salzburg (Homosexuellen-Initiative) veranstaltet.
Die Moderation wird der mit einem Mann verheiratete Hauptorganisator Klaus Horvat-Unterdorfer übernehmen. Der in einem Pinzgauer Unternehmen in führender Position tätige Lokalpolitiker ist seit heuer Gemeindevertreter in Bruck und außerdem Koordinator der Gruppe "Grüne Andersrum".

Weshalb diese Veranstaltung und warum gerade jetzt?
KLAUS HORVAT-UNTERDORFER: Die Wahlen liegen hinter uns. Aber wir wollen auch weiter wichtige Themen auf den Tisch bringen. Dieses ist enorm wichtig, denn noch immer trauen sich viele Getroffene nicht, sich zu outen. ,Getroffene' sage ich bewusst deshalb, weil wir Homosexuellen nicht von einer Krankheit oder einem Schicksalsschlag ,betroffen' sind, sondern von Vorurteilen getroffen werden.

Warum trauen sich viele Schwule, Lesben, Trans-, Bi- und Intersexuelle am Land nicht, sich zu outen?
HORVAT-UNTERDORFER:
Sie haben Angst vor Problemen mit der Familie, Angst, keine Arbeit zu bekommen bzw. sie zu verlieren. Sie fürchten, ihre Freunde zu verlieren oder vom sozialen Leben ausgeschlossen zu werden. Nach wie vor verleugnen daher viele Menschen ihre wahre Sexualität. Manche heiraten gegen ihre Veranlagung, gründen Familien und verzweifeln in dieser für sie unnatürlichen Situation. Wenn man bedenkt, dass das Thema zehn Prozent der Bevölkerung - in Bruck mit 4.400 Einwohnern zum Beispiel plus/minus 440 Leute - aktiv betrifft, kann man sich vorstellen, wie viele Menschen ein Leben führen, das nicht ihrer Neigung entspricht. Psychosomatische Erkrankungen bzw. Depressionen sind eine Folge davon. Und bei Selbstmorden von jungen Menschen sind überdurchschnittlich viele Homosexuelle dabei.

Was möchten Sie den Leuten sagen?
HORVAT-UNTERDORFER: An ,Getroffene' richte ich den Appell, keine Angst vor dem Outing zu haben. Man kann sich dabei auch helfen lassen. Zum Beispiel von HOSI-Mitarbeitern oder von uns grünen Gemeindevertretern. Auch wir vermitteln beispielsweise Coming-out-Beratung oder Rechtshilfe. Für Eltern gilt: Akzeptiert die Kinder so, wie sie sind! Und grundsätzlich sollte jeder Mensch davon ausgehen, dass nicht alle Menschen gleich sind. Die Vielfalt ist eigentlich das einzig "Normale"! Und wir wollen nicht Toleranz - macht, was ihr wollt, aber lasst uns in Ruhe - sondern wir wollen Akzeptanz.

Vortrag & Diskussion
Freitag, 12. September 2014 um 19 Uhr im Restaurant "Deins & Meins", Zell am See.
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