01.11.2016, 12:40 Uhr

Leserbrief: "Wohlstand in Europa - Armut in Afrika"

Ein Leserbrief von Renate Ratzenböck aus Uttendorf. (Foto: Archiv)

Die folgenden Zeilen stammen von Renate Ratzenböck aus Uttendorf

Migration, Flüchtlingskrise und kein Ende. Überall gibt es halbfertige Antworten und Ratschläge zur Bewältigung. Es wird um Ausdrücke (Zaun oder nicht Zaun ist die Frage) gefeilscht und doch geht man am grundsätzlichen Problem vorbei. Die Industriestaaten haben, wenn es nützlich ist, keinerlei Skrupel. Jegliche wirtschaftliche Vorteile, Ausbeutung durch Billiglöhne, Plünderung der Bodenschätze dürfen nicht zu Lasten afrikanischer Staaten gehen, sondern es wäre wohl ein Gebot der Stunde, all das mit entsprechenden Gegenleistungen zu honorieren.

Beispiel gefällig? Wir essen mit Vorliebe „Hühnerbrüstchen“. Die Abfälle bzw. das Hühnerklein wie es so schön heißt, also das, was wir nicht essen wollen, was unserem verwöhnten Gaumen nicht entspricht, wird tiefgekühlt nach Ghana verfrachtet und dort trotz der Transportkosten (rd. 4.500 km entfernt) zu einem Billigstpreis verkauft, billiger als der dort ansässige Bauer das Hühnerfleisch jemals produzieren kann. Fairer Handel sieht anders aus; so wird Afrika zur Müllhalde Europas!

Im Klartext heißt das, wir nehmen diesen Menschen die Lebensgrundlage, sodass ganze Bevölkerungsschichten keine andere Möglichkeit sehen, als ins scheinbar reiche Europa auszuwandern, wenn Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, miserable Gesundheitsversorgung vorprogrammiert sind. Unter solchen Voraussetzungen wird dann die gefährliche und oft tödlich endende Überfahrt nach Europa in Kauf genommen. Solange die Ausbeutung in Afrika und wahrscheinlich auch anderswo derart blüht, solange wird die Flucht vieler Menschen inkl. der Schlepper nicht hintangehalten werden können. Die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft wissen darüber haargenau Bescheid, reden aber nur um den heißen Brei herum; ein Gipfel jagt den anderen. Angesichts dieser Tatsachen fragt man sich: „Will man wirklich eine Lösung?“


Renate Ratzenböck, Uttendorf
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