13.10.2017, 18:35 Uhr

Saalfelden - Leogang: Kein Asyl - die Betroffenen und ihre Freunde können das nicht verstehen!

Voller Sorge und Angst: Die Brüder Bahador und Esmaeil Niroomand sowie Sadek, Mohammad und Aymen Elfreji (Brüder bzw. Cousins) mit Anja Jung vom Badhaus in Leogang. (Foto: Christa Nothdurfter)

Negativer Asylbescheid für die Iraner Bahador und Esmaeil Niroomand - Pinzgauer hoffen mit ihnen, dass sie doch noch bleiben dürfen.

LEOGANG/SAALFELDEN (cn). Sorge, Angst und Aufregung herrscht bei Anja Jung und ihren "Schützlingen": Neben den beiden irakischen Brüderpaaren Sadek und Mohammad sowie Aymen und Yahya Elfreji (18, 19, 20 und 21 Jahre alt), die vor knapp zwei Jahren im von Anja Jung betriebenen Leoganger "Badhaus" eine vorübergehende Heimat gefunden haben, sind dies auch noch die Flüchtlinge Bahador (34) und Esmaeil (32) Niroomand. Die Flüchtlinge aus dem Iran sind ebenfalls Brüder und leben gemeinsam in einer Wohnung in Saalfelden.

Begeisterte Fußballer beim FC Leogang

Das Quartett aus dem Badhaus und die "Saalfeldner" Brüder haben einander beim Sprachkurs kennen und schätzen gelernt. Alle sechs sprechen sehr gutes Deutsch, wobei vor allem jenes von Mohammad und Aymen ziemlich pinzgauerisch klingt - das ist wohl vor allem ihrer sehr aktiven Mitgliedschaft beim Leoganger Fußballverein geschuldet. Beim "Zeitungs-Termin" nicht dabei sein konnte Yahya; er absolviert beim Hotel Rupertus eine Kochlehre.

Die Polizei stand vor der Türe...

Zurück zu den beiden Männern aus dem Iran: Sie sind Christen. In ihrer Heimat mussten sie ihre Religiösität geheim ausüben, weil ihnen die Todesstrafe drohte. Eines Tages, vor rund zweieinhalb Jahren, kam die Polizei zu ihnen nach Hause, um Bahador und Esmaeil abzuholen. Die beiden waren jedoch geschäftlich in Teheran. Ihre Ehefrauen, die von den geheimen Treffen der Christen zwar wussten, aber selber nicht involviert waren, konnten die Männer telefonisch warnen. Esmaeil Niroomand, der im Iran als Buchhalter gearbeitet hat und einen fünfeinhalb Jahre alten Sohn hat, erzählt: "Wir mussten auf der Stelle flüchten und konnten aus Angst vor der Polizei zuvor nicht einmal mehr nach Hause, um uns zu verabschieden. Im muslimischen Glauben und in dessen Gesetzen sehe ich eine Versklavung der Menschen - Steinigung bei Ehebruch zum Beispiel oder die Todesstrafe für Homosexualität oder eben für Christen." In Österreich angekommen, ließen sich die beiden taufen - im Iran wäre das nicht möglich gewesen - und brachten sich sehr aktiv in die Saalfeldner Pfarrgemeinde ein. Sie haben "aus Dankbarkeit Österreich und seinen Menschen gegenüber" auch im Seniorenheim Farmach sowie in anderen Institutionen mitgeholfen.

Referenzschreiben auch vom Pfarrer und vom Bürgermeister

Ausgestattet mit etlichen Referenzschreiben - u. a. vom Saalfeldner Pfarrer und vom Bürgermeister - fuhren sie voller Hoffnung zu ihrer Anhörung im Asylverfahren. Doch dann der Schock - ein negativer Bescheid! Esmaeil: "Uns wurde unterstellt, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen geflüchtet wären. Dabei hatten wir diesbezüglich ein gutes Leben im Iran. Außerdem wurde nicht geglaubt, dass wir aus Überzeugung Christen sind und auch der sporadische Kontakt mit unseren Familien wurde uns zur Last gelegt. Wir können das einfach nicht verstehen!" Anja Jung: "Niemand, der die beiden kennt, kann das verstehen - wir alle sind fassungslos." Dank der Unterstützung von mehreren Einheimischen konnten sich die Brüder für die Anfechtung des Bescheides eine Anwältin leisten. Doch nun ist verzweifeltes Warten auf die nächste Anhörung angesagt - warten, hoffen und bangen!

Fünf ermordete Familienmitglieder

Die vier jungen Burschen aus dem Irak, die im Badhaus wohnen  (Foto 2 - nicht im Bild ist Kochlehrling Yahya) sind Brüder bzw. Cousins. Wie sie erzählen, mussten in ihrer Großfamilie bereits fünf Männer eines gewaltsamen Todes sterben. Der Hintergrund liegt in der Politik, ein männliches Familienmitglied hatte früher ein hohes Amt inne und ist schließlich in Ungnade gefallen. Das Quartett hofft deshalb auf einen positiven Asylbescheid, ihre Anhörung haben sie noch vor sich. Mohammad: "Ich würde bei der Anhörung gerne deutsch reden, aber das darf man nicht. Ich habe Angst, dass vom Dolmetscher womöglich etwas nicht richtig übersetzt wird. Davon hat man schon gehört."


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