12.04.2017, 08:50 Uhr

Zweitwohnsitze und ihre Auswüchse

Leserin Renate Ratzenböck aus Uttendorf steigt beim Thema Zweitwohnsitze die "Grausbirne" auf.

Wos braucht ma in an Bauerndorf, wos braucht ma in an Dorf – so beginnt bekanntlich ein Lied. Zweitwohnsitze auch? In der gesamten Region entstanden und entstehen Zweitwohnsitze, die offenbar keine Wünsche offen lassen. Die Kosten für die zu errichtende kommunale Infrastruktur, wie Erweiterung der Kanalisation, Neuerrichtung von Straßen inkl. -beleuchtung, um nur einige zu nennen, spielen dabei keine Rolle und auch nicht die Tatsache, dass durch die „einheitlichen „Ferienhäuser“ und überdimensionierten „Hotelappartementanlagen“ die Landschaft sehr zum Nachteil beeinträchtigt wird. Man spricht dabei immer von großem Gewinn und Nachhaltigkeit; aber wo ist das genau zu erkennen?

Bei näherem Hinsehen ist für mich weder das eine noch das andere zu finden. Der Gewinn ist kurzfristig gesehen sicherlich vorhanden, aber würden nicht auch Einheimische gerne ein Haus – auf derart attraktiven Bauplätzen - errichten, halt zu erschwinglichen Preisen und wäre das nicht auch ein Gewinn für viele Firmen?

Die Demontage des ländlichen Raumes, dagegen sich die Politiker in Worten gerne kämpferisch wehren, wird damit weiter forciert. Ein Hotel benötigt zahlreiche Angestellte, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, ein Chalet-Dorf vielleicht einen Hausmeister?

Irgendwie werde ich auch das Gefühl nicht los, dass hier erneut unsere viel besagten Werte mitsamt dem Brauchtum wieder einmal mit Füßen getreten werden. Die Käufer dieser Ferienwohnungen stammen aus aller Herren Länder und haben nicht wirklich einen Bezug zur Region, geschweige denn zu unseren Gepflogenheiten. Sind Dirndlkleid und Lederhose bald exotisch?

Wo bleibt die Raumordnung? Haben wir eine solche überhaupt? Vielfach werden die Häuser auch unter dem Namen „Nationalpark“ angeboten. Auch das stimmt mich bedenklich, zumal diese Zweitwohnsitze sicher nicht im Nationalpark errichtet werden können; man könnte höchstens darauf hinweisen „Sie sehen in der Ferne den Nationalpark“. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man mit dem Begriff „Nationalpark“ hehre Ziele hatte, einen naturschonenden Tourismus mit den Aspekten „Schützen und Nützen“ wollte. Von den Einen mit Stolz geschaffen und aus Überzeugung geprägt, von den Anderen missbraucht? Wird jahrzehntelange Pionierarbeit so zur Farce?

Wenn ich mir die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit ansehe, Baumax hat viele kleine Geschäfte in den Ruin getrieben, bis es ihn selbst erreicht hat; Schlecker hat es nachgemacht und zahlreiche Drogerien verschwinden lassen. Sind jetzt vielleicht mit diesem Trend - mit dieser scheinbaren gewinnbringenden Baublase - die Hotellerie und Gastronomie als nächstes dran? Eine schlimme Vorstellung. Und auch die Frage stellt sich für mich, welche Werte geben wir an die nächste Generation weiter?


Renate Ratzenböck
Uttendorf

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