09.09.2014, 22:07 Uhr

Dschihadisten aus dem Pinzgau?

Christina Herr leidet mit den Eltern. Und sie weiß: "Mit dem ,normalen' Islam hat der ,Heilige Krieg' nichts zu tun." (Foto: Christa Nothdurfter)

Zum Islam konvertiert, arabisch gelernt und weg von daheim

OBERPINZGAU (cn). "Ich bin fassungslos. Das waren zwei nette Jugendliche, die bei ihren Altersgenossen äußerst beliebt waren", sagt Christina Herr.
Die Oberpinzgauerin hat vor ihrer Pensionierung das Jugendzentrum in Mittersill geleitet und kennt aus dieser Zeit die mittlerweile etwa 25-jährigen Männer, von denen die Familien davon ausgehen müssen, dass sie nach Syrien in den "Heiligen Krieg" gezogen sind.

Mit katholischer Herkunft
Christina Herr wurde von den Verwandten eines der Männer informiert. Ihr Anliegen ist es nun, das Ganze aufzuzeigen und dadurch zu bewirken, andere junge Leute vielleicht von so einem Schritt abhalten zu können. Herr erzählt die Vorgeschichte von Peter N.*: "Der Bub entstammt einer katholischen Familie aus Bosnien, die, als Peter noch ein Baby war, in den Oberpinzgau zog. Er absolvierte die Schule, eine Handwerks-Lehre und arbeitete ganz normal.

Dann ging es Schlag auf Schlag
Doch vor einigen Monaten ging es Schlag auf Schlag: Peter N. ließ sich einen langen Bart wachsen, konvertierte zum Islam, kündigte den Job und verbrachte fast die ganze Zeit in seinem Zimmer vor dem Computer."

Angst und Verzweiflung
Als Besucher tauchte öfters ein Mann auf, der ebenfalls aus dem Oberpinzgau kommt und mit dem Peter N.* schon lange befreundet ist. Peters Mutter erteilte dem Mann, der die Matura gemacht und studiert hatte, schließlich Hausverbot. Ebenso wie die Veränderungen, die sie mit Schaudern an ihrem Sohn beobachten musste, war ihr der türkischstämmige Freund ihres Sohnes mehr als unheimlich geworden.
Die Verzweiflung und die Angst in der Familie waren (und sind) unermesslich groß, der Sohn bzw. Bruder verschloss und veränderte sich immer mehr.

Weg seit Mitte August
Am langen Wochenende Mitte August verreiste die Familie, Peter N.* fuhr nicht mit. Und war weg, als die anderen wieder zurückkamen. Ein letztes Mal war er dann telefonisch noch erreichbar. Die Mutter: "Wo bist du?" Der Sohn: "Das braucht dich nicht zu interessieren." Und weg ist seither auch der Freund des jungen Mannes.

"Warum nur?"
Christina Herr: "Warum nur? Ich glaube, die beiden haben keine Ahnung, worauf sie sich da eingelassen haben."


*Name von der Redaktion geändert




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