06.07.2017, 19:04 Uhr

Die Schmerzen gegen doppeltes WM-Gold eingetauscht

Im Bogenparcours oberhalb des Gasthofes Oberkrammern gibt es insgesamt 28 Tier-Atrappen. (Foto: Christa Nothdurfter)

Bei der Weltmeisterschaft in Florenz zeigten die Pinzgauer Bogenschützen groß auf. Wir trafen Doppelweltmeister Günther Kainz aus Mühlbach bei Bramberg.

HOLLERSBACH/PINZGAU (cn). "Bei großen Turnieren wie bei der Weltmeisterschaft muss man an vier Tagen hintereinander jeweils sechs Stunden höchst konzentriert sein. Das kostet enorm viel Energie und wenn man körperlich nicht hundertprozentig fit ist, schafft man es nicht", meint der frischgebackene Doppelweltmeister, als ihn die Redakteurin fragt, warum er viermal in der Woche ein Fitness-Studio besucht. Weil, so anstrengend schaut das Bogenschießen ja eigentlich gar nicht aus... Hm, falsch gedacht - zumindest dann, wenn man es in dieser Sportart ganz an die Spitze schaffen möchte.

Einzelgold UND Teamgold

Nun, wie bereits kurz berichtet, hat Günther Kainz vom BSV Oberkrammern es an die Spitze geschafft, aber wie! Bei der WM in Florenz holte er nämlich Einzelgold in der Klasse "Bowhunter Recurve" und in der selben Klasse Teamgold, wobei als zweiter Pinzgauer Wolfgang Macho aus Saalfelden - seines Zeichens Vizeweltmeister im Einzel - mit im Team gewesen ist.

Ein Bandscheibenvorfall war der Grund...

Zurück zu Wolfgang Kainz, der in Mühlbach bei Bramberg daheim ist: Der mittlerweile 47-jährige Familienvater begann mit "seinem" Sport erst im Alter von 38 Jahren und das wegen eines Bandscheibenvorfalls. "Es hat geheißen, dass das Bogenschießen bei dieser Krankheit hilft. Mittlerweile habe ich schon lange keine Beschwerden mehr, sondern das Gegenteil ist wahr. Ich habe aber auch mit der Arbeit am Bau aufgehört und bin jetzt halbtags als Montagetischler tätig. Die restliche Zeit widme ich dem Sport - das geht sich finanziell aus, weil unsere Kinder nun schon 16 und 18 Jahre alt sind."

Kein Preisgeld

Preisgeld gibt es für die Bogensport-Weltmeister übrigens keines, im Gegenteil: Die Sportler kommen für alle Kosten - Anreise, Unterkunft, Verpflegung usw. - selber auf. Isabell Stöckl, als Obfrau des BSV Oberkrammern übrigens einzige Pinzgauerin in diesem Amt, ergänzt: "Wir sind mit fünf Leuten zur WM nach Florenz gefahren, das hat 4.000 Euro gekostet."
Gibt es denn eine Förderung seitens der Gemeinden, aus denen die insgesamt 92 Mitglieder kommen? "Nein, Bogensportvereine werden eigentlich in der ganzen Region nicht gefördert, obwohl wir auch viel Nachwuchsarbeit betreiben. Aber wer weiß, vielleicht helfen ja die Weltmeistertitel diesbezüglich ein wenig", schmunzelt Isa, wie sie von allen genannt wird.


ZUR SACHE:
Der Bogensportverein Oberkrammern konnte den Parcours in Hollersbach dank Unterstützung der Landwirte vom Oberkrammern- und vom Unterkrammern-Hof und dank des Wohlwollens von Alois Lahn auf einem Gelände in der Größe von acht Hektar errichten. Es gibt hier 28 Tierattrappen - vom Bären über Rehe und Hirschen bis hin zu Maulwurf und Specht - sowie eine gemütliche Labestation, in der striktes Alkoholverbot gilt. Mitglieder können jederzeit schießen, für alle anderen kostet eine Tageskarte zehn Euro.

Im Pinzgau finden sich aber noch etliche andere Bogensport-Parcours: Drei im "Bogendorf" Stuhlfelden sowie je einer in Niedernsill, in Viehhofen, in Leogang, in Saalfelden sowie in Maria Alm.

Zurück zum BSV Oberkrammern: Bei der heurigen WM waren neben Günther Kainz auch Christian Vorderegger (Gold "Traditional Recurve Bow"), Sandra Feiel (Bronze "Bowhunter Recurve") sowie Bernhard Hofer und Gudrun Pointinger mit dabei. Gesponsert wird der Verein vom Wildkogel Haus, von der Wildkogel Alm und von Holzbau Maier. Der Doppelweltmeister wird zudem von der oberösterreichischen Bogensportfirma "Ribos" unterstützt.

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