23.10.2017, 17:00 Uhr

Berger stellt auf "Super-Bio" um

Die Chocolatiers Hubert und Christine Berger stellen nach und nach ihr gesamtes Sortiment auf Bioprodukte um. (Foto: Neumayr/Leo)

Die Chocolatiers sehen Mineralölrückstände von 2016 als Chance und haben das Unternehmen umgekrempelt.

LOFER/WALS-SIEZENHEIM (buk). Schritt für Schritt stellt derzeit der Schokoladenhersteller Berger sein komplettes Sortiment auf Bio um. "Das Siegel soll den Kunden zeigen, dass die Qualität unserer Produkte überprüft worden ist", sagt Inhaberin Christine Berger. Auslöser dafür waren Spuren von Mineralöl (die chemischen Verbindungen MOSH und MOAH), die vor einem Jahr in mehreren Schokoladenprodukten – vorrangig Saisonprodukten wie Osterhasen oder Adventkalendern – gefunden worden sind.

"Wir waren fertig"

"Das hat uns wie die Faust auf's Auge getroffen. Wir waren down. Wir waren fertig", erzählt Inhaber Hubert Berger. Vor allem, weil bis heute niemand genau weiß, wie die Verunreinigungen in die Schokoladen kommen konnten. "Wir haben im Anschluss Seminare zu MOSH und MOAH besucht und sind derzeit die einzigen weltweit, die die Rohstoffe freiwillig auf diese Rückstände testen – noch bevor diese bei uns ins Haus kommen", so Hubert Berger. Gesetzliche Grenzwerte dafür gibt es derzeit nicht.

"Gehen auf Nummer sicher"

Die Umstellung aller Lieferanten sei sehr schwierig gewesen. "Der Geschmack der Produkte darf sich ja nicht ändern", sagt Christine Berger. Zudem seien alle Verpackungen erneuert worden. "Strenge Überprüfungen und Bio nützen nichts, wenn beim Ausliefern etwas hineingeraten könnte", erklärt Hubert Berger. Auch die bisher verwendeten Recycling-Kartons wurden durch Frischfaserverpackungen mit Farben auf Wasserbasis ersetzt. "Theoretisch könnten die Verunreinigungen ja sogar von den Kartons stammen", so der Inhaber. "Wir wollen die Krise von vor einem Jahr als Chance nützen und versuchen uns von allen Dingen zu trennen, die den Betrieb angreifbar machen. Auch Palmöl kommt bei uns nicht vor."

Bio-Mandeln aus Mallorca

Die Schokoladen selbst tragen seit August letzten Jahres das Fairtrade-Siegel. Sie sind zudem bereits 100 Prozent Bio. Lediglich bei weiteren Zutaten für ausgefallenere Sorten konnten noch nicht alle Rohstoffe umgestellt werden. "Bei unserer Linzer-Torten-Tafel haben wir noch keine Bio-Marmelade auftreiben können, weshalb wir diese noch nicht als Bio definieren können", sagt Hubert Berger. In anderen Bereichen sei die Umstellung bereits geglückt: "Im Mallorca-Urlaub haben wir eine Mandelplantage entdeckt, die uns nun Bio-Nüsse liefert." Für die Kunden erhöht sich der Preis durch die "größte Umstellung in der Firmengeschichte", wie Christine Berger sagt, um acht Prozent. Das decke die Mehrkosten der Firma allerdings nicht ab. Diese liegen laut Hubert Berger bei "etwas mehr als 20 Prozent".

Hier geht's zum Kommentar "Die positiven Seiten des Schoko-Skandals"

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