„Polizei ist wie eine riesige Firma“

Polizeischüler Manfred Scheuringer mit Günter Lechner, Inspektionskommandant Stellvertreter.
  • Polizeischüler Manfred Scheuringer mit Günter Lechner, Inspektionskommandant Stellvertreter.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Der 27-jährige Polizeischüler Manfred Scheuringer unterstützt mit vier weiteren Schülern die PI St. Johann in den Wintermonaten. Was er hier lernt, prägt seine künftige Karriere und Dasein als Polizist. Mit dem BEZIRKSBLATT spricht er über seine Erfahrungen in der Schule und Praxis.

Herr Scheuringer, darf ich Sie um einen kurzen „Steckbrief“ zu Ihrer Person bitten?
MANFRED SCHEURINGER: „Mein Name ist Manfred Scheuringer, ich komme aus Werfen und bin 27 Jahre alt. Derzeit befinde ich mich im zweiten Abschnitt der Polizeiausbildung im Bildungszentrum Großgmain und bin aktuell im Praktikum in der Polizeiinspektion St. Johann eingesetzt.“

Was war Ihr Beweggrund Polizist zu werden?
MANFRED SCHEURINGER: „Ich habe eine Lehre als Bürokaufmann absolviert und insgesamt zehn Jahre bei einem Steuerberater im Büro gearbeitet. Bereits nach dem Bundesheer überlegte ich zur Polizei zu wechseln, legte den Gedanken aber dann zur Seite, um es Jahre später dann doch zu versuchen. Da auch mein Vater Polizist ist (Kommandant der PI Hallein), kannte ich den Beruf aus seinen Erzählungen und Erfahrungen. Ich bin quasi mit der Polizei aufgewachsen und wusste, dass mir der Beruf gefallen würde.“

Verhält sich Ihr Umfeld Ihnen gegenüber anders, seit Sie ein Polizist (in Ausbildung) sind?
MANFRED SCHEURINGER: „Da in meinem Umkreis schon Polizisten sind und es auch Polizisten in den Familien meiner Freunde gibt, gab es keine Vorbehalte. Ich habe aber von Kollegen gehört, dass sich das Verhalten mancher Freunde geändert hat. So hieß es z.B.: ‚Neben dem Polizisten darfst du dieses oder jenes nicht sagen bzw. tun.‘ Da bin ich sehr froh, dass es bei mir nicht so ist.“

Erzählen Sie ein bisschen über den schulischen Alltag in Großgmain!
MANFRED SCHEURINGER: „Die schulische Ausbildung ist anspruchsvoll und der Lehrstoff dicht gedrängt. Man muss ständig mitarbeiten, um am Ball zu bleiben. Bei uns gibt es z.B. Fächer wie polizeiliche Handlungslehre. Strafrecht, Verkehrsrecht, Sport, Praktische Übung – Einsatztraining und wir lernen alle nötigen Gesetze.“

Wie kann man sich den Unterricht im Einsatztraining vorstellen?
MANFRED SCHEURINGER: „Wir lernen unterschiedliche Einsatztechniken, Griffe zur Überwältigung und Verteidigung, Handschellen anzulegen, schießen, das richtige Verhalten beim polizeilichen Einschreiten usw. Das ist spannend und eine gute Abwechslung zum trockenen Lernen von Gesetzestexten.“

Kann man während der Schulzeit schon feststellen, ob man für den Polizeidienst geeignet ist?
MANFRED SCHEURINGER: „Ja. Man hört von den Lehrern viele Einsatzberichte und Geschichten über den aktiven Dienst. Dadurch kann man den polizeilichen Alltag relativ realistisch einschätzen. In meiner Klasse gab es eine Kollegin, die schon nach kurzer Zeit erkannte, dass der Beruf nichts für sie ist und die Schule abbrach. Ein verlässliches Kriterium ist dafür natürlich auch die Praxis.“

Wenn wir gerade von der Praxis sprechen: Wie gefällt es Ihnen auf der PI St. Johann?
MANFRED SCHEURINGER: „Ich bin mit vier weiteren Schülern seit 1. Dezember 2010 zur Unterstützung der Beamten in den touristisch starken Wintermonaten hier und es gefällt mir sehr gut. Die Beamten nahmen uns gleich als vollwertige Kollegen auf und man merkt ihr Bedürfnis, uns etwas beizubringen. Bei Einsätzen sind wir als dritter Beamter dabei, das heißt wir können viel beobachten und uns in unsicheren Situationen auch einmal zurückziehen. Ich möchte mir in der verbleibenden Zeit hier viel von den Kollegen abschauen und hoffe, dass ich bei zahlreichen interessanten Einsätzen dabei sein kann. Denn die Praxiserfahrungen sind Gold wert.“

Bei welchen Einsätzen waren Sie bisher dabei und wie fühlten Sie sich bei diesen?
MANFRED SCHEURINGER: „Bis jetzt habe ich schon einiges erlebt, von einem schweren Verkehrsunfall bis hin zu einer Festnahme. Bei den ersten Verkehrsanhaltungen war ich natürlich etwas nervös und der Zulassungsschein hat in meiner Hand ordentlich gezittert (lacht), aber die Leute waren sehr freundlich. Es hat alles tadellos funktioniert. Gut ist, dass für einen Laien nicht erkennbar ist, dass wir noch Schüler sind, also ist der volle Respekt der Menschen da.“

Gibt es Situationen, vor denen Sie sich in Ihrer Laufbahn als Polizist fürchten? Ich denke dabei z.B. an den Schusswaffengebrauch?
MANFRED SCHEURINGER: „Durch den Unterricht in der Schule wird einem die Angst vor dem Umgang mit der Waffe genommen. Ein gesunder Respekt wird jedoch vor jedem Einsatz bleiben. Schließlich kann auch eine einfache Verkehrskontrolle eskalieren.“

Gibt es Einsätze, auf die Sie sich besonders freuen?
MANFRED SCHEURINGER: „Natürlich bin ich gespannt auf schwere und komplexe Fälle. Aber am Anfang bringt jeder Fall eine neue Situation und ist daher mit Spannung verbunden.“

Haben Sie bereits einen Spezialisierungswunsch?
MANFRED SCHEURINGER: „Die Polizei ist wie eine große Firma mit vielen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, das ist toll. Zur Zeit habe ich mir aber noch keine Gedanken über eine Spezialisierung gemacht. Durch meine Lehre habe ich besonderes Interesse an Wirtschaftsdelikten und Internetbetrug, vielleicht werde ich daraus später etwas machen.“

Interview: Julia Baumgärtner

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Autor:

Julia Hettegger aus Salzburg

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