Ehevertrag – unromantisch aber sinnvoll?

Rechtsanwalt, Unger: "Ich empfehle, sich beim Vertragsverfasser vor Errichtung über die Kosten zu informieren."
2Bilder
  • Rechtsanwalt, Unger: "Ich empfehle, sich beim Vertragsverfasser vor Errichtung über die Kosten zu informieren."
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Herr  Unger, Eheverträge kennt man vor allem aus amerikanischen Filmen, wird es auch bei uns modern einen Ehevertrag aufzusetzen?
RAIMUND UNGER: Im Gegensatz zu anderen Ländern werden Eheverträge in Österreich verhältnismäßig selten geschlossen. Ich schätze, dass sich regional die Anzahl an Eheverträgen im unteren einstelligen Prozentbereich bewegt. Die grundsätzliche Nachfrage ist aber steigend.

Was ist ein Ehevertrag genau?
UNGER: Eheverträge, genannt auch Ehepakte, sind Verträge zur Regelung der Vermögensverhältnisse zwischen Ehegatten. Der Ehevertrag kann einerseits klare Feststellungen bezüglich der Eigentumsverhältnisse von Vermögen dokumentieren, um späteren Beweisfragen im Falle einer Scheidung vorzubeugen, wer was in die Ehe eingebracht hat. Mittels Ehevertrag kann z.B. auch geregelt werden, wer im Scheidungsfall die eheliche Wohnung erhält. Dies ist vor allem interessant, wenn die Eheleute in ein Haus ziehen, welches eines der Eheleute von seinen Eltern übergeben bekommen hat.

Und wenn ich keinen Ehevertrag abschließe?
UNGER: Ohne eine derartige vertragliche Regelung wird bei einer Scheidung, das während der Ehe gemeinsam erwirtschaftete und ersparte Vermögen 50:50 geteilt, auch wenn einen Ehepartner das überwiegende Verschulden an der Ehescheidung trifft.

Was kann nicht über einen Ehevertrag geregelt werden?

UNGER: Allgemeine Verzichtserklärungen, die den Ehegattenunterhalt betreffen, sind nur sehr beschränkt zulässig. Ebenso ist die vertragliche Regelung der Kindesobsorge und des Kindesunterhaltes nicht möglich. Auch höchstpersönliche Angelegenheiten können bei uns – anders als in den USA – nicht geregelt werden. Beispielsweise die Verpflichtung des Partners zum Beischlaf oder ein Kind zu gebären.

Ist eine Ehe ohne Vertrag ein Risiko?

UNGER: Nicht grundsätzlich. Man kann mit dem Ehevertrag aber bestimmte Beweisproblematiken für das Aufteilungsverfahren im Scheidungsfall minimieren.

Ist ein Ehevertrag nur etwas für "reiche" Menschen?

UNGER: Grundsätzlich kann man sagen, dass der Abschluss eines Ehevertrages interessanter wird, je mehr Vermögen bei Abschluss der Ehe vorhanden ist. Noch interessanter wird es, wenn sich dieses Vermögen bei Abschluss der Ehe nur auf einen Teil der Eheleute konzentriert.

Kann ein Ehevertrag im Nachhinein angefochten werden?

UNGER: Ja natürlich. In diesem Punkt ist die Rechtsprechung relativ streng. Von den Gerichten können Vereinbarungen, die eine Partei gröblich benachteiligen, aufgehoben werden. – z.B. wegen Sittenwidrigkeit.

Für welche „Partei“ kann ein Ehevertrag ein Nachteil sein?

UNGER: Sollte z.B. vereinbart werden, dass die ehelichen Ersparnisse jenem gehören, der sie bei aufrechter Ehe verdient, könnte eine Frau, die wegen der Kinderbetreuung zu Hause ist und kein eigenes Einkommen besitzt, finanziell leer ausgehen.

Der Expertentipp:
Unger: "Ich empfehle allen, die sich gegen einen Ehevertrag entscheiden, selbst schriftlich eine Aufstellung anzufertigen, was beide in die Ehe einbringen und diese Urkunde wechselseitig zu unterschreiben."

Rechtsanwalt, Unger: "Ich empfehle, sich beim Vertragsverfasser vor Errichtung über die Kosten zu informieren."
Trotz rosaroter Brille vor der Hochzeit sollte das Brautpaar über wichtige Dinge sprechen und diese regeln.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen