Ein Tag mit
Mehr als Altkleider sammeln

Ein Tag mit dem Pongauer Arbeitsprojekt, es ist mehr als Altkleider sammeln, aber das gehört eben auch dazu.
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Ich durfte einen Tag mit den Mitarbeitern des Pongauer Arbeitsprojekts (PAP) verbringen. Das dort mehr gemacht wird als Altkleider sammeln ist nicht jedem klar.

SCHWARZACH. Das Pongauer Arbeitsprojekt ist mit vollem Namen kaum bekannt. Viel mehr kennt man es als PAP und denkt auch gleich an die Altkleider-Sammlung. Das hier wesentlich mehr dahinter steckt, erfuhr ich bei meinem letzten "Ein Tag mit..." am eigenen Leib.

Erst der Vertrag

Bevor ich loslegen kann geht es zur Personalentwicklung zu Martina Simoncic. Sie erklärt mir meinen "Arbeitsvertrag", die Stellen beim PAP sind immer befristet. Es wird versucht Menschen bei der täglichen Arbeit in ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu stärken und zu unterstützen. Ziel ist es bei der Suchen nach der für die jeweilige Person am besten passende Arbeit zu begleiten. "Wir sprechen von Transitmitarbeitern", erklärt Simoncic. Das Hauptaugenmerk gilt der Verbesserung der psychischen, sozialen und gesundheitlichen Situation der Transitmitarbeiter. Durch Beschäftigung, Beratung und Betreuung werden beschäftigungslose Personen bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt begleitet.

Unterstützen und stärken

"Unsere Mitarbeiter sind bunt gemischt wir haben sehr junge Menschen, Mütter, Pensionsanwärter. Von 23 bis 63 ist alles dabei", sagt Simoncic. Ihre Aufgabe als Personalentwicklerin ist es den Menschen beratend zur Seite zu stehen und bei Bedarf Weiterbildungsangebote zu organisieren. Die Transitmitarbeiter werden über das Arbeitsmarktservice gefunden. Dieses übernimmt auch einen Teil der Kosten, doch vorrangig finanziert sich das Projekt selbst. Das erwirtschaftete Geld fließt direkt zurück in den Betrieb, dass heißt das das PAP nicht auf Gewinn sondern auf Erhalt aus ist.

Rauchpausen

Nach dem ich brav die Datenschutzverpflichtung unterschrieben habe übernimmt Manuela Sint meine Einführung in den Betrieb. Sint ist Fachschlüsselkraft für die Sortierung. Mir gefällt bei der internen Dienstordnung, dass die Pausen klar geregelt sind. "Es soll nur während der Pausen geraucht und mit dem Telefon hantiert werden", erklärt Sint. Als Nichtraucherin finde ich das gut. Zu Manuela Sint in die Sortierung komme ich erst am Nachmittag. Erstmal geht es zum Container entleeren.

Container entleeren

"Da geb ich dir lieber Handschuhe, sonst sind die schicken Fingernägel hin," sagt Martin, Fachschlüsselkraft für Dienstleistungen, zu mir. Na toll, schon komme ich als Tussi rüber, dennoch nehmen mich Bernd und André zum Altkleider Container entleeren nach Bad Hofgastein mit.

Zimperlich geht nicht

Der Pensionsanwärter Bernd und André der gelernter Spengler ist schonen mich nicht. Und ganz ehrlich: Die Leute sind schon Schweinderl. "Du hast heute noch Glück, es ist wenigstens kein Müll drinnen," beruhigt mich Bernd. Dennoch sind die Säcke nicht zugebunden oder die Kleidung einfach so in den Containern. Auch kaputte Sachen oder sehr geruchsintensive Säcke werden ausgeräumt. Ich beneide die beiden wirklich nicht.

Abwechselnde Arbeit

"Das machen wir nicht jeden Tag, als ich gehört habe es geht hauptsächlich darum Container zu entleeren war ich schon skeptisch," sagt André. Doch die Arbeit bietet wesentlich mehr. Das PAP hat eine eigene Holzwerkstätte und bietet Dienstleistungen wie Gartenarbeit, Schneeräumung und Umzugsarbeiten an. "Das ist zwar körperlich anstrengend, aber man hat immer Abwechslung," kommt von Bernd.

Ich bin keine Tussi

Zurück in Schwarzach wird erstmal gewogen, wir haben bei sechs Containern 1.160 Kilogramm – großteils – Altkleider abgeholt. Da weiß man am Ende vom Tag was man gemacht hat. Jetzt muss noch abgeladen werden. Doch vorher lerne ich noch eine ganz wichtige Sache: Nach harter Arbeit darf man schon mal einen Kaffee trinken. Das Fazit der Herren: "Du bist schon eine die anpackt, aber warum krabbelst du immer in den Container?"

Schätze finden

Nach der Mittagspause geht es zu den Damen in die Sortierung. Ich darf Bücher aussortieren. Okay für Kleidung wäre ich vielleicht auch nicht so gut geeignet. Jede hat hier ihr Steckenpferd, Petra hat ein Auge für Kleidung und Betty ein Herz für fast abgeliebte Spielsachen. Es wird konzentriert gearbeitet. "Die Ware für den Verkauf muss fast wie neu sein, sonst geht sie zur Weiterverwertung," wird mir erklärt. Bei den Büchern findet man so manchen Schatz, es lohnt sich hier zu stöbern. Die Zeit vergeht schnell und ich vergesse schon fast auf meine Pause.

"Ich wollte erst gar nicht her kommen, weil ich schon gehört hatte, dass es den Leuten am Ende sehr schwer fällt wieder zu gehen." – PAP Mitarbeiterin.

Versteckte Juwelen

Am Ende des Tages helfe ich noch im Verkauf etwas mit. Martina hat wirklich ein Talent mit den Kunden umzugehen. Sie merkt sich welche Artikel das letzte Mal gesucht wurden und bietet auch immer noch einen guten Rat an. "Das muss mal wirklich gesagt werden, wenn Sie schon da sind, die Leute hier sind einfach klasse," spricht mich ein Kunde an. Und recht hat er. Um 17 Uhr habe ich Feierabend und an diesem Tag weiß ich wirklich was ich getan habe. Ich wünsche mir, dass die vielen verborgenen Juwelen des PAP nach ihrem Transitjahr einen Arbeitsplatz finden der genauso gut zu ihnen passt.

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