Katastrophenübung
Menschen müssen draußen bleiben

Auf zur nächsten Suche. In Ljubljana suchten die Salzburger nach verschütteten und vermissten Personen.
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Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg war mit einer Suchmannschaft an einer groß angelegten, internationalen Katastrophenschutz-Übung in Slowenien beteiligt. In zerstörte Häuser durften oft nur die Hunde hinein.

LJUBLJANA. 23 Rettungshunde-Teams aus Deutschland, Slowenien, Kroatien, Italien und Österreichwaren für 48 Stunden am Rand der Slowenischen Stadt Ljubljana stationiert, um dort ein realitätsnahesKatastrophen-Szenario zu trainieren. „Die Annahme war ein starkes Erdbeben mitten im Ortszentrum, das zahlreiche Häuser zerstörte und hunderte Menschen unter den Trümmern begrub. Rettungshundeteams aus den Nachbarländern wurden angefordert, um die slowenischen Kollegen beim Auffinden der vermissten und verschütteten Menschen zu unterstützen“, schildert Sepp Bucher aus St. Martin am Tennengebirge, Hundeführerder Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg (LVHS), das Einsatzszenario. Mit ihm reisten Andreas Krüger mit seinem Rettungshund Finn – aus Salzburg Stadt sowie Daniel Neuhauser aus Saalfelden mit seiner Einsatzhündin Mona nach Slowenien.

Psychisch und physisch im Grenzbereich

Die Abteilung Schutz und Rettung der Stadt Ljubljana hatte sich ein komplexes und realitätsnahes Szenario einfallen lassen, das alle teilnehmenden Teams stark forderte: In 16 Stunden mussten sieben Suchen auf Trümmern und in steilem Waldgelände absolviert werden, zwei Orientierungsmärsche mit GPS, eine Seiltechnik-Station sowie das Leisten Erster Hilfe an verletzt aufgefundenen „Opfern“. Die Teams wurden von der Feuerwehr der Stadt Ljubljana zu den einzelnen Schadstellen gefahren. „In diesen 16 Stunden gab es keine wirkliche Pause für uns oder die Hunde“, erzählt Bucher. Für die Unterkunft und die Verpflegung musste jedes Team selbst sorgen. Allerdings nicht bequem in einem Hotel, sondern in einem gemeinsamen so genannten „Base of Operation“ – einem geschütztenPlatz am Stadtrand, indem die Teams in Zelten auf den nächsten Einsatz warteten. Die körperliche und mentale Belastung der Teams war enorm. „Wir wurden nach mehreren Stunden anstrengender Arbeit zurück ins Base gebracht, müde und ausgelaugt. Und dann steht schon wieder der Einsatzleiter vor dir und sagt: ‚Abfahrt in 20 Minuten’. Das ist hart. Da hat man gerade genug Zeit die Trinkflasche aufzufüllen, die Hunde zu versorgen und Luft zu holen, dann geht es weiter“, erzählt Andreas Krüger, der zum ersten Mal mit seinem Hund an so einem Einsatztest teilnahm.

Abwechslung pur

Ganz wie es der Realität entspricht, mussten die Hundeführer jede Suche mit vollem Einsatzgepäck absolvieren– einem rund 15 Kilo schweren Rucksack mit Abseilgerätschaften für Mensch und Hund, Essen, Trinken, Erste Hilfe-Ausrüstung sowie Sicherheitsschuhen. Natürlich waren– ob fiktiv zerstörterStraßen– nicht alle Suchgebiete mit dem Auto erreichbar. Zu manchen Einsatzorten mussten die Hund-Hundeführer-Teams mit dem Boot gebracht werden, zu anderen per Seilrutsche. Immer an der Seite der Hundeführer: die treuen Vierbeiner. Natürlich mussten auch sie jeden Marsch, jede Bootfahrt und jede Abseilaktion mitmachen. Auch die drei Einsatzhunde Mona, Chili und Finn kamen dabei an ihre Belastungsgrenzen.
Gerade bei solchen Einsätzen müssen die Hunde unter großem Stress und in schwierigem Gelände selbstständig arbeiten. „Wegen der Einsturzgefahr durften dieMenschen die meisten abzusuchenden Gebäude nicht betreten. Daher mussten die Hunde selbstständig in großen Fabrikgeländen, dunklen Kellern oder höheren Stockwerken suchen. Da stehst du im Freien und wartest verzweifelt darauf, dass der Hund endlich irgendwo dort drinnen bellt. Da werden Minuten zu Stunden“, resümiert der langjährige Hundeführer Daniel Neuhauser.

Bestanden

Bei solchen Einsatztests geht es neben dem Zusammenspiel im eigenen Team natürlich auch um Bestehen und nicht Bestehen. Nachdem die Teams nicht wussten, wie viele Menschen insgesamt versteckt waren, konnten sie auch bis zur Ergebnisverkündung nicht wissen, ob sie bestanden haben oder durchgefallen sind. „Natürlich rechnet man mit, aber am Ende hat man keine Ahnung, ob wir die erforderlichen 70 Prozent erreicht haben. Was für uns zählt, war die Teamleistung und wie toll die Hunde gearbeitet haben. Das hat super funktioniert, weshalb wir unabhängig des 'Ergebnisses' wahnsinnig stolz sein können“, erzählt Bucher. Wie die Teilnehmer nach Abschluss der Arbeiten von Robert Kus, Katastrophenschutz-Manager der Stadt Ljubljana, erfuhren, gab es insgesamt 15 Personen zu finden. Das Team der Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg schaffte es, elf von ihnen aufzuspüren – genug, um diesen „Stresstest“ positiv zu absolvieren. „Für uns war diese Einsatzübung einabsoluter Höhepunkt. Da waren Teams am Start, die ausschließlich Trümmerarbeit trainieren und international im Einsatz waren. Wir arbeiten daheim im Salzburger Land hauptsächlich auf der Lawine und im alpinen Gelände in der Vermisstensuche, also in anderen Sparten der Rettungshundearbeit. Umso mehr freut uns das positive Abschneiden mit Platz 11 unter 23 Teams“, erklärt Hundeführer Sepp Bucher aus dem Pongau. An internationalen Einsatztests nehmen die Salzburger vor allem teil, um Kontakte zu anderen Rettungshundeorganisationen zu knüpfen, und die Ausbildung der Hunde auf eine solide, breite Basis zu stellen. Diese Erfahrung kommt im Einsatz wiederum in Not geratenen Menschen im Bundesland Salzburg zu Gute. „Es ist schön zu sehen, dass unsere Hunde im internationalen Vergleich ein sehr hohes Ausbildungsniveau haben. Vor allem wenn man bedenkt, dass bei dieser Übung kein Team mehr als zwölf Personen lokalisieren konnte“, resümiert Bucher.

365 Tage im Jahr für in Not geratene Menschen im Bundesland

Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg feiert im Jahr 2014 ihr 60-jähriges Bestehen und ist damit die älteste Rettungshundeorganisation im Bundesland Salzburg. Anlass für die Gründung der ehrenamtlich arbeitenden Rettungsorganisation war das große Lawinenunglück am Dachstein im Jahre 1954, bei dem 13 Menschen den „weißen Tod“ starben. Aus einer anfangs kleinen Gruppe von Idealisten hat sich heute eine solide Einsatzorganisation mit erfahrenen Hundeführerinnen und Hundeführern entwickelt, denen es an Nachwuchs nicht mangelt. Die Staffel ist dem Katastrophenreferat der Salzburger Landesregierung unterstellt.

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