Liebherr Bischofshofen
"Es gibt kein Wahlrecht beim Kollektivvertrag"

Das Liebherr Werk Bischofshofen wird in Zukunft zwei getrennte Gesellschaften unter einem Dach haben.
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  • Foto: Liebherr
  • hochgeladen von Anita Marchgraber

Der Bereich Service und Vertrieb des Liebherr Werk Bischofshofen wird mit Jahreswechsel zu einer eigenen Gesellschaft. Dadurch wechseln 300 Mitarbeiter vom Metallindustrie-Kollektiv in den Handelskollektiv, was zur Kritik von Seiten der Gewerkschaft führt.

BISCHOFSHOFEN. Als eines der letzten Liebherr Werke weltweit sind in Bischofshofen die Bereiche Entwicklung und Produktion sowie Vertrieb und Service noch nicht von einander getrennt. Dies soll sich mit Jahreswechsel ändern. „Grund ist, dass die Muttergesellschaft Liebherr International AG einfachere und klarere Strukturen in Rahmen von rechtlichen Gesellschaften anstrebt“, erklärt Geschäftsführer Manfred Santner. Das Hauptgeschäft in Bischofshofen ist die weltweite Entwicklung und Produktion von Radladern. In diesem Bereich werden auch 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, die in die Verwendungsgruppe Metall bei den Kollektivverträgen fallen.

Gewerkschaft übt Kritik

Bisher gilt dieser Kollektiv auch für die 300 Mitarbeiter im Bereich Service und Vertrieb, diese werden in der neuen Gesellschaft in den Handelskollektiv fallen. Ein Vorgehen, das von der Gewerkschaft stark kritisiert wird. Es würden den 300 Industriebeschäftigten massive Lohnkürzungen durch die Hintertür drohen. „180 Monteure, Service und Reparaturarbeitskräfte sollen aus dem Metallindustrie Kollektivvertrag in den für das Unternehmen günstigeren Handelskollektivvertrag wechseln“, zeigt sich Daniel Mühlberger, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft PRO-GE besorgt über die Pläne des Unternehmens.

Hauptgeschäftsfeld ist entscheidend

Manfred Santner hält dagegen, dass die Entscheidung, welcher Kollektivvertrag bei einer Gesellschaft angewandt wird, von der Wirtschaftskammer nach dem mehrheitlichen Betätigungsfeld entschieden wird. „Der Bereich Vertrieb und Service setzt sich mit dem Handel von Baumaschinen und Ersatzteilen sowie Reparatur- und Montagedienstleistungen auseinander. 2019 setzte sich der Umsatz von 210 Millionen Euro dieses Bereichs aus 90 Prozent Handel mit Baumaschinen und Ersatzteilen und aus 10 Prozent Serviceleistungen zusammen. Dies ist auch die Grundlage, weshalb bei der neuen Gesellschaft der Handelskollektiv angewendet werden muss“, erläutert Santner.

Keine Verschlechterung

„Aus unserer Sicht will das Unternehmen auf Kosten der Beschäftigten Gewinne maximieren. Denn nach der Übergangszeit wird es vermutlich zu Änderungskündigungen der Einzelvereinbarungen kommen. Dies bedeutet etwa für Monteure rund 350 Euro im Monat weniger Einkommen! Und künftige neue Mitarbeiter werden sowieso vom ersten Tag an weniger verdienen und auch Leiharbeitern droht ein ordentliches Einkommensminus aufgrund fehlender industrieller Referenzzuschläge“, warnt Mühlberger in einer Aussendung. Santner sieht dies als nicht gerechtfertigt, denn um eine Schlechterstellung der Mitarbeiter zu vermeiden, wird der Kollektivvertrag um eine Vertriebsvereinbarung erweitert, die gemeinsam mit dem Betriebsrat erstellt wird. Zur Zeit stünden folgende Punkte fest: Es wird einen gleichbleibenden Nettoverdienst geben. Zukünftige Kollektiverhöhungen werden auf das Ist-Gehalt gerechnet. So werden auch Mitarbeiter, die über dem Handelskollektiv verdienen, nicht benachteiligt. Sozialleistungen werden so wie bisher üblich übernommen. „Es hat in meinen 20 Jahren in der Geschäftsführung keine Verschlechterung in der Entlohnung für Mitarbeiter gegeben und das wird es auch weiterhin nicht. Auch zukünftige Mitarbeiter werden die gleiche Vereinbarung bekommen“, betont Santner, der den Standard seiner Mitarbeiter halten will.

So wird es weiter gehen

Die neue Gesellschaft wird als "Liebherr Österreich Vertrieb und Service GmbH" zu 100 Prozent eine Tochter der Liebherr international AG sein. Das heißt beide Gesellschaften sind Teil von Liebherr und Eigentümer als auch Geschäftsführung bleiben für die Mitarbeiter gleich.  In zwei bis drei Jahren wird es zu weiteren Änderungen in Bischofshofen kommen, diese seien allerdings unabhängig von der Entscheidung die beiden Hauptgeschäftsfelder in zwei Gesellschaften zu Teilen. Ein Teil der Vertrieb und Service GmbH wird nach Puch-Urstein umziehen wo ein drei Hektar großes Areal gekauft wurde. Grund ist, dass man mit dem Platz für die Produktion der Radlader an den Grenzen der gegeben Kapazitäten ist. Durch den Umzug von 100 bis 130 Mitarbeitern werden Flächen von etwa zwei Hektar frei und damit kann die Produktion von 5000 auf 7000 Radladern gesteigert werden. So soll der Standort Bischofshofen auch weiterhin optimal genutzt werden können.

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