15.09.2016, 18:24 Uhr

Altes Handwerk lebt in St. Martin

Lehrling Philipp beim Sticken an einem Ranzen. Auch Restaurationen werden vorgenommen. (Foto: Salzburger Federkiel-Stickerei)

Die Salzburger Federkiel-Stickerei ließ sich zum 30-Jahr-Jubiläum beim Sticken auf die Finger schauen.

Eine Gams ziert den schmalen Ledergürtel, ein Blumenornament die zierliche Handtasche und auf dem breiten Ranzen "thronen" Initialen, umrankt von feinen und vielschichtigen Mustern – in jeweils mehreren Wochen Handarbeit fertigen Walter Grübl und Herbert Klieber Unikate wie diese mit einem Handwerk, das bereits fast in Vergessenheit geraten war.

Altes Wissen neu entdeckt

"Das Federkielsticken ist ein 220 Jahre altes Handwerk, das über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten ist. Als ich und mein Freund Herbert vor rund 38 Jahren einen eigenen Ranzen (breiter Leibgurt zur Lederhose) haben wollten, konnte uns kein Betrieb diesen Wunsch erfüllen. Also haben wir beschlossen, uns selbst einen solchen zu fertigen", blickt Walter Grübl Jahrzehnte zurück. Die beiden gelernten Elektriker konnten für ihr Vorhaben allerdings weder auf Fachliteratur noch auf Wissen alter Handwerker zurückgreifen. "Es gab keine Informationsquellen und wer das Handwerk beherrschte, ließ uns am alten Wissen natürlich nicht teilhaben", erzählt Grübl.

Firmengründung 1986

Nach sieben Jahren voller Versuche, Hartnäckigkeit und ausdauerndem Üben hatten die beiden Freunde die Fertigkeiten erlangt und perfektioniert und gründeten 1986 die Salzburger Federkiel-Stickerei, damals noch in Eben. Seither hat sich viel getan – nur das Handwerk blieb dasselbe.

Jedes Produkt ein Unikat

Als Ausgangsmaterial für ihre Kreationen benötigen die Sticker Pfauenfedern (Federkiele) und Leder. In der neuen großen Werkstatt mit Schauräumen in St. Martin erzeugen Grübl und Klieber mit ihren drei jungen Lehrlingen und Gesellen Ranzen, Hosengürtel, Handtaschen, Bucheinbände, Hosenträger, Geldtaschen und vieles mehr auf Kundenwunsch. In der Produktion wird nichts aus dem Haus gegeben. Das Leder wird teilweise selbst gefärbt, die Gürtelschnallen selbst punziert wie gefertigt und das Design selbst gezeichnet.

Tradition trifft Trend

Obwohl das Handwerk ein altes ist, gehen die Designes mit dem Trend. Vor allem bei den Hand- und Geldtaschen wird Trend mit Tradition kombiniert. "Das ist uns wichtig, um auch die nachkommenden Generationen zu bedienen", so Grübl – denn waren Ranzen früher Zeichen des Wohlstands, sind Erzeugnisse von der Salzburger Federkiel-Stickerei heute Accessoires, die Generationen überdauern und nie aus der Mode kommen.

Zur Sache:

Wer sich selbst ein Bild über das alte Handwerk der Federkiel-Sticker machen möchte, kann das beim Tag der offenen Tür im Rahmen des dreitägigen Jubiläumsfestes vom 23. bis 25. September ab 9 Uhr.
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