04.12.2017, 13:55 Uhr

12 Zeichnungen pro Sekunde

Kathrin Steinbacher absolviert derzeit das Masterstudium am Royal College of Art in London. (Foto: Kathrin Steinbacher)

Die Wagrainerin Kathrin Steinbacher wird international für ihre Animationsfilme ausgezeichnet.

Die ehemalige Bezirksblätter Pongau-Mitarbeiterin und gebürtige Wagrainerin Kathrin Steinbacher ist mit ihren Animationsfilmen und Kinderbüchern international erfolgreich. Mit ihrem Kurzfilm "Freedom" reist die Pongauerin derzeit von einem Film-Festival zum nächsten. "Ich darf mich sehr glücklich schätzen, dass mein Kurzfilm auf großes Interesse stößt. Zum Beispiel wurde er beim London International Film Festival gezeigt, sowie beim Animated Dreams in Tallin. Aber auch in den USA und in Asien wurde 'Freedom' vorgeführt. Das größte Festival bisher, war das London International Documentary Film Festival. Gewinnt man hier in einer Kategorie, qualifiziert man sich dafür, seinen Film für die Oscars, einreichen zu dürfen", erklärt die 28-Jährige, die erst vergangene Woche für einen ihrer Filme den Publikumspreis beim "Two Days Animation Festival" in Wien gewonnen hat.

Der Film "Freedom" ist dein Bachelor-Abschlussfilm an der Kingston University in London, worum geht es in diesem Film?
KATHRIN STEINBACHER: "Freedom" ist ein dokumentarischer Animationsfilm über eine männliche Hauptfigur, die nach Beendigung seiner angestrebten Skikarriere eine schwierige Zeit durchlebt. Der Film zeigt, wie zu hoher Erwartungsdruck zu Angstzuständen und Frustration führen kann. Es thematisiert das Erwachsen werden am Land, wo sich Meinungen und Vorurteile oft schnell verbreiten.

Kannst du den Film für uns interpretieren?
KATHRIN STEINBACHER: Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen. Aber ich kann dazu sagen, dass es ein sehr persönlicher Film ist und ein Thema bzw. eine Zeit anspricht, die mich selbst sehr geprägt und lange beschäftigt hat. Im Film spreche ich mit meinem Bruder (dem Hauptcharakter) zum ersten Mal über eine schwierige Phase in seinem Leben. Mit dem Motto Wissen schafft Akzeptanz, um zu verstehen – habe ich vor einem Jahr das Projekt gestartet.

Welche Arbeit steckt hinter einem animierten Film?
KATHRIN STEINBACHER: Ich starte immer mit der Recherche-Arbeit. In diesem Fall habe ich viel über mentale Gesundheit gelesen, Menschen interviewt und relevante Filme gesehen. Währenddessen beginne ich mit der Storyboard-Arbeit. Ein Storyboard ist eine zeichnerische Version eines Drehbuchs. Generell zeichne ich am Anfang immer viel, um meine ersten Ideen auf Papier zu bringen. Danach geht’s zum lustigeren Teil – dem designen des Films, der Charaktere und der Hintergründe und natürlich dem animieren. Jede einzelne Bewegung ist gezeichnet – 12 Frames pro Sekunde, also 12 Zeichnungen pro Sekunde. Der Film ist drei Minuten lang, das ergibt somit 2.160 Zeichnungen.

Bist du auch noch als Illustratorin tätig?
KATHRIN STEINBACHER: Ja, gerade ist mein zweites Kinderbuch entstanden, gemeinsam mit Martina Fuchs, einer österreichischen Kinderbuchautorin. Es wurde für den österreichischen Kinderbuchpreis, dem Romulus Candea Preis und den Global Illustration Award auf der Frankfurter Buchmesse nominiert. Bisher ist es jedoch unveröffentlicht. Wir sind derzeit noch auf der Suche nach einem Verleger.

Was bedeuten solche Nominierungen für dich und deine Arbeit?
KATHRIN STEINBACHER: Zuallererst ist es eine sehr schöne Anerkennung und Wertschätzung für meine Arbeit. Es steigert natürlich auch meinen Bekanntheitsgrad und daraus ergeben sich weitere Aufträge. Ich mache nämlich auch kommerzielle Animationsfilme.

In welche Richtung möchtest du nach dem Abschluss an der Universität beruflich gehen?
KATHRIN STEINBACHER: Am liebsten würde ich als Illustratorin bzw. Animatorin arbeiten und gleichzeitig in einem Animationsstudio oder Designstudio beschäftigt sein, weil ich es auch liebe, als Teil eines Teams zu arbeiten – das Leben als Freiberufler kann manchmal sehr einsam sein.

Werden  wir dann endlich auch im Pongau etwas von deinem Können haben?
KATHRIN STEINBACHER: 2018 werde ich mein Masterstudium am RCA in London abschließen. Ob ich danach in London bleibe oder nicht, kann ich derzeit noch nicht sagen. Aber falls es im Pongau jemanden gibt, der mich für ein Animations- oder Illustrationsprojekt beauftragen möchte, würde ich mir das auf alle Fälle durch den Kopf gehen lassen.
Hier geht es zum Trailer von "Freedom".

Mehr über Kathrin Steinbacher:

Kathrin Steinbacher ist eine Wagrainer Illustratorin und Animations-Filmemacherin. Sie lebt in London und absolviert derzeit ihr Masterstudium der Animation am renommierten Royal College of Art. Ihr Bachelor-Studium im Bereich Illustration/Animation schloss sie 2017 an der Kingston University London mit Auszeichnung ab. Als Abschlussarbeit entstand der Animations-Kurzfilm 'Freedom' und das Kinderbuch ‚Der Krallowich’.
Mehr auf Instagram: kathrin_steinbacher.

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