23.11.2016, 14:52 Uhr

Bei uns wird noch "g'racht"

"Rachn geh" in den Rauhnächten hat bereits eine lange Tradition. (Foto: RMA-Archiv)
PONGAU (aho). Der angenehme Duft des Weihrauchs liegt besonders in der Weihnachtszeit fast überall in der Nase. In etlichen Familien wird auch noch ein alter, häuslicher Brauch mit dem Weihrauch gepflegt: das "Rachn geh'n" in den Rauhnächten.

Zur Geisteraustreibung

Beim „Rachn geh'n“ wird Glut aus dem Herd in eine gusseiserne Räucherpfanne gegeben und Weihrauch sowie Kräuter darüber gestreut. Praktiziert wird das Räuchern vor allem, um das Böse im nächsten Jahr fernzuhalten. Die Rauhnächte sollen nämlich laut Überlieferung für Geisteraustreibung geeignet sein.

Um den Jahreswechsel

Zwölf Rauhnächte sind im europäischen Brauchtum bekannt. Sie fallen regional unterschiedlich, liegen aber überall in der Zeit zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Jänner. Vielerorts beginnen sie mit der Heiligen Nacht, oft auch schon mit der Thomasnacht, der längsten Nacht im Jahr zur Wintersonnenwende. "Im Pongau werden meist die drei großen Rauhnächte gepflegt. Das sind die Heilige Nacht (24. auf 25. Dezember), die Silvesternacht (31. Dezember auf 1. Jänner) und die Nacht vor Dreikönig (5. auf 6. Jänner)", erklärt Hans Strobl, Obmann vom Gauverband der Pongauer Heimatvereinigungen.

Schutz für Familie

Früher glaubte man, dass in diesen sehr dunklen und langen Nächten um Jahresende Dämone ihr Unwesen treiben würden. "Man zieht mit dem Weihrauch und dem Weihwasser durch die Zimmer, den Wohnraum, den Stall und um das Haus. Das schützt Familie, Vieh und Besitz nach Überlieferung vor Krankheiten, Unwettern und anderem Übel", weiß Strobl.
Im Pongau wird der Brauch noch bei fast allen Bauernfamilien traditionell gepflegt. "Auch in manchen städtischen Wohnungen und Häusern gehen die Leute noch 'Rachn', wenn sie diese Tradition früher von zu Hause so mitbekommen haben", sagt Strobl.

Fehlende Tage des Mondjahrs

Ursprünglich dürfte der Brauch aus der Zeitrechnung nach einem Mondjahr (354 Tage) stammen. Die fehlenden elf Tage – oder eben zwölf Nächte – auf das Sonnenjahr werden als Tage „außerhalb der Zeit“ eingeschoben. In vielen Kulturen wird diese Zeitspanne mit Volksbrauchtum verbunden.
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