21.10.2014, 09:40 Uhr

Salzburgs Öko-Skigebiet – Skifahren wie vor 100 Jahren

Peter Radacher

Die Arthurhauslifte am Fuße der Mandelwand im Hochköniggebirge kommen gut und gerne ohne Schneekanonen aus. Der Strom kommt aus einem eigenem Kraftwerk.

Bereits rund um das Jahr 1900 herum war eines klar: der alpine Skilauf ist rund um das Arthurhaus angekommen. Hier liegen die Wurzeln des Salzburger Skilaufs. Laut Aufzeichnungen gab es bereits am 19. Jänner 1905 eine gemeinsame Skitour der Bischofshofener und der Mühlbacher Skifahrer. 1908 würde am Mitterberg, der Erhebung auf der das Arthurhaus steht, die erste Skischule eröffnet, und 1912 war Mühlbach Austragungsort der Salzburger Landesskimeisterschaften. Und heute?

Keine fünf schneelosen Winter


Heute, über 100 Jahre später scheint sich bei den Arthurhausliften nicht allzu viel geändert zu haben. 1952 wurde der erste Schlepplift erbaut. „Aus Geschichten weiß ich noch, dass meine Großeltern deswegen ziemlich belächelt wurden“, erzählt Peter Radacher, der Junior Chef der Familie. Dieser Lift steht heute nicht mehr, trotzdem sucht man hier vergebens nach modernen Gondeln oder Sesselliften. „Es gibt schon Pläne für einen Sessellift, aber es würde sich einfach nicht rentieren“, erklärt Radacher. Ebenso sind die mittlerweile zur Normalität gehörenden Schneekanonen hier unauffindbar. „Wir haben genügen Naturschnee. Der Mandlwand sei Dank“, sagt der Junior Chef. Die Mandlwand ist eine Wetterscheide, an der sich die Wolken verhängen und den Schnee ablassen. Und falls dieser einmal ausbleibt? „Wir besitzen Schneeaufzeichnungen zurück bis ins Jahr 1901. Seit dieser Zeit waren es keine fünf Winter in denen wir zu wenig Schnee gehabt hätten“, erinnert sich Peter Radacher. „Ausserdem hätten wir nicht einmal einen Speicherteich, müssten mächtig umgraben, und dafür würden wir wahrscheinlich keine Genehmigung bekommen.“

Selbst der Strom ist grün

Auch in Sachen Stromverbrauch wollten die Radachers, seit über 100 Jahren liegt das Hochkeil- und Arthurhaus sowie die vier dazu gehörenden Lifte in Familienbesitz, autarkt bleiben. Wasser rinnt von jeher genügend vom Hochkönig bergab, und selbiges wurde damals, und wird auch noch heute genutzt. Ein Turbine, unscheinbar in einem mittlerweile vom Verfall gezeichneten Haus, dreht seit ewigen Jahren einsam ihre Runden. „Die ganz genauen Daten kennt nur noch der Großvater“, weiß Radacher, aber eines der Schilder im „Kraftwerk“ verweist auf das Jahr 1917. Beim Lokalaugenschein des „Kraftwerkes“ stechen zahlreiche, für lebenslange Qualität bürgende, Besonderheiten ins Auge. Sei es die Mamorplatte in die sämtliche Anzeigetafeln eingebettet ist, oder die Werkzeugwand, bei der seit einem Jahrhundert jeder Schraubenschlüssel seinen speziellen Platz hat. „Bis heute versorgt dieses Kraftwerk unsere Lifte und das Arthurhaus. Im Prinzip sind wir also Strommässig vollkommen autark“, sagt Peter Radacher, sichtlich nicht ohne Stolz. Das hauseigene Kraftwerk produziert 60 Kilowatt Strom, genügend also um den Liftbetrieb aufrecht zu erhalten. „Aus rechtlichen Gründen hängen sowohl das Arthurhaus als auch unsere Lifte am öffentlichen Stromnetz. Soweit ich weiß, mussten wir auf dieses aber noch nicht oft zurückgreifen“, erzählt der Junior. Die Natur liegt Peter Radacher am Herzen, deshalb wird es auch in den nächsten 100 Jahren weder Schneekanonen noch überdimensionierte Liftanlagen rund ums Arthurhaus geben.

Moderne ist nicht aufzuhalten

Die Arthurhaus Lifte, ebenso wie der gesamte Radacher Familien-Clan, stehen für einen schonenden Umgang mit der Ressource Natur. „Wir wissen natürlich, dass wir von den Launen der Natur abhängig sind“, sagt Peter Radacher. Für ihn, der durch und durch ein „Bergmensch“ ist, ist das mehr als nur ein cooler Slogan. Jede Maschine wird bewusst eingesetzt, keine Pistenraupen-Stunde zu viel gefahren. Das soll nicht bedeuten, dass rund um das Arthurhaus die Zeit still steht, ständig fallen dem Junior Chef neue spannende Projekte ein. Sei es der 100 Prozent-Naturschnee Snowboardpark, der Skitouren-Lehrpfad, ein eigenes Festival für Splitboarder oder gerade brandaktuell ein „Banked Slalom“ – die Urform des alpinen Renn-Snowboardens. Die Zeit steht am Fuße der Mandlwand also keinesfalls still. Lediglich die Uhren drehen sich ein wenig langsamer.
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Judika-Andromeda Zeiger aus Salzburg Stadt | 23.10.2014 | 15:59   Melden
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