17.11.2017, 15:12 Uhr

"Ohne Tourismus wären wir nichts"

Ernst Brandstätter, Managern der „Snow Space Salzburg“. (Foto: Franz Neumayr/SB)

Ernst Brandstätter, Manager von Snow Space Salzburg, spricht über Kür und Pflicht im Skitourismus.

Für die Bergbahnen in Flachau, Wagrain und St. Johann-Alpendorf beginnt mit dieser Wintersaison eine neue Ära – erstmals wird das gesamte Skigebiet unter dem neuen Namen Snow Space Salzburg aus einer Hand bewirtschaftet und vermarktet.

Herr Brandstätter, Sie sind einer von drei Managern von „Snow Space Salzburg“. Sind Zusammenschlüsse wie diese die Zukunft aller Skigebiete?
ERNST BRANDSTÄTTER: Indirekt gibt es schon viele ähnliche Zusammenschlüsse – z.B. Zell am See-Kaprun, Saalbach-Fieberbrunn, Schladming-Dachstein usw. All diese Skigebiete haben erkannt, dass sie keine Konkurrenten sind. Wenn sie ihre Kräfte bündeln, können sie sich gegen Destination im Ausland durchsetzten. Aber kleine Skigebiete wie Eben und Filzmoos – die ebenfalls zu unserer Seilbahngruppe gehören – könnten autonom nicht überleben. Die umfangreiche Technik für Seilbahnen und Beschneiung fordert hochqualifiziertes Personal. Dieses Know-How kann von kleinen Skigebieten mitbenutzt werden.

Gemeinsam investiert Snow Space Salzburg in den nächsten Jahren 50 Millionen Euro in die Komfortverbesserung. Wann ist der Zenit erreicht?

BRANDSTÄTTER: Wir müssen den Bestand optimieren, modernisieren und erhalten. Das ist unsere Aufgabe. Die Verbindungsbahn zwischen Wagrain und Kleinarl ist ein wichtiger Zusammenschluss, damit die gesamte Skiregion ohne auf einen Skibus umzusteigen, nutzbar wird. Grundsätzlich geht es bei den Investitionen darum, die Gäste im Skigebiet verteilen zu können, ihnen mehr Nutzungsmöglichkeiten zu geben und eine höhere Auslastung aller Gebiete zu erzielen.

Durch hohe Investitionen werden auch die Liftkarten teuer. Was sagen Sie Menschen, die über Kartenpreise schimpfen?
BRANDSTÄTTER: Im international Vergleich liegen wir (in Salzburg) mit den Liftkartenpreisen im Mittelfeld. Man muss bedenken, dass sich die gesamte Infrastruktur der Bergbahnen ausschließlich über die Liftkarten finanziert. Dass wir investieren, z.B. in Beschneiungsanlagen, macht zwar die Karten teurer, sichert aber den Tourismus in der Region (das gilt für ganz Salzburg) und damit viele Arbeitsplätze und Wirtschaftszweige, die vom Tourismus leben.

Funparks, Carving-Strecken, Tourenski-Routen, Morgenskilauf, Après Ski usw. kommen Skigebiete ohne dieses Angebot noch aus?

BRANDSTÄTTER: Nein! Der Mensch ist vielseitig geworden und wünscht sich ein vielfältiges Angebot.

Was bedeutet Skifahren den Menschen?
BRANDSTÄTTER: Es gibt zwei Nutzer-Gruppen. Einmal jene, für die Skifahren Lifestyle und Spaß bedeutet. Nach drei Stunden auch der Piste brauchen sie Infrastruktur, wie Haubengastronomie, Après Ski, Nightlife und Wellness. Die zweite Gruppe kommt über den Tourenski-Sektor und will die Natur genießen und Sport betreiben. Die Gruppen sind keine Konkurrenten, denn viele nutzen Angebote aus beiden Bereichen.

Snow Space Flachau wurde über den Ski-Weltcup und Fernsehformate wie "Zauberhafte Weihnacht" bekannt und zur Marke. Wie soll Snow Space Salzburg zur Marke werden?
BRANDSTÄTTER: Als die Wahl damals auf den Namen Snow Space Flachau fiel, beschwerten sich viele über diesen Entschluss. Schnell hat man aber gemerkt, dass ein international verständlicher Name von den Urlauber gut angenommen wurde. Die Bekanntheit ist heute sehr hoch. Davon profitiert jetzt auch Snow Space Salzburg und damit alle Skigebiete, die im Namen enthalten sind. Sie steigen in eine bekannte Marke mit ein.

Können die Skigebiete in Salzburg noch mehr Deutsche, Holländer und Engländer anwerben oder müssen neue Gästegruppe erschlossen werden?
BRANDSTÄTTER: Der Markt aus Deutschland und aus dem Beneluxraum ist am Stärksten. Auch Besucher aus den Oststaaten werden immer mehr. Als zukünftig interessanter Markt ist der asiatische Raum zu sehen. Hier müssen wir im internationalen Vergleich Schritt halten. Denn auch Frankreich, die Schweiz, Amerika und Kanada rittern um die Asiaten – und diese fliegen dort hin, wo das Niveau am Höchsten ist.
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Helmut Santer aus Kitzbühel | 18.11.2017 | 06:37   Melden
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