Staudenknötterich, Riesen-Bärenklau und Co.: Pflanzen-"Aliens" im Wienerwald

Auch der Wienerwald bleibt vor invasiven Neophyten, wie hier dem Staudenknöterich, nicht verschont, weiß Harald Brenner vom Biosphärenpark Wienerwald.
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REGION PURKERSDORF. Japanischer Staudenknöterich, indisches Springkraut oder amerikanische Goldrute. Viele eingeschleppte Pflanzenarten vermehren sich explosionsartig und verdrängen heimische Arten. Die Bezirksblätter haben sich in der Region Purkersdorf umgesehen, wo die "Aliens" schon gelandet sind und was dagegen unternommen wird.

Flächendeckende Ausbreitung

"Die Ausbreitung der Neophyten ist flächendeckend. Der Zug ist schon abgefahren, da kann man nichts mehr machen. Man bringt die Pflanzen nicht mehr weg", meint Josef Kimmeswenger, Bezirksförster des Bezirks St. Pölten. Er erklärt die Problematik anhand eines Beispiels: "Wenn wir jetzt eine Aufforstung machen, pflanzen wir einen Baum mit 15 Zentimeter. Der Knöterich daneben wird aber drei Meter hoch. Dann haben wir große Probleme das nachgepflanzte Bäumchen fortzubringen." Auch mehrmaliges Umschneiden im Jahr helfe nur bedingt.

Viele solcher invasiven Neophyten-Arten seien vor allem für heimische Pflanzen gefährlich, "weil sie deren Ausbreitung verhindern und Schäden verursachen", erklärt Kimmeswenger. Solche Pflanzen können nicht nur wirtschaftlichen Schaden anrichten und heimische Arten verdrängen. Der Riesen-Bärenklau oder Ragweed schaden dem Menschen mitunter auch gesundheitlich: "Ragweed produziert eines der stärksten Allergene für den Menschen. Das fängt jetzt an und geht bis in den Oktober", weiß der Bezirksförster. Risen-Bärenklau verursacht auf der Haut Blasen, die wie schlimme Verbrennungen aussehen können. "Wenn jemand den Riesen-Bärenklau bekämpfen will, sollte er Schutzkleidung tragen!", rät daher Josef Kimmeswenger.

Auch Kartoffel ist nicht heimisch

Auch der Wienerwald bleibt nicht verschont, wie Harald Brenner, stv. Geschäftsführer und Teamleiter des Naturraummanagements im Biosphärenpark WIenerwald, erklärt: "Wir sind im Biosphärenpark keine Insel der Seeligen." Das Thema müsse man jedoch differenziert betrachten, erklärt Brenner: "Einige Pflanzen hat der Menschen auch mit Absicht eingeführt und zieht seinen Nutzen daraus: Äpfel, Paprika, Paradeiser und Kartoffeln zum Beispiel." Problematisch seien jedoch invasive Neophyten-Arten, die heimische Pflanzen verdrängen.

In einem mehrjährigen Projekt in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten und dem Umweltbundesamt wurden daher auf verschiedensten Flächen unterschiedliche Methoden zur Bekämpfung dieser Arten getestet – teils mit mehr, teils mit weniger Erfolg, wie Brenner erzählt. Klar sei im Biosphärenpark jedenfalls, "dass wir nicht mit Herbiziden, mit der chemischen Keule, vorgehen wollen", hält Brenner fest. So will man dem Götterbaum, z.B. im Lainzer Tiergarten, mithilfe eines speziellen Pilzes Herr werden. Problematisch seien vor allem Staudenknöterich-Arten, denn dessen Wurzeln reichen meist mehrere Meter tief in die Erde. "Mit Ausreißen erzielt man noch bessere Erfolge als mit Abmähen, weil man so auch den Wurzelkörper schädigt", rät Brenner. Doch mit einem Mal ausreißen ist es, wie bei so vielen invasiven Arten, auch hier nicht getan: "Wenn man Maßnahmen setzt, muss man sich bewusst sein, dass das keine einmalige Aktion ist. Das hat oft jahrelange Nachbehandlungen zur Folge."

Heißwasser gegen invasive Pflanzen

In Pressbaum will man invasiven Neophyten-Pflanzen zukünftig auf drei Ebenen an den Kragen, wie Bauhof-Chef Leopold Gundacker erklärt. Als "Natur im Garten"-Stadt aber möglichst umweltfreundlich: Mit Unkraut-Besen am Unimog und auf der Kehrmaschine können leicht erreichbare Flächen behandelt werden. An heiklen oder schwer erreichbaren Stellen soll künftig Heißwasser zum Einsatz kommen: "Der Vorteil ist, dass das kochend heiße Wasser auch in den Boden eindringt und die Wurzeln zerstört", weiß Gundacker.

Tipps:

– Samenstände von invasiven Neophyten abschneiden, überschüssige Ausläufer oder Jungpflanzen jäten.
– Nicht am Kompost, sondern im Restmüll entsorgen!
– Riesen-Bärenklau: Unbedingt Schutzkleidung tragen!

Autor:

Tanja Waculik aus Purkersdorf

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