Ein Abbiegeassistent für LKWs macht nicht überall Sinn
Todesgefahr durch "Brummi's"

Werner Langthaler setzt auf mehr gegenseitigen Respekt im Straßenverkehr.
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REGION PURKERSDORF (bri). Der Tod eines neunjährigen Schülers aus Wien, der am Zebrastreifen von einem abbiegenden LKW überrollt wurde, ließ kürzlich den Ruf nach einem verpflichtenden Einbau eines Abbiegeassistenz-Systems in allen LKWs aufflammen. Doch macht dies überhaupt in allen Fahrzeugen Sinn? Die Bezirksblätter fragten in der Region Purkersdorf nach. "Den Abbiegeassistent halte ich für eine nützliche und auch notwendige Sache. Da auch die Aufmerksamkeit der Lenker und anderer Verkehrsteilnehmer stetig sinkt. Durch Handys, Navi usw. werden wir immer mehr im Verkehr abgelenkt und verlassen uns verstärkt auf die Technologie in den Fahrzeugen. Leider sind diese Assistenten nicht serienmäßig eingebaut und verursachen bei Nachrüstung Extrakosten. Geschult gehören aber alle Verkehrsteilnehmer, denn der Fahrzeug-Lenker bleibt da leider oft über", so der Gablitzer Michael Willax, der als Fahrlehrer bei einem städtischen Verkehrsbetrieb in Wien arbeitet.

LKW-Verkehr reduzieren

Laut einer Statistik des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) waren 2018 nur rund vier Prozent an LKWs an Verkehrsunfällen in Niederösterreich beteiligt. Trotzdem waren in den vergangenen Jahren elf Prozent der Verkehrstoten durch Unfälle mit LKWs zu beklagen, zeigt die VCÖ-Analyse. Auch der VCÖ fordert umfassende Maßnahmen, um die Zahl der tödlichen LKW-Unfälle zu reduzieren. Neben verstärkten Kontrollen sowie die Ausstattung mit Assistenzsystemen ist auch eine Reduktion des LKW-Verkehrs unbedingt notwendig. Werner Langthaler von der Firma Baustoffe Anton Grasl GmbH in Pressbaum ist, was die Ausstattung aller LKWs mit dem Abbiegeassistenten betrifft, jedoch skeptisch. "In unserer Branche macht so ein Assistent wenig Sinn, bei LKWs im städtischen Bereich oder bei Überland-Transportern jedoch sehr wohl." Langthaler erzählt, dass sich die LKW-Fahrer in seinem Betrieb im Schnitt mindestens dreimal im Jahr den Spiegel abfahren. "Da explodieren ja die Kosten, wenn man jedes Mal Spiegel samt Kamera verliert", so Langthaler. Außerdem bringt es bei LKWs, die sich hauptsächlich auf Baustellen bewegen, aufgrund von Staub und Schmutz reichlich wenig, da die Kamera sehr rasch verdreckt. "Die LKW-Fahrer haben ja jetzt schon so viele Dinge in der Kabine auf einmal zu überwachen - alleine fünf Spiegel muss er ständig im Auge haben und ständig piepst es irgendwo. Da ich ja auch selbst fahre, weiß ich wie ich meinen Kollegen die Arbeit erleichtere und mich keiner Gefahr aussetze. Ich versuche immer mit dem Fahrer in Augenkontakt zu treten, bis ich mir sicher bin, dass er mich auch sieht, wenn ich mit Auto, Motorrad oder zu Fuß unterwegs bin," so Langthaler.

Das Miteinander fehlt

Im Winter ist er auch mit dem Schneeräumfahrzeug unterwegs und erzählt, dass die Menschen generell keinen Respekt mehr vor LKWs haben. Da wird plötzlich hinter dem Schneepflug ein Auto abgestellt, nur weil man zu bequem ist, sich eine geeignete Parklücke zu suchen - und man wird sogar beschimpft und verklagt. Elternvereine hingegen begrüßen die laufende Petition für verpflichtende Abbbiegeassistenz-Systeme. "Unser Mitgefühl gilt natürlich den Eltern des Wiener Buben, aber auch dem LKW-Fahrer, der ihn mangels fehlender Abbiegeassistenz nicht sah. "Wir unterstützen die Petition „Verpflichtende Abbiegeassistenten für LKWs jetzt!“, so Andreas Steinbichler, Obmann des Elternverein der Volksschule Purkersdorf.

Werner Langthaler setzt auf mehr gegenseitigen Respekt im Straßenverkehr.
Fahrleher Michael wünscht sich generell eine bessere Schulung aller Verkehrsteilnehmer.

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