Unsere Wien – mal Freund, mal Feind

Bahnunterführung Fürstenberggasse, damals noch mit Volkshaus
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  • Bahnunterführung Fürstenberggasse, damals noch mit Volkshaus
  • Foto: FF Purkersdorf
  • hochgeladen von Anita Ericson

Es ist schwer zu glauben, wenn man an einem sonnigen Sommertag am Ufer steht und der Wien zusieht, wie sie Richtung Donau plätschert. Dieses Bächlein kann gefährlich werden?

REGION PURKERSDORF (ae). Doch in der Tat, bei heftigem Regen dauert es nur ein paar Stunden und ihre Wassermassen schwellen unberechenbar an. Das hat in der Vergangenheit regelmäßig für verheerende Überschwemmungen gesorgt. 1630 etwa verschwand ein Teil von Penzing in ihren Fluten, 1758 schoss das Wasser zwei Meter hoch durch Schloss Schönbrunn, nachdem es bei einem heftigen Gewittern innerhalb von zehn Minuten um neun Meter gestiegen war.

Klimatische und geologische Besonderheiten

Das alles ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sie von ihrer Quelle am Kaiserbrunnberg bei Pressbaum nur 34 Kilometer bis zu ihrer Mündung in den Donaukanal bei der Urania zurücklegt. Doch zum einen fangen sich atlantische Regenwolken gerne im zentralen Wienerwald, wo die Wien und ihre zahllosen Zuläufe entspringen – sprich: es regnet hier häufiger als sonst wo im weiten Umkreis. Zum anderen bilden hier tiefgründige Lehmböden, die kaum Wasser aufnehmen, den Untergrund. Kommt es nun zu starken Regenfällen, steigt der Wasserstand in der alles entwässernden Wien, die darüber hinaus im ersten Teil ein Gefälle von 43 Prozent aufweist, rapide an.

Vom Versuch, die Natur zu zähmen

In der Stadt Wien hat man den Fluss daher in einem tiefen Bett in Beton gegossen, die Rückhaltebecken im Auhof fangen zudem starke Hochwässer verlässlich ab. Auch auf niederösterreichischer Seite hat man in den Flusslauf regulierend eingegriffen, allerdings viel sanfter. Doch mitunter ist man machtlos gegen die Urgewalten der Natur. Zuletzt Anfang Juli 1997, als die Wien nach tagelangen, ergiebigen Regenfällen im Stadtgebiet von Purkersdorf über die Ufer trat. Viktor Weinzinger war damals schon Kommandant der Feuerwehr, er erinnert sich noch lebhaft: „Wir waren 48 Stunden rund um die Uhr im Einsatz. Wir schleppten Sandsäcke ohne Ende, trotzdem konnten wir nicht verhindern, dass Teile der Stadt wie die Post- oder die Mindersiedlung, die Fürstenberggasse oder der Bereich um die Apotheke quasi untergingen“.

Gefahrenmomente in ernster Lage

Das Bundesheer hatte Katastrophenhilfszüge geschickt, die Gemeinde war von der Umwelt abgeschnitten. Neben dem Versuch, die Wassermassen von Kellern und Häusern fernzuhalten, gab es auch gefährliche Einsätze. „Die Wien hatte jede Menge Holz mitgerissen, Ast- und Strauchwerk, kleine und auch große Stämme. Die verfingen sich natürlich hier und da, und diese Verklausungen mussten wir rasch lösen“, erzählt Weinzinger weiter. Besonders dramatisch war die Lage an der Brücke zur Fahrschule: „Wir waren noch nicht lange fertig mit den Arbeiten hier, als die Brücke losgerissen wurde und in Richtung Auhof verschwand. Das war ziemlich unheimlich.“ Erst als der Regen nach zwei Tagen nachließ, entspannte sich die Lage – doch die Aufräumarbeiten wie Keller auspumpen und Schwemmholz entfernen beschäftigten die Feuerwehr noch einige Tage mehr.

Optimistisch für die Zukunft

Das Hochwasser von 1997 war ein Jahrhunderthochwasser, angesichts der immer heftiger Wetterkapriolen heutzutage stellt sich trotzdem die Frage: Werden wir so etwas nochmals erleben? „Meiner Meinung nach war das Schleusenmanagement am Wienerwaldsee unzulänglich. Der war damals ja noch Trinkwasserreservoir und aufgestaut. Erst beim Höchststand wurde der Abfluss geöffnet, und der abrupte Wasserschwall war einfach zu viel auf einmal“, beruhigt Weinzinger, „Heute dient der See als echtes Rückhaltebecken, sein Durchfluss ist immer offen und ich glaube, damit sind wir bestens gerüstet.“

Autor:

Anita Ericson aus Purkersdorf

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