Vortrag in Wolfsgraben: 'Fake News' und Hass im Netz

Moderator Fritz Zaun, GGR Gabriele Hollinek, NR Dieter Brosz und Helge Fahrnberger beim Vortrag in Wolfsgraben.
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PURKERSDORF. Nicht alles was im Internet steht, ist auch unbedingt wahr. Obwohl das gewiss vielen bewusst ist, hält sich das Phänomen der viral verbreiteten Falschmeldungen beständig. Helge Fahrnberger, Gründer des Medienbeobachtungs-Blogs 'Kobuk', führte bei einem Vortrag in Wolfsgraben, im Rahmen der Grünen Bildungswerkstatt, eindrucksvoll vor, wie falsche oder unwahre Meldungen zustande kommen.

"700-prozentige Steigerung!!!"

Fast schon ein Klassiker sei die Auswertung der jährlichen Kriminalstatistik, erklärte Fahrnberger und zeigte mehrere Beispiele: Denn oftmals wird diese Statistik sehr kreativ interpretiert. Zum Beispiel, wenn von einer '700-prozentigen Steigerung der Raubüberfälle auf Trafiken in NÖ' berichtet wird. Helge Fahrnberger erklärte: Wenn im einen Jahr eine Trafik überfallen wurde, und im Jahr darauf acht, sind es rechnerisch 700 Prozent mehr.

Angstmache, Selektion und Einfluss

Doch was ist die Konsequenz solcher Meldungen? "Dieses medial vermittelte Bild der Wirklichkeit macht uns Angst – und beeinflusst auch unsere Risikowahrnehmung", schilderte Helge Fahrnberger. Auch die individuelle Auswahl der Information spiele dabei eine wesentliche Rolle, denn: "Wenn man schon mal ein Weltbild hat, selektiert man die Information so, dass das eigene Weltbild möglichst wenig wackelt." Zudem gehe es vielfach auch um Einfluss – "und das ist dann kein Journalismus mehr, denn dann bin ich Partei."

"Digitales Handwerkszeug" für Schüler

Auch Thomas Prager, den unsere Leser sonst als fleißigen Redakteur im Sportbereich der Bezirksblätter kennen, beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Hassmeldungen, 'Fake News' und Co. Gerade als er sich mit Tim Dombrowski – beide studierten Publizistik und Kommunikationswissenschaften und sammelten bereits in mehreren Redaktionen journalistische Erfahrungen – über die zunehmenden Falschmeldungen im Internet unterhielt, sandte ein Freund den beiden den Link zu einem Video, in welchem behauptet wurde, dass Franz Beckenbauer oft von einem "Klon" gespielt worden sei. Die Satire erkannte der Freund jedoch nicht als solche.

Schon bald war die Idee geboren, erklärt Thomas Prager: "Es ist einfach unglaublich wieviel die Menschen glauben ohne zu hinterfragen. Wir überlegten dann ‚wenn’s viele Menschen nicht können und es notwendig ist – warum lehren wir’s dann nicht einfach selbst?‘". Gesagt – getan: Mittlerweile bietet er in Form eines "Instituts für digitale Kompetenz und Medienbildung" gemeinsam mit Tim Dombrowski Workshops für Schüler an. Ziel ist es, "Handwerkszeug zum kritischen Hinterfragen von Inhalten zu vermitteln", erklärt Thomas Prager.

Quellen im Zweifel kritisch hinterfragen

Ein solches schon in der Schule zu vermitteln, hält auch Helge Fahrnberger für wichtig. Er meint, dass Wissenschaftstheorie schon im Schulwesen stärker verankert sein sollte, um zu lernen, wie man sich der Wahrheit nähert: "Worauf's mir ankommt, ist Quellenkritik."

In der offenen Diskussionsrunde gemeinsam mit Nationalrat Dieter Brosz (Grünen) schilderte dieser, wie die Grünen im rechtlichen Disput mit dem Internet-Riesen Facebook versuchen, diesen in Sachen Hass im Netz stärker zur Verantwortung zu ziehen. Denn viele Postings, die z.B. körperliche oder sexuelle Gewalt androhen, würden, trotz entsprechender Meldung, nicht gelöscht. Wer jedoch selbst ein Facebook-Profil betreibt, hafte für alles was darauf passiert – auch für derartige Kommentare anderer User: "Die Plattform selbst wird in den Freiraum gestellt, aber die Personen, die es nutzen, haben plötzlich die Verantwortung ein Medium zu sein?!", meinte Dieter Brosz. Für ihn steht daher fest: "Wir haben noch viel vor mit Facebook!".

Links:

Medienwatchblog Kobuk
Institut für digitale Kompetenz & Medienbildung

ZUR SACHE:

Eine Meldung kommt Ihnen komisch vor? Helge Fahrnberger und Thomas Prager raten zur Quellenkritik, und zur klärenden Recherche. Fahrnberger: "Vieles lässt sich schon mit simplen Googeln aufklären. Vielleicht haben auch andere darüber berichtet."

Moderator Fritz Zaun, GGR Gabriele Hollinek, NR Dieter Brosz und Helge Fahrnberger beim Vortrag in Wolfsgraben.
Thomas Prager ist nicht nur Sport-Redakteur der Bezirksblätter, sondern bietet auch Medienbildungs-Workshops.

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