Wie gut ist das Wasser in der Wien?

Zahlreich sind die Enten, die am Wienfluss dümpeln.
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Plantschen ja, trinken nein – so lässt sich die Wasserqualität der Wien in aller Kürze beschreiben.

REGION PURKERSDORF (ae). Vergleicht man die heutige Wasserqualität der Wien mit jener von vor vierzig Jahren, hat sich der Zustand des Flusses um Längen verbessert. Lag sie 1977 teilweise noch im roten Bereich in Klasse IV, ist sie heute bereits in Klasse II-III zu finden.

Vier-Klassengesellschaft

Insgesamt gibt es vier Güte- und drei Zwischenklassen. Stufe IV ist die schlechteste und verweist auf übermäßige Verschmutzung, wo Fäulnisprozesse dominieren. Hier leben vor allem Bakterien und bakterienfressende Einzeller. Kurz gesagt: ein totes Gewässer. Klasse II-III ist eine Zwischenklasse von „stark verschmutzt“ nach „mäßig belastet“. Letzteres entspricht Klasse II, Gewässern mit guter Sauerstoffversorgung und erhöhtem Nährstoffgehalt, wo fast alle Tier- und Algengruppen in großer Zahl vorhanden und auch die Fischgründe ergiebig sind. Diese Klasse II wird an der Wien angestrebt, da Klasse I – „sehr gering belastet“ – nur für Quellbereiche und Oberläufe im alpinen Bereich ein Ziel ist.

Keine Nostalgie

Die biologische Gewässergüte zeigt uns also, wie sehr Flüsse und Bäche mit organischen, biologisch leicht abbaubaren Substanzen belastet sind. Diese Belastungen können natürlichen Ursprungs sein wie Laubabfall aber auch durch Menschen verursacht, wie Abschwemmungen von Oberflächen oder Einleitungen. Früher waren es vor allem ungeklärte Abwassereinleitungen, die für die schlechten Werte verantwortlich waren. Erst durch den Bau von Kanälen und Kläranlagen ab den 1970er Jahren hat sich das weitgehend und dramatisch verbessert.

Gemessen und für gut befunden

Laut einer aktuellen Wasserprobe flussabwärts der Kläranlage am Wienerwaldsee weisen sämtliche relevanten Indikatoren für die organische Belastung hervorragende Werte auf. Der ph-Wert etwa, der Zeiger für die Qualität des Gewässers als Lebensraum für Fische ist, liegt bei 7,9 und somit im optimalen Bereich zwischen vier und neun. Bei Ammonium wiederum, einem wichtigen Indikator für die Verschmutzung eines Gewässers, liegt der Messwert in der Wien bei 0,061 mg pro Liter, das entspricht rund einem Siebentel des Grenzwerts von 0,45 mg/l. Der zusammenfassende Wert für die organische Belastung eines Gewässers misst den biologischen Sauerstoffbedarf (BSB5). Er gibt Auskunft über die Qualität der Reinigung der Abwässer und bekommt bei uns auf einer Skala von eins bis sechs die Note zwei. Fazit: Das Wasser in der Wien ist zwar mangels Entkeimung kein Trinkwasser, ansonsten jedoch unbedenklich zum Plantschen und ökologisch erfreulich für die Tier- und Pflanzenwelt.
Die biologische Gewässergüte ist freilich nur ein Wert, der den ökologischen Zustand eines Gewässers beschreibt. Großen Einfluss auf das Ökosystem hat auch die Struktur des Flusses. Lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe über Renaturierung.

ZUR SACHE
Bakterien sei Dank

Die Kläranlage des Wientalsammelkanals liegt direkt unterhalb vom Wienerwaldsee. Eingeleitet werden die Kanäle der Haushalte und Betriebe in Pressbaum, Tullnerbach, Wolfsgraben und Teilen von Purkersdorf. Geklärt wird das Wasser grob gesprochen in drei Schritten, Klärfacharbeiter Florian Hirn erläutert: „Zunächst fließen die Abwässer durch einen Rechen, hier werden alle Grobstoffe entfernt – vom Klopapier bis zu Nudelresten. Das kommt in die Müllverbrennungsanlage“. Nach dieser mechanischen Reinigung geht es weiter in die physikalische Reinigung, wo sich ein guter Teil der restlichen Feststoffe absetzt (Der dabei entstehende Schlamm kommt in den Faulturm, wo Biogas zu Heizzwecken gewonnen wird). Anschließend erfolgt die biologische Klärung, Florian Hirn: „In den Klärbecken leben Bakterien, die alles das ab- bzw. umbauen, was in keinen gesunden Fluss gehört, wie etwa hohe Konzentrationen an Kohlen- oder Stickstoff.“ Auch hier entsteht schlussendlich Schlammm für den Faulturm. Abschließend fließt die eingangs so stinkende Brühe nach ein bis zwei Tagen als völlig geruchloses und absolut klares Wasser in die Wien ab.

Zahlreich sind die Enten, die am Wienfluss dümpeln.
Klärfacharbeiter Florian Hirn staunt selbst immer wieder, wie klar das Wasser beim Austritt aus der Kläranlage ist.

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