"Aschenputtel-Eklat" in Gablitzer Ortspolitik

Skurril: Dieses Paar glitzernder High Heels löste eine Diskussion in der Gablitzer Ortspolitik aus.
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GABLITZ. Kurz vor dem Internationalen Tag der Frau am 8. März entbrannte in Gablitz eine Diskussion um das Frauenbild in der örtlichen Politik – und alles begann mit einem Paar glitzernder High Heels von ÖVP-Gemeinderätin Astrid Wessely.
Denn via Facebook bat Astrid Wessely um Rat: Sie postete ein Bild neu erworbener, silber-glitzernder High Heels und fragte "behalten oder zurückschicken?". Mit über 70 "Likes" und über 50 Kommentaren rieten ihre Facebook-Bekanntschaften, darunter auch viele Gablitzer, größtenteils dazu die Schuhe zu behalten.

"Frau mit den schönsten Schuhen"

Kurz darauf lud die Gemeinde Gablitz zum Neujahrsempfang. Im Zuge dessen wurde einigen Gemeindebürgern für herausragende Leistungen gedankt (wir haben berichtet) – so auch Flüchtlingskoordinatorin Astrid Wessely, die in den auf Facebook heiß diskutierten 'Glitzer-Schuhen' kam. Bürgermeister Michael Cech äußerte sich in seiner Rede, in welcher er Wesselys Leistungen als Flüchtlingskoordinatorin hervorhob, unter anderem wie folgt: "Es gibt nur ein Thema, das in Gablitz mehr diskutiert wird als die Flüchtlinge, und das sind die Schuhe der Astrid Wessely", und stellte sie als die "Frau mit den schönsten Schuhen in Gablitz" vor.

"Aussehen vor Kompetenz?"

Für Gemeinderätin Fritzi Weiss (Grünen) eine "doch eher befremdliche Aussage", wie sie in einem Bericht im aktuellen Grünen-Gemeindemagazin schreibt. Auf Nachfrage der Bezirksblätter schildert sie: Es habe sich gezeigt, dass Bürgermeister Cech das Thema Flüchtlinge extrem unangenehm sei "und er hat eben als Ausstieg aus der Problematik den Weg gewählt auf lustig zu machen und das auf Kosten einer Frau. Viele anwesende Frauen haben das als sehr befremdlich empfunden", so Weiss. So werde eine politische Kultur zelebriert, in der es nicht um Leistungen gehe, sondern in der das Aussehen bei Frauen scheinbar immer noch stärker bewertet werde und offenbar eine größere Rolle spiele als ihre Kompetenzen und Leistungen, meint Weiss.
Dass Astrid Wessely trotz ihrer fachlichen Expertise als Architektin nicht im Infrastruktur-Ausschuss mitarbeiten dürfe, sei ebenfalls ein Zeichen dafür, so Weiss und erklärt: "Frau GRin Wessely hat zu Anfang der Gemeideratsperiode uns gegenüber schon darüber Verwunderung ausgedrückt, dass Sie im Infrastrukturausschuss nicht erwünscht ist."

Wessely nahm's mit Humor

Astrid Wessely ist stattdessen im Ausschuss für Kultur und in jenem für Wirtschaft vertreten. Auf Nachfrage der Bezirksblätter erklärt sie: Der Infrastrukturausschuss "war überhaupt nie ein Thema für mich. Ich sehe mich in dem Spannungsfeld Wirtschaft und Kultur – dort bin ich mit meiner Arbeit, mit dem Künstlerverein, als Frau in der Wirtschaft-Vorsitzende, und jetzt auch in der Gemeinde." Diese Ausschüsse seien immer ihr Wunsch gewesen, und "wenn das Knowhow gebraucht wird, stehe ich sowieso zur Verfügung."
Und wie steht sie zu Michael Cechs Bemerkung über ihre Schuhe? Sie habe es als humorvoll und lustig verstanden, erklärt sie: "Diesen Post hab ich ja selbst gemacht. Das war lustig gemeint, mit Humor – und so haben’s alle verstanden, die Anwesenden und ich auch." Viel mehr ärgere sie, so Wessely, "dass man selbst so einen Anlass hernimmt um einen Kleinkrieg gegen den Bürgermeister und den Vizebürgermeister zu führen."
Für Fritzi Weiss ließe diese Aussage "vermuten, dass sie den Bürgermeister aus Parteiraison nicht anpatzen will und daher diese, für sie despektierliche öffentliche Herabwürdigung ihrer Person nicht zurückweist."

"Hohe Frauenquoten seit Cech!"

Bürgermeister Michael Cech selbst findet "diese Angriffe mit Unwahrheiten einfach jämmerlich", so der Ortschef gegenüber den Bezirksblättern, und meint: "Eine Parteizeitung, die nicht einen einzigen Punkt enthält, was die Partei für Gablitz tut sondern nur andere durch den Dreck zieht, richtet sich von selbst." Kulturausschuss-Vorsitzende Manuela Dundler-Strasser (ÖVP) fügt hinzu: "Seit Michael Cech Bürgermeister in Gablitz ist, haben Frauen in der ÖVP Gablitz so viel Gewicht wie nie zuvor, aber nicht durch Quote, sondern durch gute Zusammenarbeit und Kompetenz. Es ist wirklich schade, dass man versucht, das durch solche Angriffe zu schmälern."

ZUR SACHE:

Die Frauenquoten im Gablitzer Gemeinderat im Detail: 8 von 25 Gemeinderäten in Gablitz sind Frauen (32 %). Die Parteienquoten zeigen sich wie folgt:
ÖVP: 6 von 13 (46 %),
SPÖ: 1 von 6 (16 %),
Grüne: 1 von 3 (33 %),
NEOS: 0 von 2,
FPÖ: 0 von 1.
Von insgesamt 8 Gemeindevorstandsmitgliedern sind 3 weiblich (alle ÖVP).

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Autor:

Tanja Waculik aus Purkersdorf

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