20.10.2014, 05:07 Uhr

Ende gut, alles gut: Mauerbacher Musiker unterstützten Sozialprojekt in Chile

Dankeskonzert - Joaena Hyewon Ryu und der (Mauerbacher) Pianist und Komponist Dominik Landolt
Mauerbach: Festsaal der Musikschule |

Junge Musiker dankten für Unterstützung

Im Rahmen des vom Kulturverein KUKMI organisierten 4. Mauerbacher Kulturherbstes spielten im Festsaal der Musikschule die koreanische Konzertgeigerin Joaena Hyewon Ryu und der Mauerbacher Pianist und Komponist Dominik Landolt ein klassisches Konzert. Der musikalische Bogen spannte sich von L. v. Beethoven über B. Bartók und F. Kreisler - um nur einige der Komponisten zu nennen. Die wunderschöne Musik gefiel dem Publikum sehr. Unterstützung bekamen sie nach der Pause mit dem Gastauftritt vom in Amursk, Russische Föderation geborenen Sänger Alexey Kovalenko. Von Elena Upryamova am Klavier begleitet, brachte er die Arie "Non più andrai" aus der Oper "Die Hochzeit des Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart.

Abentuer im Vorfeld
Wie dieses Dankeskonzert zustande kam und über die Erlebnisse und Eindrücke in Chile, berichtet Landolt nachfolgendend.
Am 6. August 2014 begann für meine Freundin Joaena Hyewon Ryu und mich eine Reise, welche zu einem unglaublichen Erlebnis werden sollte.
Schon im Vorfeld war es ein Abenteuer diese Reise überhaupt finanzieren zu können, da uns der Sponsor wenige Tag vor unserem Abflug durch Nichterreichbarkeit abgesprungen war und wir irgendwie versuchen mussten, das Geld für die Flugtickets aufzutreiben.
Dank der großartigen Unterstützung des gesamten Bezirks Purkersdorf, vor allem Georg Ragyoczy und einiger privaten Sponsoren konnte der gesamte Betrag aufgetrieben werden.

Chile - Chiloé - Castro
Als wir schlussendlich in Chile landeten, mussten wir noch einen Bus nehmen, der uns in vier Stunden auf die kleine Insel Chiloé in die Stadt Castro brachte.
Die ersten Tage verbrachten wir mit Schulbesuchen zur Instrumentenvorstellung. Einige der Schulkinder hatten noch nie eine Geige oder Klarinette gesehen.
Ein Konzert chilenischer Ureinwohnermusik durften wir im Radio de Castro hören. Es waren für uns unglaubliche Eindrücke und für europäische Ohren durchaus neue Klänge.
Claudio Perez Llauquel, ein Komponist aus Castro schreibt solche Musik. Claudio ist auch der einzige Jazzpianist dieser Insel und Professor für Klavier. Manchmal nahm er uns auf kleine Jam-Sessions mit, wo wir mit den lokalen Jazzgrößen spielen konnten und unseren Spaß hatten.

Klavierschüler
Am 11. August begann der erste Kurs. Meine Klavierschüler waren zwar an einer Hand abzuzählen, allerdings waren sie interessiert für hunderte. Egal was man ihnen zeigte oder sagte, nahmen sie dankbar an und versuchten immer, es sofort umzusetzen.
Das Niveau der Schüler war sehr unterschiedlich. Einer spielte am liebsten einfache Akkorde als Begleitung bekannter Poplieder, ein anderer spielte zwar klassische Musik, allerdings auf einem mittleren Level und nur Felipe war herausragend.

Felipe
Er spielte einen Chopin nach dem anderen und das mit einem Klang der berührend war. Ich erarbeitete mit ihm dann in den weiteren Tagen einige technische und musikalische Feinheiten, um sein Spielen zu perfektionieren.
Die Unterhaltungen verliefen allerdings meistens sehr lustig, da ich nur bröckchenweise Spanisch spreche und Felipe kein Englisch, und schon gar kein Deutsch.
Umso berührender war es für mich, als Felipe einen ,,Übersetzer" suchte, um mir mitzuteilen, dass er sehr dankbar für alle Hinweise und Ideen ist. Er war sehr traurig, dass er es mir nicht selbst sagen konnte, wie dankbar er ist, weil wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Wir einigten uns dann darauf, dass er bis nächstes Jahr sein Englisch verbessert und ich ein wenig Spanisch lernen werde.

Joaenas Geigenklasse
Auch die Geigenklasse war vom Niveau sehr unterschiedlich. Da es eine in Chiloé eine sehr motivierte Geigenlehrerin gibt, mussten die vielen Mädchen und Buben täglich in drei Gruppen geteilt werden.
Einige Violinisten waren noch ganz am Anfang, und mussten lernen, wie man das Instrument richtig hält und wie man einen schönen Ton überhaupt erst erzeugt, andere kamen, um das Spielen schneller Läufe und technisch schwierige Passagen zu erlernen. Fast täglich unterrichtete Joaena länger als geplant. Manchmal war sie noch eine Stunde nach der offiziellen Unterrichtszeit im Unterrichtsraum und fiedelte mit ihren Schülern fröhlich dahin.

Bestes chilenisches Essen
Das war vielleicht der Grund, warum ihre Schüler uns am letzten Kurstag an den Händen packten und uns in ein Restaurant brachten, wo es das beste chilenische Essen gibt, das man in Castro bekommen kann. Wir speisten dann fröhlich drauf los, und tranken mit jenen, denen es schon erlaubt war, ein chilenisches Bier. Kein unglaublicher Gaumenschmaus, aber trinkbar.

Klassisches Konzert
Unser Konzert war auch ein großer Erfolg und wir waren sehr glücklich, dass das Centro Cultural de Castro fast komplett gefüllt war, obwohl es in Chiloé keine klassische Musiktradition gibt und viele Leute bis zu diesem Tag noch nie auf einem klassischen Konzert waren.
Dies ließ manchmal lustige Fragen unserer Schüler aufkommen, wie zum Beispiel: ,, Und jetzt sitzen wir da und reden nix? Woran denkt ihr denn dann, wenn ihr euch sowas anhört? Nur an die Musik?"…
Noch ist einiges zu tun in Castro, allerdings nahmen die Leute die Musik ausgezeichnet an und dankten uns noch Tage später auf der Straße für unser Konzert und die Musik. Es war sehr berührend für uns, dass die Menschen trotz fehlendem klassischen Musikverständnis die Musik durch Emotion spüren und erleben konnten und auf diese Weise verstehen lernten.

Chile im August
In Chile ist es im August kalt. Es ist wirklich kalt, so wie zu Winterbeginn in Österreich. Das wusste ich nicht. Deshalb stapfte ich munter mit meinen Leinenschuhen durch die Gegend. Eines Tages machten wir einen Ausflug in einen Regenwald. Ein Bewohner der Stadt Castro, Mauro, brachte uns mit einem Bus in den Nationalpark von Chiloé und führte uns durch den Wald. Und es regnete. Trotz allem war der Ausflug eine unglaubliche Bereicherung unserer Reise.

Dank und Konzert
Ich bin sehr dankbar, dass Oscar Mendoza uns eingeladen hat, zu diesem Kurs zu kommen, und uns diese Chance gegeben hat, eine ganz neue Kultur kennenzulernen. Ich bin auch sehr berührt von all unseren netten Kollegen beim Kurs, die unglaubliche Musikerinnen und Musiker sind und noch dazu ganz, ganz liebe Menschen.
Nochmals ein großes Danke an ALLE die uns geholfen haben, das Geld zu organisieren.
Als Dankeschön spielen wir heute im Festsaal der Musikschule Mauerbach ein Konzert mit dem Programm von Chile.
Organisiert wird diese Veranstaltung vom Mauerbacher Kulturverein KUKMI - Mittendrin im Wienerwald.
Wir hoffen, dass wir damit einen kleinen Teil der großen Unterstützung zurückgeben können.



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