13.03.2017, 15:36 Uhr

Bundesforste und BirdLife errichten 500 Vogelinseln für Waldkauz & Co

Der Vogel des Jahres 2017: Der Waldkauz. (Foto: Birdlife/Rosl Rössner)

Weitläufiges Netzwerk an Vogelschutzinseln soll Artenvielfalt fördern – auch im WIenerwald.

REGION PURKERSDORF/Ö (red). Nur der frühe Vogel fängt den Wurm: Mit den allerersten Frühlingsboten ist auch der charakteristische Balzgesang des heimischen Waldkauzes (Strix aluco) weithin in den nächtlichen Wäldern zu hören. Mit unermüdlichen „Huu-hu-huhuhuhuu“-Rufen lockt der Vogel des Jahres 2017 potenzielle Partnerinnen zu den ersten Waldhochzeiten der Saison. „Der Waldkauz ist die häufigste Eulenart Österreichs und gilt damit als wahres Positivbeispiel gegenüber seinen Familiengenossen“, erklärt Gábor Wichmann, Geschäftsführer der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich. „Von den zehn heimischen Eulenarten sind sieben wie der Sperlings- oder Raufußkauz bereits gefährdet, da ihre natürlichen Lebensräume zunehmend schwinden“, so Wichmann weiter. Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) betreiben daher in Zusammenarbeit mit BirdLife Österreich ein landesweites Naturschutzprojekt, das den Waldvögeln in ÖBf-Wäldern wieder mehr Lebensraum bieten soll. „Wir wollen heimischen Eulen und anderen bereits gefährdeten Waldvögeln in unseren Wäldern auch in Zukunft eine Heimat bieten“, erläutert Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste, die rund 15 % der Wälder im Land betreuen. „Dafür weisen wir österreichweit knapp 500 Vogelinseln zur Förderung der Artenvielfalt aus, in denen wir bewusst auf forstliche Bewirtschaftung verzichten.“

Zwischenbilanz: 150 Vogelinseln eingerichtet

150 der knapp 500 Vogelinseln für mehr Biodiversität – jede je nach Gelände zwischen ein und zehn Hektar groß – sind bereits „bezugsfertig“. Allein in Salzburg finden sich in den Wäldern der Bundesforste heute bereits 41 Vogelschutzflächen – etwa im Gasteinertal, in der Flachau, bei Taxenbach oder Bischofshofen. 35 Gebiete liegen in Tirol, davon 18 auf ÖBf-Flächen im Unterinntal, 17 im Oberinntal. In der Obersteiermark wurden bisher 28 Vogelschutzgebiete eingerichtet. 20 weitere waren es in Niederösterreich im Wienerwald und im Voralpengebiet. Kärnten weist derzeit 15 Waldgebiete für seltene Vögel aus, Oberösterreich 11. „Alle Biodiversitätsinseln zeichnen sich durch alte, groß dimensionierte Baumbestände und ausreichend abgestorbenes Holz aus - also genau jenen vielfältigen Lebensraum, der gefährdeten Waldvogelarten ausreichend Nahrungsquellen und Brutmöglichkeiten bietet“, beschreibt Freidhager. „Sperlingskauz, Raufußkauz und Waldkauz sind sogenannte Höhlenbrüter“, setzt Wichmann fort. „Sie nutzen die Löcher in alten oder toten Bäumen gleich mehrfach: für die Jungenaufzucht, als Versteckmöglichkeit und als Futterdepot.“

Für 2017 planen die Bundesforste bis zu 80 weitere Waldgebiete für den Vogelschutz – schwerpunktmäßig in der Steiermark, in Salzburg und im niederösterreichischen Wienerwald. „Bis zum Jahr 2020 steht das Netzwerk an Vogelschutzinseln. Damit hoffen wir, dass auch die Bestände heute bereits seltener Waldvogelarten langfristig wieder wachsen werden“, zeigt sich Freidhager zuversichtlich.

Naturnahe Forstwirtschaft fördert Artenvielfalt

Darüber hinaus integrieren die Bundesforste gezielt Maßnahmen für den Vogelschutz in die tägliche Waldbewirtschaftung. So werden bei jeder Holzernte bewusst sogenannte Biotopbäume, das sind besonders alte, mächtige Exemplare, bewusst im Wald belassen – neben Buchen oder Tannen auch seltene Baumarten wie etwa die Eberesche. Auch ausreichend abgestorbenes Holz soll in den bewirtschafteten Wäldern verbleiben, um Raum für neues Leben zu bieten. „Aber nicht nur für Waldvögel, sondern auch Flechten, Pilze sowie Insekten wie der seltene Alpenbockkäfer oder Hirschkäfer finden so ihren Lebensraum in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern“, ist Freidhager überzeugt.

Schlauer Waldkauz – Vogel des Jahres

Stellvertretend für alle Eulenarten in heimischen Wäldern hat BirdLife Österreich den Waldkauz zum „Vogel des Jahres 2017“ gekürt. Damit ist dieser Eulenvogel, der aufgrund seines runden Kopfes ohne Federohren als „Kauz“ bezeichnet wird, Botschafter für den Erhalt nahrungsreicher Wälder mit großem Altbaum- und Totholzbestand. Der Waldkauz gilt als äußerst anpassungsfähig und ist trotz seiner Namensgebung nicht nur im Wald zu Hause. Findet er keine geeigneten Baumhöhlen vor, nimmt er auch Winkel in Gebäuden, Scheunen oder sogar Nistkästen an. Diese Anpassungsfähigkeit haben aber nicht alle Eulenarten gemeinsam: Während der Bestand der Waldkäuze mit 12.000 bis 20.000 Brutpaaren in Österreich als langfristig sehr stabil einzuschätzen ist, sind andere Eulenarten wie Sperlingskauz mit 4.300 bis 7.400 Brutpaaren und der Raufußkauz mit 2.000 bis 2.900 Brutpaaren in ihrer Verbreitung stark eingeschränkt.

So schaut er aus, der Kauz

Zu erkennen ist der Waldkauz an seinem kompakten Körperbau, dem beigebraun gefärbten Gesichtsschleier und dem gekrümmten gelblichen Schnabel. Das freundliche Aussehen verdankt er seinen großen runden „Knopfaugen“ sowie den zwei hellen Querstrichen oberhalb der Gesichtsumrandung, die auf uns Menschen wie Augenbrauen wirken. Allerdings ist der nachtaktive und scheue Waldkauz eher vom Hören als vom Sehen bekannt: Sein typisches „Huu-hu-huhuhuhuu“ ist während der Balzzeit im Frühling das deutlichste Erkennungsmerkmal.

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