17.09.2014, 00:00 Uhr

Lust und Frust im Wienerwald

Rücksichtnahme ist das oberste Gebot als Waldnutzer, so die Experten. (Foto: BPWW/Gabriele Moser)

Mountainbiker, Jäger & Co.: Der Wienerwald ist ein Ort des Konflikts

REGION PURKERSDORF. In keiner Jahreszeit herrscht derart reges Treiben in den Wäldern wie im Herbst. 40 Prozent der niederösterreichischen Landesfläche sind bewaldet, neben Wildtieren bevölkern auch Forstwirte, Jäger, Schwammerlsucher, Wanderer, Spaziergänger mit Hunden und Mountainbiker den Wald. Das führt immer wieder zu Konflikten. Die Bezirksblätter hörten sich bei den Betroffenen um.


Spannungsfelder wegen Informationsmangel

"Natürlich gibt es Spannungsfelder z.B. zwischen dem Bewirtschafter und dem Waldnutzer. Die gilt es auszugleichen", weiß Bundesforste-Revierleiter Fritz Holzinger aus Gablitz. Obwohl der Wienerwald sehr vielfältig genutzt wird, funktioniert es grundsätzlich gut, betont Holzinger, doch natürlich gäbe es auch schwarze Schafe. "Die Spannungsfelder entstehen durch die Uninformiertheit der einzelnen Personen", ist Holzinger überzeugt und legt Waldnutzern ein Motto zu Herzen: "Wenn sich im Wald jeder so verhalten würde, als wäre er in einer fremden Wohnung, hätten wir keine Probleme."

Keine bösen Absichten

Das betont auch Erich Gratzenberger vom Jagdklub Purkersdorf: "Die Naturnutzer betreten einen fremden Lebensraum, aber gerade die urbane Bevölkerung denkt sich oft nichts dabei." Daher sei Aufklärungsarbeit das Um und Auf, meint der Jagdprofi. Dabei sei vor allem der richtige Ton ausschlaggebend. Setzt ein Jäger die Verhaltensregeln sehr forsch durch, gibt’s in der Region "ständig Brösel", betont Gratzenberger: "Denn wie ich in den Wald hineinrufe, so kommt’s zurück."

ZUR SACHE
Der Wienerwald ist beliebtes Naherholungsgebiet für viele Erholungssuchende. Wandern, Radfahren, Laufen, Mountainbiken, Reiten oder Geocaching – die an den Wald gestellten Ansprüche sind vielfältig. Ein neuer Folder gibt in übersichtlicher Art und Weise Auskunft über richtiges Verhalten im Wienerwald und berücksichtigt dabei die Besonderheiten von Kern- Pflege und Entwicklungszonen im Biosphärenpark.
Der Biosphärenpark Wienerwald beruht auf einer Initiative der Länder Niederösterreich und Wien und umfasst eine Fläche von rund 105.000 ha in 51 niederösterreichischen Gemeinden und sieben Wiener Gemeindebezirken. WissenschaftlerInnen an der Universität für Bodenkultur in Wien schätzen, dass jährlich zehn bis 50 Millionen Besuche in den Wienerwald erfolgen. Legt man diese beeindruckende Zahl auf 750.000 Menschen um, denen die Region Wienerwald eine Heimat ist, entspricht das pro Kopf jährlich zwischen zehn und 70 Aufenthalten im Wald.
Kernzonen sind gekennzeichnete und streng geschützte Waldgebiete. Hier soll eine Waldentwicklung ohne menschliche Eingriffe möglichst ursprüngliche Lebensräume für seltene Pflanzen und Tierarten erhalten. Die 37 Kernzonen nehmen etwa 5 % der Gesamtfläche des Biosphärenparks ein.


ZUM NACHLESEN:
Biosphärenpark informiert über richtiges Verhalten im Wienerwald
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