07.02.2018, 15:42 Uhr

Wirte habens nicht mehr leicht

Dorfwirtshäuser und tradionsreiche alte Gaststätten mit Musikanten - oder Schnapserstammtischen werden immer mehr zur Rarität.

PRESSBAUM/DÜRRWIEN (bri). Das gute alte Dorfwirtshaus mit Stammtisch und fixer wöchentlicher Schnapserrunde stirbt aus. Seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Die BEZIRKSBLÄTTER haben einen "Lokal-Augenschein" im wahrsten Sinne des Wortes unternommen.

Hilferuf während Recherche

Bei der Recherche, wo es in der Region Wirte gibt, die aktuell ums Überleben kämpfen, erreichte die Redakteurin ein Hilferuf von Florian Müller, der die "Dürrwiener Schenke" erst im April 2017 eröffnet hat. Der 45-jährige Gastronom ist in zweiter Ehe verheiratet, Oberhaupt einer Patchwork-Familie mit vier Kindern und zwei süßen Shih Tzu-Hunden.

Ein Wirtshaus mit Geschichte

Schon im Jahre 1881 hat an diesem Standort in Unter-Dürrwien eine Gastwirtschaft samt Schiesstätte bestanden. Seit mehr als 130 Jahren gibt es die traditionsreiche Gaststätte bereits, die in mehreren Generationen von der Familie Bauer und danach einige Jahre als Gasthaus Höfer geführt wurde. Im Jahr 2012 erwarb Familie Strack den Betrieb und wollte aus der alten Gaststätte, wo vom Holzfäller bis zum Bauarbeiter jeder gerne einkehrte, einen etwas gehobeneren "Gastrotempel" machen.

Hummer statt Schnitzel

Der heutige Wirt Florian Müller erzählt: "Die Leute, die früher zum Mittagsmenü oder zum Stammtisch kamen, die wollten sie nicht. Die Stammgäste blieben natürlich aus und das neue Konzept wurde überhaupt nicht angenommen." Nach nur zwei Jahren hat Hartwig Grabner den Betrieb übernommen, musste ihn aber aus gesundheitlichen Gründen 2017 wieder abgeben. Auch er kämpfte um die verlorenen Gäste. Florian Müller: "Als wir aufsperrten, habe ich lange nach gutem Personal gesucht. Doch meine Küchencrew, vor allem der Koch, machten mir das Leben zur Hölle. Und zur Krönung haben Sie mich acht Tage vor einer Hochzeit sitzen gelassen. Ich liebe es Wirt zu sein und stehe jetzt selbst in der Küche. Bei uns gibt es gutbürgerliche Küche vom Schnitzel bis zum Hirschbraten."

Kaum Unterstützung

Von Seiten der Wirtschaftkammer, aber auch von der Stadtgemeinde Pressbaum bekommt er bis dato kaum Unterstützung. "Der Bürgermeister hat ja bisher den Weg auch noch nicht zu uns gefunden", meint der Wirt leicht sarkastisch.
Auf die Frage der BEZIRKSBLÄTTER, ob er nach so kurzer Zeit etwa schon ans Aufgeben denkt, antwortet er: "Soll ich ehrlich sein? Wir kämpfen schon Monat für Monat, speziell Jänner und Februar sind für uns Wirte generell magere Zeiten. Seit der Übernahme versuchen wir, wie unser Vorgänger, "Alteingesessene" wieder zurückzuholen, denn dass sind ja in Wahrheit die Leute, die uns Geld da lassen. Aber an Kapitulation möchten wir jetzt noch nicht denken. Ich bin durch und durch Kämpfer und keiner, der schnell den Kopf in den Sand steckt."

Zur Sache
Der Wirt Florian Müller freut sich über neue Gäste in der Dürrwiener Schenke. Zu finden und zu kontaktieren ist die Schenke unter folgender Adresse:

Dürrwiener Schenke
Dürrwienstraße 27
3021 Pressbaum
Tel: 02233/536 28
info@duerrwienerschenke.at





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