26.06.2017, 20:00 Uhr

"Kampf gegen Windmühlen!": Pressbaum will dichteren S-Bahn-Takt

GR Peter Grosskopft zeigt: Ohne entsprechende Zugverbindungen bleiben die P&R-Anlagen, wie hier bei der Haltestelle Dürrwien, fast leer.

Die Stadtgemeinde Pressbaum will mehr Zughalte in den Bahnhöfen Dürrwien und Rekawinkel. Ein neues Schreiben des Landes NÖ erteilt dieser Forderung jedoch vorerst eine Absage.

PRESSBAUM. „Das ist wirklich ein Bohren fetter Bretter", seufzt der Pressbaumer Gemeinderat Peter Grosskopf. Als pensionierter ÖBB-Personenverkehrsleiter ist er im Gemeinderat federführend bei Bahn-Angelegenheiten. Schon seit mehreren Jahren versucht die Stadtgemeinde, vor allem angesichts des stark anhaltenden Bevölkerungs-Wachstums, einen dichteren S-Bahn-Takt bis Neulengbach zu erwirken – bislang jedoch ohne Erfolg.

Fahrplanumstellung 2015: Beschwerden

Schon vor dem Fahrplanwechsel 2015 habe es ein Gespräch mit Verkehrsverbund Ostregion (VOR)-Chef Wolfgang Schroll gegeben, erzählt Peter Grosskopf: "Uns wurde quasi in Aussicht gestellt, dass man versuchen würde den Halbstundentakt bis Neulengbach zu verlängern. Das ist dann stillschweigend untergegangen, keiner hat sich mehr erinnern können." Als der Fahrplan schließlich umgestellt wurde, folgte eine "Flut an Beschwerden", wie Grosskopf berichtet: Alleine via E-Mail haben sich über 60 Menschen an ihn gewandt.

Verständnis, aber keine Zahlungsbereitschaft

Da es ab 2019 einen neuen Verkehrsdienstevertrag zwischen den ÖBB und dem Bund gäbe, der ein sogenanntes "Grundangebot" definiert, wollte die Stadtgemeinde daher versuchen die Fahrplanverdichtung mithilfe des Verkehrsministeriums schon darin zu verankern – doch ohne Erfolg: Man sei zwar auf Verständnis, aber nicht auf Zahlungsbereitschaft gestoßen und sei ans Land NÖ und an den VOR verwiesen worden, erklärt Grosskopf.

P&R-Anlagen fast leer

Park and Ride-Anlagen bei den Haltestellen Rekawinkel und Dürrwien, die im Laufe des letzten Jahres errichtet bzw. erweitert wurden, blieben nun täglich fast leer, hält Peter Grosskopf fest: "Nachdem’s keinen Zug gibt, fahren viele entweder über die Autobahn oder durch ganz Pressbaum durch bis Tullnerbach-Pressbaum oder Purkersdorf, und auch dort sind die P&R-Anlagen voll. Das ist keine Verkehrspolitik."


Antwortschreiben: "Zu hohe zusätzliche Leistungen"

Nach dem Wechsel von Erwin Pröll zu Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat sich schließlich Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner in einem Schreiben zu dieser Angelegenheit an die neue Landeshauptfrau gewandt. Kürzlich langte ein Antwortschreiben des Landes NÖ an die Stadtgemeinde Pressbaum ein. In einer darin enthaltenen Stellungnahme des VOR, bezieht man sich vor allen Dingen auf zu hohe zusätzliche Leistungen.

VOR: "Aus heutiger Sicht überschießende Maßnahme"

"Wir haben vollstes Verständnis, wenn Anwohner bzw. Grundstücksinteressenten bei kleineren Halten wie Rekawinkel oder Dürrwien den vorherrschenden und bedarfsgerechten S50-Stundentakt gerne auf einen Halbstundentakt verdichtet hätten", erklärt VOR-Pressesprecher Georg Huemer auf Nachfrage der Bezirksblätter, und führt weiter aus: "Die Aufgabe des Verkehrsverbundes ist es aber, ein insgesamt bedarfsgerechtes System öffentlicher Verkehr zu organisieren und dabei sorgsam mit den zur Verfügung gestellten öffentlichen Geldern umzugehen. Die geforderte Verdichtung im S-Bahn-Verkehr wäre aus heutiger Sicht eine überschießende Maßnahme – derzeit haben die reinen S-Bahn Halte Rekawinkel bzw. Neulengbach nur einen Bruchteil an Fahrgästen zu verzeichnen im Vergleich zu den großen, entsprechend öfter mit S-Bahn und REX bedienten Halten wie Tullnerbach-Pressbaum, Pressbaum, Eichgraben-Altlengbach, Maria Anzbach, Neulengbach Stadt, Neulengbach (Stationen mit S-Bahn und schnellen Nahverkehr). Dies kann sich ändern – und damit auch unser Zugang in dieser Frage."
Der im Dezember 2015 eingeführte Taktfahrplan auf der Westbahnstrecke im Wienerwald sei ein "voller Erfolg und ein Vorbild für erfolgreiche und kundenfreundliche Fahrplangestaltung: Massive Fahrgaststeigerungen untermauern dies!", erklärt Georg Huemer weiter. Mit der heuer umgesetzten Neu-Ausschreibung des Regionalbusbereichs könne man das Bild nun komplettieren.

Pressbaum will weiter kämpfen

In Pressbaum bleibt man dennoch dabei: Der S-Bahntakt bis Neulengbach müsse verbessert werden, schon alleine aufgrund des Wachstums in der Region. "Wir gehen davon aus, dass die Bevölkerung im Einzugsbereich von Dürrwien und Rekawinkel von derzeit etwa 1.500 auf etwa 2.000 wachsen wird“, so Grosskopf. Dass vonseiten der ÖBB ein großzügiger Umbau des Bahnhofs Tullnerbach-Pressbaum geplant wird, ist für ihn unverständlich. Pressbaum gäbe jedoch nicht auf: "Nachdem’s keinen Zug gibt, fahren viele entweder über die Autobahn oder durch ganz Pressbaum durch bis Tullnerbach-Pressbaum oder Purkersdorf, und auch dort sind die P&R-Anlagen voll. Das ist keine Verkehrspolitik."

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