Dekanat Breitenwang
Die Zahl der Pfarrer geht weiter zurück

Die Aufgaben für Dekan Franz Neuner wachsen.
  • Die Aufgaben für Dekan Franz Neuner wachsen.
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  • hochgeladen von Günther Reichel

Der Bezirk Reutte zählt 37 Gemeinden, aber nur mehr 12 Pfarrer. Einige davon sind im Pensionsalter. Die Kirche sucht daher nach neuen Wegen für die seelsorgliche Betreuung der Gläubigen.

BREITENWANG (rei). Zwei Todesfälle in kurzer Zeit betrafen das Dekanat Breitenwang auf direkte Weise: Zunächst verstarb in Ehrwald Langzeitpfarrer Herbert Kassebacher, kurz darauf wurde das Ableben des Steeger Pfarrers Karlheinz Baumgartner bekannt. Beide hinterlassen in ihren Pfarren große Lücken, menschlich, aber auch was die seelsorgliche Betreuung der Gläubigen anlangt.

Schwere Verluste

Dekan Franz Neuner spricht von schweren Verlusten. Obwohl Kassebacher als auch Baumgartner bereits das Pensionsalter erricht hatten, waren sie in die kirchliche Betreuung ihrer Pfarrgemeinden eingebunden. Ihr Ableben trifft die Gläubigen hart, ebenso aber die Amtskirche.
"Ich musste schnell reagieren", erklärt Franz Neuner. Die Vorgaben sind dabei klar abgesteckt: Kirchenrechtlich ist in solchen Fällen der Dekan zuständig. Das heißt, er muss nicht nur Möglichkeiten für die seelsorgliche Betreuung schaffen, sondern vorübergehend auch als Pfarrer einspringen. Vorrangiges Ziel ist es, die Seelsorge aufrecht zu erhalten.

"Nachwuchs" ist rar

Das wird zunehmend schwierig. Etliche Pfarrer haben das Pensionsalter erreicht oder stehen kurz davor. "Nachwuchs" zu finden ist schwer. Betrachtet man die Kirche als Arbeitgeber, so kann sie nicht einfach ein Stelleninserat aufgeben und so einen Nachfolger "an Land ziehen". 
Daher sei es wichtig, dass Priester, so weit es ihre Gesundheit zulässt, auch in der Pension weiterhin mitarbeiten. Das passiert oft nicht mehr im vollen Umfang, aber auch im höheren Alter sind die Pfarrer für die Gläubigen da.
Damit die Seelsorge in den Pfarren in allen Bereichen gelingt, brauche es neue Modelle, erklärt Neuner. Mit der Schaffung von Seelsorgeräumen hat man begonnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. So ist Franz Neuner heute etwa nicht nur als Dekan für das Dekanat Breitenwang zuständig, er ist auch Pfarrer in Breitenwang, Lechaschau und Reutte. Und seit dem Ableben von Herbert Kassebacher ebenso in Ehrwald, Lermoos und Biberwier. Und jetzt auch im oberen Lechtal, wo bislang Pfarrer Baumgartner wirkte.

Dauerhafte Lösungen in Vorbereitung

Im Zugspitzkessel hat Franz Neuner mit Vikar Sinto Porathur eine Unterstützung vor Ort. Kirchenrechtlich ist aber der Breitenwanger Dekan Pfarrer der drei Gemeinden. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende des Jahres. Bis dahin soll im Optimalfall eine dauerhafte Lösung gefunden werden.
Im oberen Lechtal ist man dabei, eine Lösung zu suchen.

Bedeutung der Laien wächst

Eine enges Zusammenspiel mit Laien wird dabei immer wichtige: "Es gibt den Ansatz, dass Laien oder Diakone als Pfarrkuratoren oder Pfarrkoordinatoren zunehmend eine verantwortungsvolle Rolle übernehmen", erklärt Neuner.
Das funktioniere bislang in einigen Gemeinden schon sehr gut. "Es hängt natürlich an den handelnden Personen", weiß Neuner um die Bedeutung des "Faktors Mensch" genau Bescheid und fügt an: "Aber das gilt auch für Pfarrer."

12 Pfarrer für 37 Gemeinden

Eines sei aber unübersehbar: Die Kirche im Jahr 2020 ist völlig anders aufgestellt, als sie es noch 30, 50 oder noch mehr Jahren war: "Früher war alles sehr Priester bezogen. Damals war das möglich, weil es auch in den kleinen Gemeinden eigene Pfarrer gegeben hat. Inzwischgen hat sich das geändert."
Eine aktuelle Zahl verdeutlicht das: 37 Gemeinden gibt es im Bezirk Reutte, die Zahl der Priester ist nach dem Ableben von Kassebacher und Baumgartner auf zwölf gesunken. "Da sind auch die pensionierten Priester eingerechnet", erklärt Neuner und verdeutlicht, wie dünn die "Personaldecke" im Grunde ist. "Im Moment haben wir keinen pensionierten Pfarrer, der nichts tut. Alle sind mehr oder weniger aktiv."
Das Pensionsantrittsalter liegt bei Pfarrern übrigens bei hohen 70 Jahren! Dem Beruf des Priesters wird aber eine hohe Berufszufriedenheit nachgesagt. Die Mitarbeit in den Pfarren werde daher auch von bereits pensionierten Priestern gerne erledigt, versichert der Breitenwanger Dekan.

Jetzt gilt es aber erst einmal Lösungen in jenen Pfarren zu finden, in denen die Seelsorge durch das Ableben von Priestern einer Neuregelung bedarf. Zeitgleich habe man aber auch all jene Pfarren im Auge, wo es keine "jungen" Pfarrer gibt und sich eine Neuorganisation altersbedingt  aufdrängt. "Diese Gespräche werden geführt. Die Gläubigen wollen wissen, wie es weitergeht. Das wollen wir ihnen auch schnellstmöglich sagen."

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